Kooperation macht den Kuchen größer

Kooperation

Kooperation Foto: pixabay

Online-Gespräch der Max-Planck-Gesellschaft

Ist Kooperation die Lösung aller Wirtschaftsprobleme? Diese Frage beantwortete in der neuen Gesprächsreihe „Wissenschaft trifft Literatur“ der Max-Planck-Gesellschaft der Autor Marc Elsberg im Gespräch mit dem Wissenschaftler Matthias Sutter. Mit verblüffendem Ergebnis.

In dem im Jahr 2019 erschienenen Roman „Gier“ entwirft der Wiener Autor Marc Elsberg die Welt in einer neuerlichen Wirtschaftskrise. Im Rahmen eines Sondergipfels in Berlin will man Lösungen finden. Ein Nobelpreisträger, der auf dem Gipfel eine bahnbrechende Rede halten möchte, stirbt auf dem Weg zum Tagungsort bei einem Verkehrsunfall. Angeblich hatte er eine Formel für „Kooperation“ gefunden, mit der Wohlstand für alle möglich wäre.

Literatur und Wissenschaft befruchten sich

Das war die Ausgangslage für die öffentliche Online-Veranstaltung am 26. November. Moderatorin Maja Brankovic von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betonte, dass die Max-Planck-Gesellschaft mit dem neuen Format den Dialog über Fachgrenzen hinweg fördern möchte. Es gehe hier darum, wie wissenschaftliche Themen in der Literatur behandelt werden und wie sich Literatur und Wissenschaft gegenseitig befruchten können.

Lesetipp: Gier: Fluch oder Segen?

Im Falle des Romanes „Gier“ habe Autor Marc Elsberg sich mit Ergebnissen der mathematischen Grundlagenforschung befasst und die sogenannte Bauernfabel entwickelt. Der Autor, bekannt durch seine Bestseller „Blackout“, „Zero“ und „Helix“, erzählte, dass er Zweifel an der These bekommen habe, dass es in der Wirtschaft um die Nutzenmaximierung des Einzelnen gehe. Die Forschungen von Ole Peters und seinem Team vom London Mathematical Laboratory hätten ihn fasziniert, weil sie zeigen, dass dieses Modell falsch ist.

Kooperation
Wissenschaft trifft Literatur. Foto: Max-Planck-Gesellschaft

Mit der Bauernfabel könne jeder auch ohne mathematisches Wissen verstehen, wie Kooperation funktioniert. Er zeigte in seinem Vortrag schlüssig, wie Bauer Bill und Bäuerin Ann zusammen höhere Erträge erwirtschaften, als wenn jeder einzeln seinen Acker bestellt und erntet. Dies wird anhand mathematischer Berechnungen belegt. Durch Zusammenlegen und Teilen würden Fluktuationen durch Missernten verringert. „Das ist ein grundlegendes mathematisches Prinzip“, sagte Marc Elsberg. Und es gelte nicht nur für Bauern, sondern ebenso für Zellen oder für Wertpapiere. Auf der Webseite von Marc Elsberg kann man den Prozess der Bauernfabel nachverfolgen.

Gesprächspartner Matthias Sutter ist Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn und Professor für experimentelle Wirtschaftsforschung an den Universitäten Köln und Innsbruck. Er analysierte, warum das Prinzip bei Bill und Ann funktioniert und fand vier Faktoren. Sie kommunizieren miteinander, sie können sich aufeinander verlassen, sie haben eine Zukunft und es gibt verbindliche Gesetze, die notfalls greifen.

Jeder ist verantwortlich

Auf die Frage der Moderatorin wie realistisch es denn sei, dass der Mensch verstehe, Kooperation führe zu Wohlstand, meinte Marc Elsberg, dass der Mensch intuitiv wisse, dass Kooperation erfolgreich sei. „Alle Religionen und Philosophien haben das in ihrer DNA.“ Daraus habe sich auch das Subsidiaritätsprinzip nach dem Motto „Jeder ist verantwortlich“ entwickelt.

Matthias Sutter Kooperation
Wissenschaftler Matthias Sutter. Foto: Screenshot

Das Problem sei, dass Wissen allein nicht helfe, meinte Volkswirt Matthias Sutter, der vor allem Kooperation, Teamentscheidungen und die Bedeutung von Geduld etwa in seinem Bestseller „Die Entdeckung der Geduld“ erforscht. Die Evolution habe bewiesen, dass Kooperation vorteilhaft ist, wenn der Mensch die Erfahrung mache und Vertrauen habe. Wichtig sei das Beispiel, wie es Mahatma Gandhi formuliert habe: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

Marc Elsberg Kooperation
Autor Marc Elsberg. Foto: Marc Elsberg

Es gebe aber auch die negative Kooperation, gab Marc Elsberg zu bedenken, dann nämlich, wenn es dadurch zu einer Umverteilung von Arm nach Reich gehe. „Dann sind die Reichen die Trittbrettfahrer.“ Der Verteilungsschlüssel mache die Fairness aus, betonte Matthias Suttner, als fundamentale Norm gelte 50 zu 50. Deshalb sei die Kooperation im globalen Maßstab nicht perfekt. Dazu komme noch das Statusdenken. Deshalb müsse der Grundstein für kooperatives Verhalten bereits im Kindergarten gelegt werden.

Dunkle Seite der Kooperation

Die „dunkle Seite“ der Kooperation sahen die beiden Gesprächspartner in schlechtem Verteilungsschlüssel und wenn die Koordination aufwändiger ist als der Kooperationsnutzen, sowie in der Zusammenarbeit von Kartellen zum Schaden der Konsumenten.

Ein wichtiger positiver Faktor für die Kooperation indes sei, wenn die Kooperierenden unterschiedlich sind. Marc Elsberg fasste die Ergebnisse so zusammen: „Das sind grundlegende mathematische Fakten für Menschen, Zellen, das Finanzwesen, aber es hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun.“ Matthias Suttner resümierte: „Das Modell zeigt, dass Kooperation den Kuchen größer machen kann und mehr zu verteilen ist.“

Modell muss Einzug in Lehrbücher finden

In der öffentlichen Diskussion ging es vor allem darum, wie dieses neue Modell publik gemacht werden könne. Die Empirik wisse es schon lange, dass Kooperation erfolgreich ist und auch in der Spieltheorie von John Nash habe es Einzug gefunden, langsam sollte wohl auch die Verhaltensökonomie in den Volkswirtschaftsbüchern enthalten sein, hieß es.

Und welche politischen Maßnahmen würden sie morgen umsetzen, wenn sie könnten, war die Abschlussfrage von Maja Brankovic. „Empathie im Kindergarten“, meinte der Wissenschaftler, und „Chancengleichheit schaffen“, der Autor.

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