Komposition aus Fotofilm, Text, Musik und Tanz

Hubert Jermin, Stephanie Groß, Monika und Manfred Lehner. Foto: Monika Ziegler

Lichtbildfestival in Holzkirchen

Das 1. Lichtbildfestival von Kunstdünger e.V. brachte am vergangenen Wochenende ein geglücktes Zusammenspiel von Foto, Film, Tanz, Musik und Texten. Die laufende Ausstellung im KULTUR im Oberbräu wurde durch Lichtinstallationen an den verrücktesten Orten, so auch auf der Toilette, ergänzt.

Mitorganisator Emil Ahlhelm erklärt seine Arbeit mit dem Titel „Scalalogie (Treppenkunde)“ so: „Ich war im Louvre in Paris, aber die Vielzahl der Werke und die vielen Menschen haben mich erschlagen.“ So entschloss er sich, einen Film zu drehen, der ausschließlich die Menschen auf der Treppe zeigt, wie sie kommen und wie sie gehen. Und da auch die Toiletten die Menschenmenge dokumentierten, habe er dies hier rekonstruiert.

Lichtbildfestival
Emil Ahlhelm in seiner Installtion „Scalalogie“. Foto: Monika Ziegler

Ganz anders die Installation von Fotokünstler Thomas Jarzina auf der Bühne des Festsaales. Wie eine Jurte sieht sie aus, mit der Aufforderung „enter“. Geht man hinein, umfängt einen wohltuende Musik, dazu wechselnde Farben in der rundum anzuschauenden transparenten Fotografie, in der für Jarzina typischen Verfremdung mittels Computer. Fast wie in einer Sauna, meinte eine Besucherin und ließ Bild und Ton auf sich wirken.

Foto, Tanz, Text, Musik

Am Samstag Nachmittag dann fünf Themen im gut besuchten FoolsTheater, die von Manfred Lehner per Fotofilm, Monika Lehner per Text und Stephanie Groß per Tanz umgesetzt wurden. Der Musiker Hubert Jeromin komplettierte die Mixtur mit seinen Klangimprovisationen am Schlagzeug.

Zum Thema „Zwielicht“ erscheint die Tänzerin als Schatten hinter einer Wand und zu leise schwebenden Klängen hebt und senkt sie sich und verschwindet wieder. Der Film „Werkstatt, Schupf und Stadel“ zeigt magische Momente im Alltäglichen: Spinnweben, eine Katze, Heu, ein Stuhl, ein Rad, Sonnenstrahlen durchs Gebälk, dann der Blick nach draußen. Von zwielichtiger Gestalt sei das Leben, textet Monika Lehner, wunderbar und voller Lebenshunger, aber das Licht werde durch Dämmer ergänzt.

Lichtbildfestival
Stephanie Groß und Hubert Jeromin. Foto: Monika Ziegler

„Istanbul“ wird durch einen Tanz mit dem Halbmond angedeutet, in den Stephanie Groß Hubert Jeromin einbindet. Im Fotofilm erfahren die Zuschauer die Ambivalenz der Stadt, westliche und östliche Kultur, Lebensfreude und Verwahrloste Stadtviertel, und immer wieder die große rote Fahne und fliegende Tauben. „Wohin gehst du“, fragt Monika Lehner und bittet: „Istanbul, komm zurück!“

Das Thema „Herbst“ beginnt witzig mit einem ausgeschütteten Korb voller Blätter über dem Schlagzeuger, der unbeeindruckt weiter trommelt, auch als Stephanie Groß ihr Laub wieder zusammen recht. Dazu das Geschrei der Krähen und das Lied „Wird Herbst da draußen und in mir“ von Hildegrad Knef, das Manfred Lehner mit seinen Fotos illustriert. An ihre Hommage an die Sängerin hängte Monika Lehner eine zweite an: An Ingrid Huber, die klein im alten FoolsTheater begann: „Da brannte Feuer für Poesie“, und sie habe nichts von ihrem Feuer verloren. Leider konnte die erkrankte Kulturhauschefin das nicht miterleben.

Lichtbildfestival
Ingrid Huber in Manfred Lehners Fotofilm „Theater“. Foto: Monika Ziegler

Aber gleich im nächsten Thema „Theater“ war sie wenigstens als Foto präsent, wie sie die Schauspieler schminkt und frisiert. Der Zuschauer erfährt, wie das Geschehen hinter den Kulissen abläuft oder auch davor, wenn Lydia Starkulla hoch zu den Scheinwerfern klettert, hier fühlt sich jeder für alles verantwortlich. Seinen großen Auftritt hat nun Hubert Jeromin, wenn er Goethes „Faust“ als Klangimprovisation darstellt: „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert…“, während Monika Lehner zur „Liebe“ überleitet, federleicht sei sie, mache angreifbar, gehe verloren im Alltag und müsse gepflegt werden.

Lichtbildfestival
Monika Lehner. Foto: Monika Ziegler

Zu „You are so beautiful“ von Joe Cocker hat Manfred Lehner symbolische Bilder zusammengestellt: Schlösser, Herzen, Küsse, Umarmungen und endet mit Erich Frieds Gedicht: „Es ist was es ist, sagt die Liebe.“

Der tiefgründige, künstlerisch anspruchsvolle ebenso wie unterhaltsame Festivalsauftakt wurde von den Besuchern mit anhaltendem Applaus bedacht, zu Recht, denn die verdichtete Verquickung verschiedener Gestaltungsmittel, wie Fotofilm, Text, Tanz und Musik, gab der Komplexität der Themen Ausdruck. Kino und Livemusik, Schattentheater und ein Kurzfilmabend rundeten das Festival ab.

Die Ausstellung „Zwielicht“ ist im KULTUR im Oberbräu und im Waitzinger Keller Miesbach noch bis zum 27. Oktober zu sehen. Die Finissage findet am Sonntag, 29. Oktober um 17 Uhr im Waitzinger Keller mit Musik des „Duo Millefleurs“ statt.

Weitere Texte zum Lichtbildfestival:
Zwielicht – gleich mehrfach beleuchtet
Die Lebensader eines Kulturzentrums

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