Das Leben feiern

Konzert in St. Josef 2024. Foto: Thomas Bundschuh

Miesbach Kammermusikfestival

Zum sechsten Mal findet heuer das Internationale Miesbach Kammermusikfestival statt. Vom 20. bis 23. August musizieren in drei Konzerten unter dem Thema „Das Leben feiern“ wieder junge Profimusizierende aus verschiedenen Ländern. Und es gibt eine spannende Neuerung.

„Am Samstag, 22. August wird ein Sonnenaufgangskonzert stattfinden“, informiert Thomas Bundschuh von der Festivalleitung. Die Idee stamme von dem Cellisten Rainer Crossett, der dieses Format bereits in den USA erfolgreich ausprobierte. „Unser Grundstück in Hohendllching schaut nach Osten mit Blick zum Sonnenaufgang“, verrät er. Und die Bauern der Umgebung seien es gewohnt früh aufzustehen und würden durch die Musik nicht gestört. „Rainer Crossett wird auf der Terrasse ein Solo-Cellokonzert geben, in dessen Mittelpunkt die Cellosuite No. 2 in D-Moll von Johann Sebastian Bach steht, gefolgt von zwei modernen Stücken von Imogen Holst und Reinaldo Moya.

Das Leben feiern
Cellist Rainer Crossett. Foto: Miesbach Kammermusikfestival

Aber auch die beiden Abendkonzerte versprechen Neues und Spannendes, ebenso wie Bekanntes zu hören. Das diesjährige Festival steht unter dem Motto „Das Leben feiern“. Der musikalische Leiter des Festivals Miclen LaiPang sagt: „Für mich bedeutet das Leben zu feiern auch die unglaubliche Vielfalt menschlichen Ausdrucks zu würdigen. Ich wollte ein Programm zusammenstellen, das zeitlose Meisterwerke mit Stimmen vereint, die dem Publikum womöglich noch unbekannt sind – Stimmen, die allesamt auf ihre ganz eigene Weise Freude, Schönheit, Besinnung und Menschlichkeit widerspiegeln.“

Das Konzert am 20. August in der St. Andreas Kirche in Hohendilching, Beginn 19 Uhr, startet mit einem Stück von Marc O’Connor. „Er ist ein Komponist, dessen Musik mir seit vielen Jahren Freude bereitet. Er begann als Fiddler, bevor er zu einem der gefeiertsten Geiger und Komponisten Amerikas wurde; seine Musik verbindet auf wunderbare Weise klassisches handwerkliches Können mit amerikanischen Folk-Traditionen. Werke wie F.C.’s Jig, Appalachia Waltz und College Hornpipe strahlen eine wunderbare Authentizität und Lebensfreude aus. Sie vermitteln Wärme, Energie und eine echte Liebe zum Musizieren“, erklärt Miclen LaiPang.

Das Leben feiern
Miclen LaiPang. Foto: Miesbach Kammermusikfestival

Danach erklingt die Sonata No. 3 in G-Moll für Viola da Gamba und Cembalo von Johann Sebastian Bach.

Mit „Strum“ von Jessie Montgomery ist wieder ein modernes Stück zu hören. Miclen LaiPang sagt: „Jessie Montgomery zählt zu den spannendsten Komponistinnen unserer Zeit. Als afroamerikanische Komponistin, Geigerin und Pädagogin hat sie sich zu einer führenden Stimme in der heutigen Welt der klassischen Musik entwickelt. Ihre Musik ist voller Lebendigkeit, Farbenreichtum und Rhythmus; sie verbindet klassische Traditionen mit Einflüssen aus Jazz, Folk und dem reichen musikalischen Erbe ihrer Gemeinschaft. „Strum“ erzeugt unmittelbar eine Atmosphäre von Bewegung und Optimismus, und ich liebe es, wie das Stück Musiker und Publikum durch seine mitreißende Energie zusammenbringt. Es fühlt sich wie eine wahre Feier des Lebens an.“


Konzert in Hohendilching 2024. Foto: Thomas Bundschuh

Mit dem Streichersextett No. 2 in G-Dur von Johannes Brahms endet das Konzert.

Das Konzert am 23. August in St. Josef Holzkirchen startet mit zwei Stücken von Marc O’Connor und wird mit „Pisachi“ von Jared Impichchaachaaha’ Tate fortgesetzt. „Diese Wahl war eine sehr bewusste Entscheidung. Als Angehöriger der Chickasaw Nation bringt er eine Stimme ein, die in klassischen Konzertsälen noch viel zu selten zu hören ist. Seine Musik schöpft aus indigenen Traditionen und bedient sich dabei der Sprache der Kammermusik. Ich bin der Überzeugung, dass das Feiern des Lebens auch bedeutet, unterschiedliche Kulturen, Geschichten und Perspektiven zu würdigen – und genau das tut Pisachi“, erklärt Miclen LaiPang.

Von Grażyna Bacewicz erklingt ein Quartett für vier Violinen. „Sie ist eine Komponistin, die ich schon lange bewundere und deren Werke meiner Meinung nach viel öfter auf dem Programm stehen sollten. Als eine der bedeutendsten Komponistinnen des 20. Jahrhunderts und selbst herausragende Geigerin verstand sie dieses Instrument wie nur wenige andere. Ihr Quartett für vier Violinen ist brillant, fantasievoll und voller Leben. Ich hoffe, dass das Publikum sich nach dem Konzert fragt, warum ihre Musik nicht öfter zu hören ist“, informiert der künstlerische Leiter.


Die Musizierenden von 2025. Foto: Thomas Bundschuh

Das Konzert endet mit dem Streichersextett von Richard Strauss und „La Valse“ von Maurice Ravel.

Miclen LaiPang fasst zusammen: „Letztendlich wurden diese Komponisten und Komponistinnen nicht bloß deshalb ausgewählt, weil sie zeitgenössisch, amerikanisch, indigen oder weiblich sind. Sie sind dabei, weil ich ihre Musik aufrichtig liebe und weil jede und jeder von ihnen eine einzigartige Perspektive in unser Thema „Das Leben feiern“ einbringt. Gemeinsam mit Bach, Brahms, Strauss und Ravel erinnern sie uns daran, dass das Feiern des Lebens zeitlos ist und dass großartige Musik aus unterschiedlichsten Regionen, Traditionen und Generationen stammen kann.“

Die Konzerte unter dem Titel „Das Leben feiern“ in Hohendilching und Holzkirchen erfordern keine Voranmeldung. Eintritt mit freier Spende und freier Platzwahl. Einlass 30 Minuten vor Konzertbeginn.

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