Nachruf auf Rolf Brandthaus

Rolf Brandthaus

Rolf Brandthaus. Foto: privat

In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober starb Rolf Brandthaus. Der Landkreis Miesbach verliert mit ihm einen engagierten Kämpfer für die Kultur und großen Förderer junger Musiker. Er hinterlässt eine kaum zu schließende Lücke und uns die Verantwortung, in seinem Sinne weiterzumachen.

Ich gestehe ich war fassungs- und sprachlos, als mich die Nachricht erreichte. Noch zwei Tage vorher hatte Rolf Anja Gild und mir eine Pressemitteilung für die Virtuelle Kulturbühne geschickt, die am Sonntag wieder öffnen sollte. Und am Sonntag sollte Anja die Diskussion „Dialog der Generationen“ moderieren. Sollten wir absagen? Nein! Anja Gild, Podiumsgast Marc Tügel, ein enger Freund von Rolf Brandthaus und Beirat im KulturVision e.V. wie auch in der Kulturwerkstatt, und ich waren uns einig, dass es am meisten in Rolfs Sinne sei, diesen ihm so wichtigen Dialog auf die Bühne zu bringen.

Ein Mensch mit tiefer Überzeugung

„Mit großer Leidenschaft möchten wir Menschen jeden Alters für die Schönheit von Kunst und Kultur begeistern. Denn die Schönheit von Kunst und Kultur ist Balsam für Leib, Geist und Seele. Sie birgt Glückseligkeit und Erfüllung, sie stillt die Sehnsucht nach einem guten Leben“, schrieb Rolf Brandthaus auf der Webseite der Kulturwerkstatt im Oberland.

Nachdem er sich zwanzig Jahre lang in der „Klassischen Musikwirtschaft“ am Goetheplatz in München engagiert und mit seiner Frau Christine einen großen Freundeskreis rund um die Kulturszene aufgebaut hatte, war es ihm ein Anliegen, seinem Engagement für die Kultur auch im Oberland ein Forum einzurichten. So gründete er 2013 die Kulturwerkstatt im Oberland.

Ich lernte ihn kurz danach kennen und schätzen. Er erzählte mir für unsere Spurwechselinitiative seine Lebensgeschichte:

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Einer, der nie aufgegeben hat

Eine schwere Herzkrankheit hatte ihn gezwungen, seine Arbeit aufzugeben. Er setzte sich damit aber nicht zur Ruhe, sondern widmete sich umso intensiver der musikalischen Jugendförderung im Oberland. Auf seine Initiative gab es nun bei uns Konzerte für die Teilnehmer von Jugend musiziert, sowohl vor den Wettbewerben, sozusagen als Generalprobe, als auch danach für die Preisträger. Mit seinem umfassenden Wissen über den musikalischen Nachwuchs beriet er mich immer wieder für die Jugendseite unserer Zeitung KulturBegegnungen.

Mit seiner hervorragenden Vernetzung im Oberland und seiner Leidenschaft für die Kultur, schien er 2016, nach Ausscheiden der langjährigen Vorstandsvorsitzenden, der ideale Kandidat für den Ersten Vorsitz von KulturVision. Dass er sein Amt nach wenigen Monaten gesundheitsbedingt wieder abgeben musste, verstehen wir heute besser denn je. Statt dessen führte er mit großer Leidenschaft die Kulturwerkstatt Oberland weiter.

Die Kombination von Kultur und Genuss lag dem exzellenten Koch, von dessen Fertigkeiten ich mich überzeugen durfte, sehr am Herzen. Gemeinsam mit seiner Frau Christine liebte er den Tanz. Die von der Kulturwerkstatt organisierten Bälle im Festsaal von KULTUR im Oberbräu erreichten geradezu Kultstatus. Die wichtigste Säule der Kulturarbeit war für Rolf Brandthaus aber immer die Kommunikation über alle Kunstsparten und regionalen Grenzen hinweg. So rief er gemeinsam mit Anja Gild den Kulturstammtisch Valley ins Leben, der offen für alle Kulturinteressierte im Landkreis war und der dem Austausch der Kulturschaffenden dienen sollte.

Mit dem gemeinsamen Projekt „Virtuelle Kulturbühne“ in der Sonntagsmatinee haben KulturValley, die Kulturwerkstatt Oberland und KulturVision der Coronakrise getrotzt. Seit April lief jeden Sonntag um 11 Uhr ein kulturelles Potpourri aus Musik, Literatur, Theater, Kunst und Tanz. Kulturschaffende waren aufgerufen, Videos einzureichen. Rolf programmierte die Webseite, sammelte das Material und fügte es zu einer unterhaltsamen Online-Matinée zusammen. Unser Dreierteam mit Rolf, Anja Gild und mir traf sich jede Woche virtuell und wir wählten die Beiträge für den kommenden Sonntag aus. Dabei entstand nicht nur ein kreatives Produkt, dass die Kulturszene während des Lockdowns und darüber hinaus für die Öffentlichkeit sichtbar machte, sondern wir kamen uns trotz räumlicher Distanz via Videomeeting menschlich näher. Es war eine sehr erfüllte Zeit.

Ursprünglich hatten wir geplant, nach der Sommerpause am 4. Oktober wieder durchzustarten, aber Rolf bat uns um Verschiebung, denn nach einem Krankenhausaufenthalt fühlte er sich noch nicht wieder fit. Zwei Tage vor seinem Tod verschickte er dann die von ihm verfasste Pressemitteilung: Wir starten durch. Rolf wurde mitten aus dem Leben herausgerissen.

Die Kulturschaffenden im Landkreis sind bestürzt und traurig. Die Lücke ist nicht zu schließen. Wir sprechen Rolfs Frau Christine, seinen beiden Töchtern und ihren Familien unser tief empfundenes Beileid aus. Auf Initiative der Warngauer Organistin Marie Koenigsbeck plant Dr. Sixtus Lampl in der Zollingerhalle für 2021 ein Gedenkkonzert. Und wir versprechen: Sein Lebenswerk wird weitergehen.

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