
Sprachlos in ZERO
Michael Beck vor Heinz Mack: Spiegelwand vor Licht und Bewegung. Foto: MZ
Ausstellung in Tegernsee
Ab heute ist die Ausstellung ZERO – Eine internationale Künstlerbewegung 1957-1966 im Olaf Gulbransson Museum zu sehen. Bei der Vorbesichtigung bleiben Atem und Sprache weg.
Michael Beck, Vorsitzender der Olaf Gulbransson Gesellschaft hat schon mehrere spektakuläre Ausstellungen an den Tegernsee gebracht. Man denke nur an Gerhard Richter, Marc Chagall oder die Geschichten, die das Meer erzählt mit Picasso, Beckmann, Feininger und anderen.
Revolutionäre Bilderwelt
Jetzt aber ist ein völlig neuer Geist in die Räume eingezogen, der Besuchende zunächst sprachlos und atemlos werden lässt. Wenn die Atmung wieder einsetzt, kann man sich auf diese neue revolutionäre Bilderwelt einlassen, ihr Zeit geben mit dem Menschen in Resonanz zu treten und in ihm etwas zu bewegen. Wenig Farbe, viel Metall und andere Materialien, keine Goldrahmen, schlichte Strukturen und viel Licht.
Er sei sehr froh, dass er diese Ausstellung hier zeigen könne, denn im süddeutschen Raum sei diese Kunst noch nicht gezeigt worden. Er habe die Werke aus dem Rheinland und der ganzen Welt zusammengestellt, die zu 80 Prozent aus Privatbesitz und aus der ZERO-Foundation und der Mack-Foundation stammen. Möglich wurde das durch die weitreichenden Beziehungen des Galeristen.
Alle Vertreter der ZERO-Künstlerbewegung in Tegernsee
In Tegernsee sind nun alle bedeutenden Vertreter der ZERO-Künstlerbewegung vertreten, die 1958 von Heinz Mack und Otto Piene gegründet wurde, später stieß Günther Uecker dazu. „Die haben ihre Ateliers ausgeräumt und erste Ausstellungen initiiert, zu denen sie auch Yves Klein eingeladen haben“, erzählt Michael Beck. Das sei ein Hot Spot in Düsseldorf mit tollem Erfolg geworden.
„Den ZERO-Künstlern war es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr möglich, Stillleben, Blumen und Landschaften zu malen, erklärt er. Sie schufen eine komplett neue Kunst, die keine Geschichten erzählt, „sondern nur ist“. Dabei experimentierten sie mit neuen Materialien, wie Metall, Feuer, Plexiglas oder Perlon.

Otto Piene: ohne Titel. Foto: MZ
„Anstelle von Kompositionen treten Strukturen und kinetische Kunst“, sagt er. „Das war eine komplette Revolution.“ Die Kunst habe sich nicht weiterentwickelt, sondern es habe einen Bruch, eine neue Haltung in den intellektuell-geistigen Bereich gegeben.
Diese Revolution oder dieser Aufbruch sei mit dem Wirtschaftswunder und der neu gewonnenen Freiheit einhergegangen. Gemalt wurde kaum noch, sondern mit Materialien experimentiert. Ein sehr frühes Bild von Otto Piene zeigt noch Malerei, über die er aber Strukturen und Rhythmen legte.

Otto Piene: ohne Titel. Foto: MZ
Anhand des großen Kissenbildes aus Watte und Perlon von Gotthard Graubner erläutert Michael Beck: „Man muss sich eine Stunde vor dieses Bild setzen und es wirken lassen, sich fallen lassen, es ist eben nicht Nichts.“
Schaue man die Bilder etwa von Michelangelo an, dann sehe man dort viel und es finde viel statt. Hier aber sei nichts. „Die ZERO-Künstler wollen in mir oder dir Kunst entstehen lassen.“

Günther Uecker: Raumgreifende Linien. Foto: MZ
Jeder der ZERO-Künstler habe seine Eigenart. Günther Uecker sei für seine Nagelbilder berühmt geworden, von denen mehrere in Tegernsee zu sehen sind.

Yves Klein: Farbiges Feuerbild (l.) und Monochrome bleu. Foto: MZ
Otto Piene arbeitete mit Feuer, ebenso Yves Klein, der neben seinem berühmten Blau auch das Feuer zur Malerei einsetzte. Adolf Luther arbeitete mit Linsen und Hohlspiegeln und erzeugt damit Stille ebenso wie Bewegung.

Yayoi Kusama: Far End of Silver Clouds. Foto: MZ
Die berühmteste Künstlerin der ZERO-Bewegung sei YaYoi Kusama, sagt Michael Beck. Sie sehe für ihre Werke mit Punkten. Man zeige aber auch die andern ZERO-Frauen, etwa Nando Vigo, die mit Glas und Neonrühren arbeitet oder Dadamaino, die den Raum mit Löchern erweitert. Die weniger bekannte Hal Busso hat eins der wenigen Werke mit Farbe und mit Nägeln geschaffen.

Hal Busse: Rotes Nagelobjekt. Foto: MZ
Löcher und Schlitze sind das Markenzeichen von Lucio Fontana.

Lucio Fontana: Concetto spaziale. Foto: MZ
Und dann kommt der große Lichtraum, der noch einmal bewundernd staunen lässt. Heinz Mack, der einzige ZERO-Künstler, der sich nicht auf ein Kennzeichen festlegen lässt, hat diesen Raum für das Olaf Gulbransson Museum inszeniert und eigens dafür zwei Werke geschaffen.

Heinz Mack: Lichtraum. Foto: MZ
Der Eindruck ist überwältigend. Durch die unscharfe Spiegelfolie an der Stirnseite wird der Raum weit geöffnet und die Gäste werden in den Raum einbezogen. In diesem Lichtraum dürfen sie Zeuge werden von der Kunst Heinz Macks, in dessen Werk Licht das zentrale Thema ist.

Marc Mack, Schwiegersohn von Heinz Mack von der Mack Foundation vor Silver Rotor. Foto: MZ
Die Spiegelwand für Licht und Bewegung habe er schon 1960 konzipiert, aber erst 2015 realisieren können, berichtet Michael Beck. Daneben der Silver Rotor, bei dem man sich drei Minuten lang faszinieren lassen kann. Oder die Lichtgitter, die optische Täuschungen evozieren.
Der Kreis schließt sich vor dem Museum, hier konnte eine große Silberlicht-Stele des 95-jährigen Künstlers platziert werden, die die Besucher empfängt.

Silberlicht-Stele von Heinz Mack. Foto: MZ