Heimspiel mit Haltung und Herz

Spielt vor vollem Haus: Erich Kogler. Foto: Privat

Konzert und Kabarett in Hausham

Wenn der FC Bayern München am selben Abend gegen Borussia Dortmund antritt, der große Saal des Alpengasthofs „Glück Auf“ in Hausham dennoch ausverkauft ist – und mindestens die Hälfte des Publikums aus Männern besteht –, dann kann nur einer auf der Bühne stehen: Erich Kogler.

Begrüßt wird der Protagonist des Abends von Bürgermeister Jens Zangenfeind; eine ausführliche Vorstellung erübrigt sich. Erich Kogler ist nicht nur als Leiter der Musikschule Tegernseer Tal eine feste Größe, sondern ebenso als Musiker in verschiedensten Ensembles und als Solokünstler bekannt. Mit seinem neuen Programm „Beim scheena Weda konns a jeda“ stellt er gleich zu Beginn klar, worum es nicht gehen wird: um Politik. „Weil Kabarett ist bei der Politik überhaupt nicht mehr notwendig“, bemerkt er trocken.

„Es muass a Blede geben“

Stattdessen widmet er sich dem Alltag – den kleinen Absurditäten, den Herausforderungen der Gegenwart, den Stolpersteinen des ganz normalen Lebens. „Während sich so viel um KI dreht, wäre bei manchen Leuten natürliche Intelligenz völlig ausreichend.“ Viele hätten zwar Windows, aber keine Fenster mehr, sonst würden sie diese öffnen, anstatt vor dem Spaziergang das Wetter zu googeln. Ganz im Sinne eines Mottos, das er sich bereits im letzten Programm „I möcht einfach nur da sitzen“ vom Meister Eder ausgeliehen hat: „Es muass a Blede geben, owa des werdn immer mehra.“

Vom Älterwerden

Dass das Publikum selbst bei den deftigen Pointen – etwa aus dem Kaffeekränzchen der Großmutter – herzlich mitgeht, liegt nicht zuletzt an Koglers ausgeprägter Selbstironie. In seinen Fünfzigern angekommen, spricht er offen über das Älterwerden und dessen Begleiterscheinungen. Er ringt auf der Bühne mit dem iPad, erklärt das ständige Umstecken von Mikrofon und Gitarrenkabeln zur sportlichen Disziplin und resümiert schließlich, von der Mundharmonika begleitet: „Irgendwo do drin woaß i, dass i immer no der Gleiche bin.“


Bestechend humorvoll: Erich Kogler im Heimspiel. Foto: Karin Sommer

Messerscharf bei IKEA

Es fällt leicht, sich in Koglers Lieder wiederzufinden. Für all diejenigen, die immer wieder am Ausmisten scheitern, hat er ein musikalisches Augenzwinkern parat: „Wenn i in mein Speicher schau, wird’s mir flau.“ Er tröstet Männer, die den Samstag im schwedischen Möbelhaus verbringen müssen und nimmt Paarbeziehungen aus nächster Nähe unter die Lupe – nie moralisierend, sondern liebevoll, humorvoll und doch messerscharf beobachtend.

Von Liebesmut und Beziehungsalltag

Im „Lied vor der Beziehung“ zeichnet er das allzu menschliche Muster nach, sich im Kopf die schönsten Szenarien auszumalen und doch nie den Mut zu finden, den begehrten Menschen anzusprechen – denn unglücklich verliebt zu sein, bietet schließlich auch eine Form von Sicherheit. Kommt es dann zur langen Beziehung, schwindet oft die Aufmerksamkeit füreinander. Mit „I wär so gern dei Katz oder Hund, du wärst so nett zu mir, ganz ohne Grund“, bringt er das auf den Punkt – und erntet Lacher ebenso wie nachdenkliche Blicke. Genau diese Balance macht gutes Kabarett aus.


Multitalent Erich Kogler in Hausham. Foto: Karin Sommer

Dahoam sein

Kogler scheut sich auch nicht vor unbequemen Gedanken. „Mei Schatzi, i muass dir endlich moi was sogn, i mecht di wirklich gern daschlogn“, singt er – humorvoll, schonungslos ehrlich und musikalisch auf höchstem Niveau. Seine tiefe Bassstimme lässt den Raum vibrieren, sein Gitarrenspiel ist virtuos. Mit der Mundharmonika schafft er dichte Atmosphäre, am Klavier wird es stimmungsvoll, mit ausdrucksstarker Mimik und lockerem Pfeifen auch einmal herrlich überdreht. Und dann wieder ganz leise, gefühlvoll: Drei Worte stellt er in den Mittelpunkt von Familie, Freundschaft und Gemeindeleben – „Samma wieder guat.“
Am Ende starker, lang anhaltender Applaus. Nicht nur das Lied „Dahoam“, sondern der gesamte Abend erzählt vom Gefühl des Dahoam-Seins: in Hausham, im eigenen Leben – trotz allem und weil es genau so ist wie es ist.

Lesetipp: Klassentreffen der Kabarettisten

Am 18. Juni 2026 spielt Erich Kogler das Programm „Beim scheena Weda konns a jeda“ im Kultur im Oberbräu in Holzkirchen. Weitere Infos zum Künstler sind auf seiner Homepage zu finden.

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