Junge Bühne Miesbach: Der nackte Wahnsinn

Junge Bühne Miesbach

Der Wahnsinn auf dem Höhepunkt: Barbara von Miller, Monika Greindl, Michael Probst, Roman Postel, Sonja Fischbacher. Foto: Petra Kurbjuhn

Theater in Miesbach

Es ist „Der nackte Wahnsinn“, was die Schauspieler der Jungen Bühne Miesbach leisten. In ihrem neuen Stück ist Tempo, Pantomime, exaktes Timing ebenso gefragt wie Einsatz aller schauspielerischer Mittel. Chapeau!

Michael Frayns Stück „Der nackte Wahnsinn“ aus dem Jahre 1982 ist bereits ein Klassiker, die Waller Brettlhupfer und das Holzkirchner Kommödchen spielten das Tür auf-Tür zu-Stück sehr erfolgreich. Jetzt wagte sich Regina Weber-Toepel mit ihrem Team an das Stück voller Herausforderung. Sie erzählt, dass sie es schon lange im Auge gehabt habe, aber erst jetzt wäre es mit dem Bühnenbau von Roman Postel möglich geworden.

JUnge Bühne Miesbach
Roman Postels Treppe spielt eine wichtige Rolle: Michael Probst, Barbara von Miller und Monika Greindl mit den Sardinen, die auch eine Hauptrolle haben. Foto: Petra Kurbjuhn

Der hatte eine geniale Idee. Er baute eine Treppe, die hinunter in den Zuschauerraum und wieder hinauf in den 1. Stock des Hauses, in dem die Komödie spielt, führt. An dieser Treppe kommt keiner vorbei, es ist ein ständiges Hinauf- und Hinabgerenne, ein Türen Verwechseln, ja und mehrere Teller mit Sardinen spielen auch eine wichtige Rolle.

Regina Weber-Toepel hat das Stück im Stück mit Ideenreichtum und Witz inszeniert, da passt alles zusammen, man spürt, dass intensive Probenarbeit nötig war, um die rasante Szenenfolge zu realisieren. Ein farbenfrohes Bühnenbild (Ute Bauer) im Stil der achtziger Jahre lädt ein, der Handlung auf der Bühne und dahinter zu folgen, die dem Zuschauer zeigt, was sich hinter den Kulissen abspielt.

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Monika Greindl als Dotty kämpft mit Kaktusstacheln. Foto: Petra Kurbjuhn

Worum geht es? Um die Generalprobe einer Schauspielertruppe, bei der alles schief geht. Monika Greindl mit Lockenwicklern im Haar ist eine köstliche Hausbesorgerin Dotty mit umwerfend komischer Mimik, auch wenn Regisseur Lloyd sie ständig unterbricht und korrigiert. Helmut Enzinger spielt ihn wunderbar klischeehaft, mit langer Mähne, Brille und Schal, zuweilen psychologisch einfühlsam, dann wieder ätzend. Natürlich hat er Affären, gleich mit zwei Frauen, obwohl sein Charme schon etwas verblichen ist.

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Ute Bauer als Poppy, Helmut Enzinger als Lloyd und Roman Postel (v.l.). Foto: Petra Kurbjuhn

Poppy ist nah am Wasser gebaut. Ute Bauer spielt die überforderte, exaltierte Regieassistentin mit wilder Lockenpracht herzzerreißend, vor allem als sie entdeckt, dass sie sich die Gunst von Lloyd mit Brooke teilen muss. Sonja Fischbacher spielt die schöne Schauspielerin anfangs witzig naiv, fragt ständig „Wer?“, „Wie bitte?“, „Was?“ ist ständig am Suchen ihrer Haftschalen, wobei das gesamte Ensemble beteiligt ist und wird zum Hingucker des Stückes, als sie sich ihres Hippiekleides entledigt und in schwarzen sexy Dessous über die Bühne schwebt.

Ihr Partner im Stück ist Garry, der das offenbar derzeit unbewohnte Haus zu einem Schäferstündchen nutzen will. Michael Probst in lila Hose und orangefarbenem Hemd versucht Ordnung in das Chaos zu bringen, vergeblich, seine Stimme ist ständig am Kippen, ständig passiert Unvorhergesehenes, ständig wird er in seinem Vorhaben gestört.

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Michael Probst als Garry mit Barbara von Miller, der Hausbesitzerin. Foto: Petra Kurbjuhn

Denn überraschend tauchen im Haus die wahren Besitzer, Steuerflüchtlinge, auf. Dass dies nicht gut ist, demonstriert Roman Postel. Nervös zwinkert er die ganze Zeit und zuckt und hat Nasenbluten, wohl aus Angst vor dem Finanzamt. Seine Frau wird von Barbara von Miller elegant und in manchen Szenen theatralisch, so wie es die Rolle erfordert, gespielt.

Ja und dann gibt es noch Selsdon, der immer fehlt. Thomas Mayer spielt den Whiskysüchtigen Mimen, der als Einbrecher nicht sehr überzeugend ist, überzeugend. Komplettiert wird die Schauspieltruppe durch Thomas Oppelt als Tim, das Mädchen für alles, der aber mehr Durcheinander ins Geschehen bringt als dass er für Ordnung sorgt.

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Regisseurin Regina Weber-Toepel (Mitte) mit Helmut Enzinger und Sonja Fischbacher. Foto: Petra Kurbjuhn

Nachdem im 1. Akt die Generalprobe so ziemlich daneben geht, erlebt der Zuschauer im 2. Akt die Premiere. Aber nicht auf der Bühne, sondern sozusagen von hinten. Diese Pantomime der Schauspieler, die auf ihren Auftritt warten, wobei sich dramatische Verwicklungen abspielen, in denen nicht nur Sardinen, sondern auch eine Axt und ein Kaktus mitwirken. Eine schauspielerische Höchstleistung, die vollen Körpereinsatz aller Beteiligten erfordert. Dass bei der Premiere am Samstag eine große Vase zu Bruch ging in all dem Durcheinander kann nur als gutes Omen für die kommenden Vorstellungen gewertet werden.

Die Aufführung im Bräuwirtsaal in Miesbach erhielt durch die glänzend ausgewählte Musik aus den Siebzigern von DJ Jürgen Hasl in den Pausen eine bereichernde Ergänzung.

Die nächsten Vorstellungen: Freitag, den 27.10.2017, Samstag, den 04.11.2017, Sonntag, den 05.11.2017, Samstag, den 11.11.2017, Sonntag, den 12.11.2017. Beginn jeweils 19.30 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr mit Bewirtung im Saal.

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