Themenabend „Menschenrechte“ am Gymnasium Miesbach

Themenabend "Menschenrechte"

Der Tiger mit Zähnen. Foto: Martina Stahl

Ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die 2018 ihren 70. Geburtstag beging, ein zahnloser Tiger? Oder kann man diesem Tiger Zähne einsetzen? Damit befassten sich Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Miesbach beim Themenabend „Menschenrechte“.

Den Menschenrechten zu ihrem Recht verhelfen, wäre eine Nummer zu groß gewesen. Der fächerübergreifenden Projektgruppe an der Miesbacher Schule ist es aber in Kooperation mit der Kreisgruppe Miesbach von Amnesty International eindrucksvoll gelungen, sie einem breiten Publikum näher zu bringen.

Anspruch und Wirklichkeit

Der Themenabend „Menschenrechte“ basiert auf Schülerarbeiten des Kunstunterrichts, welche die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 zum Thema hatten. In Bild und Ton hielten Schülerinnen und Schüler die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit dieses revolutionären Dokuments fest. Präsentiert wurde das Thema mit einer Programmfolge, die in ihrer Vielfalt, ihrem Informationsgehalt aber auch mit ihrem Unterhaltungswert die Zuschauer in der voll besetzte Aula immer wieder herzlich applaudieren ließ.

Fächerübergreifendes Projekt

„Da gibt es einerseits die Menschenrechtsverletzungen in Ländern wie Syrien, Brasilien oder China, aber das Thema Menschenrechte kann auch positiv besetzt sein“, macht Kunstlehrer Matthias Brandstäter die Breite deutlich. Er habe sich gefreut, dass nach der Anfrage von Fritz Weigl von Amnesty International viele Kollegen auf das Thema aufgesprungen seien.

So kam es zu einem Projekt, bei dem die Fächer Deutsch, Englisch und Geschichte ebenso eingebunden waren wie Religion, Ethik und Kunstunterricht.

Kobaltzwerge

Von der Veranstaltung vor einer Woche berichtet Fitz Weigl: „Da wurde in einem Kurzfilm ein Engel vorgeführt, der in einem Quiz zum Zustand der Welt gegen den Realismus des Teufels keine Chance hatte, da wurde das Thema Kinderarbeit in einem szenischen Spiel behandelt, bei dem Kobaltzwerge einer chattenden Handygruppe zuarbeiten mussten.

AI-Briefmarathon

Da wurde die Traumrede von Martin Luther King mit der Realität der Jetztzeit konfrontiert, da verfolgte eine übereifrige Polizistin alle Arten von Kopftuchträgerinnen. Da wurden dem Publikum auf einer Weltreise durch Problemländer wie China, Saudi-Arabien und Belarus bedrückende Fotos zugemutet. Und da berichteten am Ende Schüler des Arbeitskreises Politik und Zeitgeschichte von der erfolgreichen Teilnahme am AI-Briefmarathon, bei dem im Dezember 2019 fast 890 Briefe zu-sammenkamen.“

Matthias Brandstäter erzählt begeistert vom Engagement der Schülerinnen, die die Veranstaltung vorbereitet haben, sich aber auch überlegten, was sie selbst tun können.

Themenabend "Menschenrechte"
Dem Tiger werden Zähne eingesetzt: Anna Juffinger, Tori Fritzenwenger, Emma Hauke, Julia Friedlmaier, Selin Irin, Aleyna Ahrens, Sarah Müller, Pia Siegburg (v.r.). Foto: Benedikt Brandmaier

Besonders habe ihm die Aktion aus dem Fach Ethik gefallen, bei der die Schülerinnen die Menschenrechte als zahnlosen Tiger darstellten. „Richtig beißen kann er nicht“, meint der Kunsterzieher. Dann aber hätten sie aus Pressspan Zähne gefertigt.

In einer handfesten Performance setzten sie ihm Zähne, auf denen die Namen von Organisationen und Einzelpersonen verzeichnet waren, die sich für Menschenrechte einsetzen. Da war Amnesty International ebenso zu lesen wie Martin Luther King, Nelson Mandela oder Mahatma Ghandi.

Gleichgültigkeit versus Schuften

Auch die Aktion einer 6. Klasse hebt er hervor, bei der die Gleichgültigkeit unserer jungen Generation gegenüber der Herstellung von Handys in Zusammenhang gebracht wurde mit gleichaltrigen Jugendlichen, die in afrikanischen Minen schuften, um seltene Erden für die Produktion von Handys zu gewinnen.

Themenabend „Menschenrechte“ mit Musik

Veranstaltungen des Gymnasiums Miesbach sind ohne Musik undenkbar. Der Kammerchor begeisterte mit einem irischen Segenslied „May the road rise“, die Big Band verabschiedete mit dem Stück „Probiers mal mit Gemütlichkeit“ und setzte damit einen Schlusspunkt, der zu einem Abend passte, wo zwar manche Themen zum Weinen waren, einige Darbietungen durchaus amüsierten, und die Gegensätze durch das Engagement der Mitwirkenden mehr als ausgeglichen wurden.

Zum Weiterlesen: Menschen auf der Flucht

Die Ausstellung in der Aula des Gymnasium Miesbach kann an den Werktagen auch am Nachmittag besichtigt werden.

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