Tod und Teufel und jede Menge Geld

Jedermann am Tegernsee - Open Air Theater

Ensemble Burgspiele „Jedermann“ mit Bettina Ullrich, Hans Jürgen Stockerl (v.l.). Foto: Ines Wagner

Die Burgspiele Salzburg zu Gast in der Spielbank Bad Wiessee

„Jedermann“, das Mysterienspiel um Leben und Tod eines schwerreichen, vergnügungssüchtigen Mannes, zeitloses Kultstück von Hugo Hofmannsthal – Teufel noch mal, wo passte es besser hin, als in eine „Spielhölle“? Aktuell läuft der Jedermann am Tegernsee.

Da kann man der Gemeinde, der Tegernseer Tal Tourismus GmbH, der Spielbank und dem Ensemble Burgspiele Salzburg nur gratulieren zu dieser gelungenen und dazu recht spontanen Umsetzung einer genialen Idee: die Aufführung des Jedermann am Tegernsee zu beherbergen. Da ist eine organisatorische Herausforderung und zugleich ein Geniestreich gelungen!

Jedermann am Tegernsee – eine Herausforderung

Herausforderung, weil nur knapp ein Monat Zeit war für die Vorbereitungen. Allemal gelohnt hat es sich, das war sogleich klar. Die für das Stück geschaffene Waldbühne hinterm Parkhaus der Spielbank wird auch zukünftigen Open Air Veranstaltungen dienen. Doch nicht nur die Waldbühne hat sich erprobt und soll erhalten bleiben. Auch die Aufführungen des Ensembles Burgspiele sollen zukünftig zu einer festen, willkommenen Institution in Bad Wiessee werden.

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Der Tod (Ingo Neise) kommt, um „Jedermann“ zu holen. Foto: Ines Wagner

Vom Publikum angenommen wurden die Aufführungen derart gut, dass Spielbank und TTT gleich mit vier ausverkauften Vorstellungen überrascht wurden. Und nicht nur die Abende auf der neuen Waldbühne waren umjubelt. In der Winners Lounge, wo sonst Kabarettisten, Solisten und Bands auftreten, war gestern aus Schlechtwettergründen schnell eine gut bespielbare Theaterbühne geschaffen. Auf der konnte sich das 10-köpfige Ensemble um Regisseur Ingo Neise, der den Jedermann seit elf Jahren inszeniert und auch in der Rolle des Todes auftrat, ausspielen. Und mehr noch, auch der Saal und die Zuschauerreihen wurden gleich mitbespielt, was eine ungewöhnliche Nähe zwischen Schauspielern und Publikum schuf, wie es nur auf kleinen Bühnen möglich ist.

Satans Fangnetz in der Welt – das Geld

Gerade diese Nähe vermittelte umso eindrucksvoller, dass es ein Stück ist, in dem alle „Jedermänner“ angesprochen sind, deren/unser Leben, das wir auf dieser Welt führen, am Ende in die Waagschale geworfen wird. Haben wir das Kassenbuch gut geführt? Können wir reinen Gewissens diese Welt verlassen oder waren wir getrieben vom Streben nach Reichtum, Geldvermehrung und Macht? Eine pikante und zugleich spannende Frage, wenn sie in einer Spielbank gestellt wird, was dem Stück einen doppelten Reiz verleiht.

So wird der reiche „Jedermann“ während eines verschwenderischen Banketts im Kreise seiner Freunde vom plötzlichen Auftreten des Todes gestört, der ihm sein Ende verkündet. „Jedermann“, großartig gespielt von Hans Jürgen Stockerl, der wenig Mitgefühl mit dem Elend anderer Menschen kennt, sondern ein Leben in Fülle und Ausgelassenheit frönt, erbittet eine Frist, um sein „Kassenbuch“ zu richten, die Bilanz in Ordnung zu bringen. Und um eine Begleitung für den letzten Weg zu finden. Doch alle seine Freunde, sogar sein Reichtum in Persona des „Mammon“ (Sabine Hajdu-Perschy) wenden sich ab. Bis er schließlich Fürsprecher in seinen „Guten Werken“ (Christine Winter) und seinem Glauben (Walter Stapper) findet. Da kann selbst der Teufel nichts ausrichten, grandios geheult, getobt und gespielt von Eva Röder.

Zum Schluß erlöst – und neu verführt

Der gebürtige Chilene Sergio Vesley hat die musikalische Leitung inne. Ihm sind die Lieder am Akkordeon zu verdanken, neben seiner schauspielerischen Leistung als „Dünner Vetter“. Bettina Ullrich, die „Buhlschaft“ des Jedermann, brilliert mit Gesang. Und Ferdinand Rother und Silvio Rudolf spielen Schuldknecht und „Guter Gesell“. Die Rollen, größtenteils mehrfach besetzt, sind wie auf den Leib der Schauspieler geschrieben, die allesamt ein wunderbares komödiantisches Talent unter Beweis stellen.

„Jedermann“ sind wir alle. Und nach der umjubelten Aufführung des Jedermann am Tegernsee können alle „Jedermänner“ unter den Zuschauern, verführt von Spielbankdirektorin Antje Schura, ihr Lebens-„Kassenbuch“ auffüllen oder ihr Verhältnis zum Mammon überdenken. Frau Schura vergibt Frei-Jetons. Jedermann kann sein Glück erproben.

Am 11. August gibt es die letzte diesjährige Aufführung des „Jedermann“ in der Spielbank Bad Wiessee. Weitere Informationen zu Veranstaltungen im Hause finden Sie unter: www.spielbanken-bayern.de/bad-wiessee/veranstaltungen.

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