Vogelwilde Musik von Florian Burgmayr zum „Jennerwein“

Stefan Murr, Johanna Bittenbinder, Heinz-Josef Braun (vorn v.l.), ART ENSEMBLE OF PASSAU: Leo Gmelch, Yogo Pausch, Peter Tuscher, Florian Burgmayr (hinten v.l.). Foto: privat

Theater in Holzkirchen

Er ist ein Multitalent. Der aus Draxlham stammende Musiker, Komponist und Wort-Künstler Florian Burgmayr. Auch in der Pandemie ist er unablässig am Komponieren. Im März ist er mit dem bairischen Hörspiel-Spektakel „Jennerwein“ von Stefan Murr und Heinz-Josef Braun in Holzkirchen zu Gast.

Die Premiere des neuen Stückes fand schon im Frühjahr in Passau und dann im Oktober in München statt. Am 19. März ist eine Aufführung im KULTUR im Oberbräu geplant. Stefan Murr und Heinz-Josef Braun haben die Geschichte des Wildschütz Georg Jennerwein vom Schliersee neu geschrieben und gemeinsam mit Johanna Bittenbinder auf die Bühne gebracht.

Das aus Film und Fernsehen bestens bekannte Schauspielertrio ist im Oberland bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen beliebt mit seinen Aufführungen bairischer Märchen und den spannenden und urkomischen Insektenkrimis.

Fiktionales Zeitdokument

Aus einer neuen Perspektive erzählen die beiden Autoren die verschiedenen Szenen des sagenumwobenen Jennerwein: Den dramatischen Tod des Stiefvaters, die tägliche Auseinandersetzung mit Hunger und Not, den Überlebenskampf auf dem Schlachtfeld, die tragische Beziehung zu seiner Mutter, seine obsessiven Liebesabenteuer, sein gefährliches Spiel im provokanten Umgang mit der Obrigkeit bis hin zum fatalen Zerwürfnis mit seinem Kameraden Josef Pföderl.

„Wir wollen ein Zeitdokument schaffen“, sagt Heinz-Josef Braun, „eine fiktionale Geschichte, etwa so könnte es gewesen sein.“ Denn es gebe ja kaum Belege für das, was wirklich damals geschehen sei. Der Mythos Jennerwein, des bairischen Robin Hood, beruhe auf Hörensagen. „Uns ging es um die Psyche, warum ist er so geworden, wie er war.“ Das betreffe seine Beziehung zu Frauen, Freunden und zur Autorität. Aus diesem Ansatz heraus hätten sie sich dem Thema genähert.

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„Wir haben alles gelesen, alle Filme gesehen“, sagt der Autor und Schauspieler, dann aber habe man etwas Fiktionales geschaffen. Ganz bewusst habe man auch das berühmte Jennerwein-Lied nicht einbezogen, sondern Florian Burgmayr habe eine ureigene Musik komponiert.

Plastische Figuren

Das Stück zeichne aus, dass es einen Wechsel zwischen Erzählung und szenischem Vortrag gebe. „Damit werden die Figuren plastisch und für das Publikum lebendig“, erklärt Heinz-Josef Braun. „Das ist der Zauber des Vortrages, dass es beim Publikum eigene Bilder kreiert.“

Der Schauspieler freut sich auf den Abend im FoolsTheater, denn dort sei die Akustik hervorragend. Deshalb drehte das Team kürzlich auch in Holzkirchen den Trailer für „Jennerwein“.

Jennerwein
Stefan Murr, Johanna Bittenbinder, Heinz-Josef Braun (vorn v.l.), ART ENSEMBLE OF PASSAU: Leo Gmelch, Yogo Pausch, Peter Tuscher, Florian Burgmayr (hinten v.l.). Foto: privat

„Vogelwilde Musik“ liefert zum Stück das Art Ensemble of Passau mit Leo Gmelch (Tuba, Posaune), Peter Tuscher (Trompete), Yogo Pausch (Schlagwerk), Florian Burgmayr (Komposition, Akkordeon, Tenorhorn).

Eigenständige Theatermusik

„Es ist eine Theatermusik“, sagt Florian Burgmayr, die eigenständig für sich stehe. Er habe die Kompositionen stimmungsmäßig an die Handlung angepasst, so dass bei Tanzen etwa ein Zwiefacher ertöne oder im Krieg Blechjodler mit der Trommel gespielt werde.

Insgesamt habe er 40 Stücke geschrieben, von denen dann die Hälfte in die Produktion aufgenommen wurde. „Meine Schublade ist groß“, sagt der Komponist, er schreibe täglich, derzeit zu Hause am Klavier oder an der Isar. Nicht wie früher im Café, das sei ihm dann jetzt doch zu riskant.

Valentin mit Lerchenberg

Der „Jennerwein“ ist aber bei weitem nicht das einzige Stück, mit dem Florian Burgmayr unterwegs ist. Daneben läuft mit Michael Lerchenberg und Moritz Katzmair „Sturzflüge im Zuschauerraum“, ein absurd-grotesker Valentin-Abend.

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Zur Theatermusik sei er durch die Freundschaft mit Josef Parzefall, kreativer Kopf von Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater in München, gekommen, erzählt Florian Burgmayr. Dessen Stück „Kasperl und die wahre Liebe“ wird im Lustspielhaus mit echten Schauspielern aufgeführt und von Florian Burgmayr am Akkordeon begleitet.

Florian Burgmayr
Florian Burgmayr am Akkordeon. Foto: Petra Kurbjuhn

Schräge Poesie

Aktuell produziert der unermüdliche Komponist eine neue Wort-CD mit der Fantasiesprache „mimpfmöh“ unter dem Titel „Wörter und Töne“. Zusammen mit Maria Hafner und Michel Watzinger als „Lose Gruppe“ zelebriert er mit Leidenschaft schräge Poesie mit wagemutiger Musik, um Geist und Sinne des Publikums anzuregen.

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„Ich komponiere auf Vorrat“, erzählt der Musikus aus Draxlham und schreibt zwischendurch auch mal für das Tanztheater Schwabing oder für die Kabarettestin Franziska Wanninger.

Und jetzt drücken wir alle die Daumen, dass wir „Jennerwein“ im FoolsTheater am 19. März wirklich sehen dürfen.

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