
Eine Bühne für junge Musiker
Einen bunten Reigen an Musik bot das Frühlingskonzert in der Valleyer Zollingerhalle. Foto: Carlotta Gild
Wo bekommen bitte sehr junge Musikfreunde und Talente schon regelmäßig eine Bühne in ihrem eigenen Ort für öffentliche Auftritte? Zum zweiten Mal versammelten sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der Zollingerhalle und spielten vor vollem Haus ein beschwingtes Frühlingskonzert.
Die Jüngsten waren neun Jahre alt, die ältesten Anfang 20. Von Flöten über Steirische, Harfe, Oboe, Gitarre, Mundharmonika, Gesang, Orgel, Geige, Kontrabass – Ensemble, Solo, Duo. Vielfalt war geboten. Eineinhalb Stunden zeigten am 08. März 2026 junge Menschen aus der Gemeinde Valley ihr Können und ihre Freude am Musizieren. Für Sixtus Lampl eine Herzensangelegenheit. „Ich freue mich, wenn junge Menschen zusammen so ein schönes Konzert gestalten“, sagte der Gründer des Orgelzentrums Valley begeistert.

Fiona Rubel und Maria Hechenthaler an den Flöten. Foto: Carlotta Gild
Frühlingskonzert im Stile eines Hoagascht
Den Anfang machten Fiona Rubel und Maria Hechenthaler mit ihren beiden C-Flöten. Die neunjährigen Mädchen lernen seit vier Jahren gemeinsam bei Johanna Betzinger. Sie interpretierten wunderbar aufeinander eingespielt eine Rigaudon von Joseph Bodin de Boismortier, den Weilbach-Polka und etwas später den Kanon „Der Hahn ist tot“.

Leonhard Bencic und Johanna Wiesgigl an der Geige. Foto: Carlotta Gild

Johannes Bencic am Kontrabass. Foto: Carlotta Gild
Der Nachmittag war wie ein Hoagascht strukturiert: Die Musikerinnen und Musiker wechselten sich ab und erzeugten dadurch eine beachtliche Klangvielfalt. Großen Applaus bekamen die „Bencic Buam“ mit Johannes am Kontrabass, seinem Bruder Leonhard an der Geige, begleitet von Johanna Wiesgigl (ebenfalls Geige) und Papa Christoph Bencic an der Karl-Richter-Orgel. Sie brachten eine Sonatina aus der Kantate Nr. 106 von Johann Sebastian Bach, eine Irish Jig, den Diplomlandler von Herbert Pixner zu Gehör und spielten zum Schluss eine Melodie aus dem Balette „Prinz Igor“ (Alexander Borodin) – mit einem ganz starken Kontrabass-Solo von Johannes.

Dominik Baumgartner an der Steirischen. Foto: Carlotta Gild
Viel Schwung brachte Dominik Baumgartner in die Zollingerhalle, als er mit seiner Steirischen „Veronika, i bleib heit‘ Nacht bei dir“, einen Sonntagabend-Polka und den Rosalinda-Polka zum Besten gab. Der 14jährige in eleganter Stresemannhose spielt seit vier Jahren und hat in der Steirischen eindeutig sein Instrument gefunden.

Bernadette Hechenthaler (Gesang) und Ferdinand Jaschke (Gitarre). Foto: Carlotta Gild
Wie auch schon beim ersten Jugendkonzert 2025 machte es einfach Spaß, Bernadette Hechenthaler mit ihrer ausgebildeten harmonischen Stimme, begleitet vom Gitarren- und Mundharmonikaspiel von Ferdinand Jaschke zu lauschen. Die beiden haben sich 2025 als Duo gefunden und planen für 2027, mit Auftritten durchzustarten. Die Auswahl ihrer Stücke sollten ein Statement vermitteln: „Here comes the Sun“ von den Beatles war als Frühsommergruß gedacht, „Piano Man“ (Billy Joel) war ein Augenzwinkern Richtung Orgeln und Sixtus Lampl und „Imagine“ (Beatles) war als Friedenslied in kriegerischen Zeiten gedacht.

Anna Folger an der Oboe. Foto: Carlotta Gild
„Da hat sich ganz schön viel bewegt“, kommentierte Anja Gild erfreut, als Anna Folger (12) begleitet von Maria Manz an der Harfe, eine Cotillon von dem französischen Komponisten und Instrumentenbauer Jacques-Martin Hotteterre sowie eine Jigg spielte. Anna Folger hatte bereits beim Nikolauskonzert ihren ersten Auftritt. „Und ich habe enormen Respekt davor, dass ein junger Mensch Oboe als erstes Instrument wählt – es braucht so viel Mund- und Atemtechnik für dieses schöne Instrument! Chapeau, liebe Anna!“ Der Applaus und die Anerkennung waren ihr sicher. Die Valleyerin lernt seit drei Jahren.

Der Tenor Tim Bone. Foto: Carlotta Gild

Elia Ibrahim an der Orgel. Foto: Carlotta Gild
Tim Bone kann die Zollingerhalle schon sein Zuhause nennen. Der junge Sänger hat eine außergewöhnlich schöne Tenorstimme und brilliert mit einer ausdrucksstarken Bühnenpräsenz. Einfach singen ist nicht – Tim lebt die Musik mit seinem ganzen Körper. Sein Gesang wurde, sehr zur Freude von Sixtus Lampl, von Elia Ibrahim an der Steinmeier-Orgel begleitet. Elia spielt eigentlich Klavier, hat sich die Orgel aber selbst beigebracht. Zusammen bilden die beiden ein wunderbares Duo, das mit „Can you feel the love tonight“ (Elton John), dem berühmten „Halleluja“ von Leonard Cohen und „Yesterday“ von den Beatles die Zollingerhalle zum Vibrieren brachte. Tim trat bereits mit einer Solo-Partie in einem Konzert der MUSICA DI BAVIERA, dem Chor und Orchester von Sixtus Lampl, auf.

Begleitet ihren Gesang mit der Harfe: Maria Manz. Foto: Carlotta Gild
Maria Manz ist die Bühne ebenfalls gewöhnt. Dabei war diesmal die Harfe gar nicht im Mittelpunkt gestanden. Zwar zeigte sie mit „New Blues” von Deborah Henson-Cone ihr ganzes spielerisches Können an den Saiten und mit rhythmischen Schlägen auf den Holzkorpus ihr Taktgefühl – aber den eigentlichen Zauber verbreitete sie diesmal mit ihrer Sopranstimme. Glasklar und stimmlich absolut sicher interpretierte sie das Kunstlied „Komm lieber Mai und mache“ (W.A. Mozart) sowie das vertonte Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe „An dem reinsten Frühlingsmorgen“. Maria wird Harfe und Gesang studieren.

Anja Gild führte durch den Nachmittag. Foto: Carlotta Gild
Die Zollingerhalle ist für die Valleyer da
Durch den Nachmittag führte Anja Gild. Sie kümmerte sich auch um die Gesamtorganisation der Veranstaltung. „Für das Orgelzentrum ist dieses Kulturformat ein echter Meilenstein, weil das Zentrum unter anderem mit dieser Veranstaltung ins Bewusstsein der Valleyer Bürgerinnen und Bürger rückt. Die Zollingerhalle soll nicht nur als Konzerthalle für Orgeln wahrgenommen werden, sondern als ein Kulturraum für Valley, seine Bewohner, für die ganze Ortschaft.“ Insofern freut es besonders Sixtus Lampl, dass sehr viele Valleyer den Weg in die Zollingerhalle zum Jugendkonzert fanden. Einige verrieten sogar, dass sie überhaupt das erste Mal in der Halle seien. Seit April 2025 unterstützt Anja Gild das Orgelzentrum Valley im Bereich der Öffentlichkeits- und Marketingarbeit sowie in der Organisation kultureller Veranstaltungen.
Lesetipp: Verdienstorden für Sixtus Lampl
Aus einem Anfang wird eine Tradition
Bereits Ende 2025, einen Tag nach Nikolaus, versammelten sich das erste Mal junge Menschen zum gemeinsamen Musizieren in der Zollingerhalle. Die Impulsgeberinnen waren Maria Manz, die Mutter der Harfenspielerin Maria sowie Brigitte Folger, die Großmutter von Anna. Als die beiden Frauen im Herbst letzten Jahres die Idee zu einem Jugendkonzert hatten, dauerte es dank ihres breiten Netzwerks im Ort nur kurzer Zeit, bis genügend Bereitwillige sich für diese Idee begeistert haben.
Auch für dieses Jahr ist ein Nikolauskonzert am 06. Dezember geplant. So wird die Bühne der Zollingerhalle zweimal im Jahr dem Valleyer Nachwuchs eine musikalische Heimat. Wie schön!