
Insidergeschichten aus dem Münchner Bauch
Leo Reisinger erzählt. Foto: MZ
Musikalische Lesung in Holzkirchen
Die evangelische Segenskirche war brechend voll, so wie sonst zu Weihnachten. Kein Wunder, die Fangemeinde von Leo Reisinger ist groß. Der Schauspieler, Musiker und Schriftsteller aus Warngau enttäuschte sie nicht. Er präsentierte mit Sängerin Jenny Freund eine musikalische Lesung seines Bestsellers „Bavarese“ mit vielen persönlichen Erzählungen.
„Des schreibst aber ned“, meinte er bei einer besonderen Insiderinformation, zur Schreiberin hingewandt. Versprochen.
Der gebürtige Otterfinger ist seit Jahren einem breiten Fernsehpublikum aus zahlreichen Filmen bekannt, insbesondere aus der Reihe „Toni, männlich, Hebamme“. Er ist aber auch Kopf seiner Band „Leo’s Live Band“ und hat mit seinem Debütroman die Spiegel-Bestsellerliste erreicht.
Lesetipp: Leo Reisingers fulminantes Romandebüt
„Bavarese“ ist ein Liebesroman, ein Thriller, ein Krimi, alles zusammen und erzählt von einer Welt, in der Leo Reisinger zuhause ist, dem Münchner Großmarkt. Seit Jahren fährt er Gemüse aus und kennt die Szene aus dem Effeff. Er hat auch die Machenschaften, die dort in Verbindung mit mafiösen Vereinen und Münchner Gastronomie und Politik abgewickelt werden, kennengelernt.

Cover „Bavarese“
In Holzkirchen las er einige Kapitel vor und brachte sie in Zusammenhang mit seinen persönlichen Erfahrungen. Diese Erzählungen waren es, die den Abend bereicherten. Das Publikum lernte Leo Reisinger als ungemein sympathischen, bodenständigen, natürlichen Typ kennen, der locker aus dem Leben plauderte.
Als Rettungssanitäter sei er unterwegs gewesen, nachdem er als Animateur in Ferienclubs Kinder unterhielt, erzählte er. Als das Angebot gekommen sei, Gemüse auszufahren, habe er nicht bedacht, dass man dazu sehr früh aufstehen müsse, inzwischen sei er es gewöhnt.
Seit 20 Jahren arbeite er zudem als Kellner auf der Wiesn und in der Münchner Gastronomie und habe dabei tiefe Einblicke bekommen. Mit seinem Buch, in dem er diese Freunderlwirtschaft offenlegt, habe er wohl einen Nerv getroffen, meinte er.

Leo Reisinger liest. Foto: MZ
Er thematisiert aber auch das schwierige Leben einer alleinerziehenden Mutter, der Hauptprotagonistin seines Romans. Lene hat das Einzelunternehmen des Vaters geerbt und muss den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Job meistern. Früh morgens fährt sie zum Drehkreuz der Lebensmittellogistik, dem Großmarkt und lädt ihren Transporter voll, zuweilen ist der fünfjährige Luca mit an Bord.
Und sie muss sich von Michi, dem Sohn des Chefs, der gar nicht ihr Typ ist, sie aber seiner, erwehren, eine komplizierte Situation.
An dieser Stelle gibt es Musik. Jenny Freund, in passender Farbe zum Cover des Buches gekleidet, singt „Ballad of Easy Rider“ begleitet von Leo Reisinger am Piano, der erklärt, dass es hier auch darum gehe, den Mut aufzubringen aus einer schwierigen lage herauszukommen.

Leo Reisinger und Jenny Freund. Foto: MZ
Mit Sepko taucht der einsame Wolf auf, ehemaliger Knacki, der ein Traum hat in Sachen Kater Ignaz (nachzulesen). Aber „Gemüse schreit nicht“ und so arbeitet er für Gemüsehändler Georg Brunner. In der Lesung zeigt Leo Reisinger sein schauspielerisches Talent. Jeder Figur verleiht er eine andere Stimme, eine andere Sprache und so wird die Handlung doppelt lebendig.
Mit Tom Waits‘ „I Hope That I Don’t Fall in Love With You” leitet Jenny Freund zum Thema Liebe über. „Schwierig in diesem System“, konstatiert der Autor. Dieses ist von Korruption, Schwarzgeld, Mafia bestimmt. Ein dubioser Pfeiffer taucht auf, der als Strohmann fungiert.
Leo Reisinger erzählt von den deutsch-italienischen Verbindungen, von Geldwäsche in Pizzerias und Autowaschanlagen und enthüllt dem Publikum so manche Insidergeschichte.
Am Ende gab er dem Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen. Als Schauspieler, so sagte er, sei er eher der „Monaco Franze“ oder „Kir Royal“ Typ.

Herzlicher Applaus auch für Jenny Freund. Foto: MZ
Sein Buch habe er eigentlich als Drehbuch geplant, dann aber 13 Jahre an dem Roman gearbeitet. Er sei sehr dankbar, dass er heute, eineinhalb Jahre nach dem Erscheinen, immer noch zu Lesungen eingeladen werde.
Natürlich kam die Frage nach dem nächsten Roman. Ja, es werde im November kommen, verriet Leo Reisinger. „Es speilt an der Grenze zu Tschechien in der Oberpfalz.“ Dieses Mal gehe es wiederum um Machenschaften. Zum einen mit Kryptowährung, zum anderen um ein neues Öko-Weltwirtschaftssystem, in dem nachhaltige Raketen eine Rolle spielen.

Leo Reisinger signiert. Foto: MZ
Die Rezension des neuen Buches erscheint unmittelbar nach Erscheinen. Und die erste Lesung werde in der Holzkirchner Bücherecke stattfinden, versprach der Autor.