Ekaterina Zacharova, Traumland, HypoVereinsbank Rottach-Egern

„Traumland“ in Rottach-Egern

Ekaterina Zacharova vor ihrem Werk „Zum heiligen Leonhard“ (2026) in der HypoVereinsbank Rottach-Egern. Foto: CS

Vernissage in Rottach-Egern

Am Dienstag wurde die Ausstellung „Traumland“ von Ekaterina Zacharova in der HypoVereinsbank in Rottach-Egern eröffnet. Dort sind nicht nur ihre großformatigen Szenen aus Venedig zu sehen, sondern auch ein lokales Highlight: die Kreuther Leonhardifahrt, die sie mit Öl auf Leinwand eingefangen hat.

Ein Wirbel aus Farben und dynamischen Kompositionen empfängt die Besucher der HypoVereinsbank in Rottach-Egern. Denn seit Mai hängen dort die vibrierenden Gemälde der Gmunder Künstlerin Ekaterina Zacharova: sommerliche Szenen aus Venedig, auf denen Menschen in Shorts und luftigen Kleidern gedankenverloren über den Markusplatz schlendern oder im Café sitzen – umgeben von Kellnern in weißer Livree, die prallgefüllte Tablets über ihren Schultern jonglieren. Gemälde, in denen der Betrachter so viele kleine Szenen entdeckt, als säße er selbst als Beobachter am Markusplatz.

Ekaterina Zacharova, Traumland, HypoVereinsbank Rottach-Egern
Ausschnitt aus der Venedig-Serie von Ekaterine Zacharova, 2026, Öl auf Leinwand. Foto: CS

„Es ist unglaublich, was du hier auf die Leinwand gebracht hast“, bringt es Iris Ihssen, Leiterin Private Banking der HypoVereinsbank in Rottach-Egern, bei ihrer Begrüßungsrede auf den Punkt. Damit spiegelt sie auch die Begeisterung wider, die in den Gesichtern der vielen Vernissage-Gäste abzulesen ist. Denn die Werke von Ekaterina Zacharova überzeugen nicht nur durch ihre Erzähldichte, sondern auch durch ihrer Maltechnik: skizzenhaft und mit pastosem Pinselstrich fängt sie die Landschaft und die menschliche Figur ein und vermag es dennoch, ein Maximum an psychologischer Tiefe zu transportieren. Der Kellner etwa, der mit der Hand vor dem Mund dasteht, als erwarte er ein Malheur seines Kollegen – während der andere ungerührt daneben steht.

Traumland: Die Leonhardi-Fahrt in Kreuth

„Die unterschiedlichsten Formen der menschlichen Gesellschaft, des menschlichen Zusammenseins findet Ekaterina Zacharova hauptsächlich in den Plätzen der Großstadt, in den Zentren der weiten Welt, aber auch in den menschlichen Zusammenkünften, den Versammlungen, den Festen und Feiern, wie sie in unseren Breiten noch so wichtig sind“, schreibt der Kunsthistoriker Ernst W. Koelnsperger über die Künstlerin. Eine dieser Zusammenkünfte, der sich Ekaterina Zacharova gewidmet hat und die in der Schau zu sehen ist, ist die Leonhardifahrt in Kreuth: Sie gilt als eine der ältesten Bayerns, die seit über 500 Jahren jedes Jahr am 6. November zu Ehren des Heiligen Leonhard stattfindet.

Ekaterina Zacharova, Traumland, HypoVereinsbank Rottach-Egern
Einzelszene aus Ekaterina Zacharovas Werk „Zum heiligen Leonhard“, 2026. Öl auf Leinwand. Foto: CS

Auf ihrem aus fünf einzelnen Leinwänden bestehenden Werk vereint die Künstlerin verschiedene Blickwinkel: Man sieht Frauen in ihren traditionellen Trachten mit bunten Schürzen, Schultertüchern und Hüten von hinten und von der Seite – nur wenige Gesichter malt sie frontal. Im Zentrum der Komposition: Pferdegespanne, die sich aus dem Hintergrund in Richtung Betrachter bewegen sowie eine Kamera auf einem Stativ im Vordergrund. Ein zeitlicher Anker, der die historisch wirkende Szene in die Gegenwart zurückholt.

Lesetipp: Ekaterina Zacharova – spannende Werkschau zwischen Bühne und Heimat 

Josef Bierschneider über die Gabe des genauen Hinschauens

„Sie haben die Gabe des genauen Hinschauens und ihre Pinselstriche fangen die Seele der Orte ein, an denen sie malen“, lobte Josef Bierschneider, erster Bürgermeister von Kreuth, die Künstlerin bei seiner Laudatio. Er freue sich über diese große Wertschätzung, die sie mit ihrem Gemälde für die Traditionen im Tegernseer Tal zum Ausdruck bringe. Dann verriet der Bürgermeister noch eine besondere Anekdote: nämlich, dass der Anstoß für ihr Leonhardi-Werk von Sepp Kandlinger gekommen sei, der ihr einen Besuch empfahl. Dafür bedankte sich der Kreuther Bürgermeister beim Rottacher Musiker (Zither), der zusammen mit seiner Frau Birgit (Harfe) für die musikalische Begleitung der Vernissage sorgte.

 Ekaterina Zacharova, Traumland, HypoVereinsbank Rottach-Egern
Ekaterina Zacharova mit Iris Ihssen bei der Eröffnungsfeier. Foto: CS

Tatsächlich verbindet Ekaterina Zacharova eine besondere Freundschaft mit dem Ehepaar Kandlinger: „Ich bin genau vor 25 Jahren zum ersten Mal an den Tegernsee gekommen und habe bei Sepp in der Mansarde gewohnt“, erzählt sie. So begann für die gebürtige Moskauerin, die an der Kunsthochschule in Moskau studiert hat und in Ausstellungen von München über Madrid bis New York vertreten war, der Weg an den Tegernsee.

„Traumland“ und das Schicksal schöner Orte

Auch in der HypoVereinsbank stellt Ekaterina Zacharova schon seit einigen Jahren aus: „Für mich ist das wie Nachhausekommen“, sagt sie in ihrer Ansprache. Es sei ein Ansporn für sie, sich jedes Jahr etwas Neues für die Schau zu überlegen. Mit „Traumland“ will sie darauf aufmerksam machen, dass das Schicksal der schönsten Flecken der Erde nicht immer beneidenswert sei, denn alle möchten diese Traumplätze sehen. Wie ein „irdischer Garten Eden“ müssten diese Orte dem Druck von außen standhalten. Das sei das leitende Thema der Ausstellung, das sie in den nächsten Jahren noch erweitern wolle.

Die Ausstellung ist noch bis zum 27.11.2026 in der HypoVereinsbank in Rottach-Egern zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr, Montag, Donnerstag und Freitag 14 bis 16 Uhr. Mehr Info zur Künstlerin unter www.zacharova.de

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