Theater macht glücklich!

Michelle Bakmaz spielte bravourös die chinesische Kaiserin Pu Ding und lernte dafür wochenlang seitenweise Text.. Foto: Peter von Felbert

Kindertheater in Holzkirchen

Für vierzehn Kinder der Mittelschule Holzkirchen endet das Schuljahr mit einem bombastischen Erfolg im Fools Theater.

Als nach ziemlich genau 60 Minuten das letzte Wort verhallt und der letzte Scheinwerfer erloschen war, war es für einen kurzen Moment mucksmäuschenstill. Aber nur so lange, wie ein Publikum eben braucht, um für einen tosenden Applaus Schwung zu holen. Die Eltern platzten fast vor Stolz, der Schulleiter Christian Turnwald war baff. Damit hatte keiner gerechnet: Dass die vierzehn Fünft- und Sechstklässler bei der Aufführung ihres Theaterstückes eine derartig schwungvolle und überzeugende Komödie auf’s Bühnenparkett legen.

Über ein ganzes Schuljahr hatten sie zusammen mit der von der Mittelschule und der Gemeinde Holzkirchen engagierten und finanzierten Theatermacherin Sabine Schreiber und der Lehrerin Sabine Dauer jeden Montag Nachmittag an dem schrägen Stück „Ins Land der Marmeladenbrote“ (Thomas Heinemann) gearbeitet. Zuletzt waren sie mehrere Tage von morgens bis nachmittags in den Probenräumen gewesen, um ihrer Inszenierung den letzten Schliff zu verleihen. „Das ist nicht nur lustiges Herumgehopse. Die Kinder müssen sehr konzentriert sein und als eingespieltes Team funktionieren, um eine derart kurzweilige Aufführung auf die Bühne zu bringen.“, erklärt Theaterpädagogin Sabine Schreiber. „Ich bin sehr stolz auf meine Darsteller. Sie haben wirklich alles gegeben!“

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Justin Misch und David Weiß treiben als komödiantische Leibgardisten dem Publikum die Lachtränen in die Augen. Foto: Peter von Felbert

Die Geschichte über das Mädchen Blandine, das mit dem Zug versehentlich bis nach China fährt, und die ewig hungrige Kaiserin Pu Ding (unheimlich textsicher: Michelle Bakmaz) spielen die jungen Schauspieler in einem ebenso einfachen wie trickreichen Bühnenbild: Aus Koffern verschiedenster Größe, Facon und Couleur bauen die Kinder in Windeseile in den Zwischenszenen Zugabteil, Bahnhof, Hütte und Thronsaal. Streng und trippelnd zugleich überzeugten Emina Comic und Nezrin Jiti als chinesische Leibdiener: Aus einer Rolle wurden einfach zwei gemacht und die Mädchen teilen sich bravourös Textzeile für Textzeile. Das zweite urkomische Pärchen gaben Justin Misch und David Weiß als tollpatschige und verfressen-faule Leibgardisten. Der toughen Blandine (sehr überzeugend: Isabella Kapfenberger) zur Seite stehen die Taschendiebe Wang (frisch und frech: Annika Treske) und Li Tsi (zart und fein: Sarah Schwingenschlögel), sowie der kleinste Kung Fu Kämpfer allerzeiten (unglaublich selbstbewusst: Stefanie Salchow).

Besonders bezaubernd auch die kleine Schaffnerin (Gina Leininger), die mit ihrer mächtigen Bühnenstimme beeindruckt. Furkan Arcan (Koch), Jasmin und Julian Weiß (Tänzerin und Akrobat) komplettieren als schillernde Nebendarsteller das Ensemble. „Wie sie sich diese stattliche Textmenge, die komplizierten Umbauten und Szenenfolgen überhaupt haben merken können, das finde ich eine unglaubliche Leistung.“, staunt eine Besucherin. Ganz ohne Netz und doppelten Boden haben sie aber nicht gespielt: die verantwortungsvolle Aufgabe des Souffleurs übernahm zuverlässig und perfekt dezent Leon Acosta.

Nach der ersten und einzigen Aufführung, standen sie dann strahlend und schwitzend im Applauslicht. Jetzt war es jedem von ihnen egal, dass sie von manch einem Mitschüler ausgelacht wurden, weil sie trotz Hitzefrei zum Proben bis nachmittags um vier in der Schule geblieben sind – jetzt sind sie Stars. Das sind Momente, die ein Leben lang tragen.

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