Schwarz-Weiss-Fotografie und die Lust am Schauen

Schwarz-Weiss-Fotografie

„Erleuchtung“. Foto: Petra Kurbjuhn

Ausstellung in Holzkirchen

„Lichtspiele“ nennt Günter Unbescheid seine Ausstellung in der Galerie im Autopavillon Steingraber Holzkirchen. Die Schwarz-Weiss-Fotografien aus Natur und Architektur vermitteln, so der Untertitel, meditative Momente. Aber auch entspanntes Schauen und Lust am Entdecken des erschaffenen Bildes.

Fotografie teile sich ein in die dokumentarische Fotografie und in das Interesse am Bild, das nicht der Wirklichkeit entspreche, führte Kurator Horst Hermenau in die Ausstellungseröffnung ein. Damit sei die Fotografie in die etablierte Kunstszene aufgenommen worden.

Günter Unbescheid habe immer schon nicht nur Abbilder gezeigt, sondern mit seiner Schwarz-Weiss-Fotografie die Wirklichkeit so erschaffen, wie er sie wollte. Der Fotograf ist in der Region insbesondere durch seine Architektur-, Landschafts- und Porträtfotografie bekannt geworden, wobei er sich auch oft gesellschaftlichen Themen, wie Migration oder Digitalisierung widmete.

Günter Unbescheid
Günter Unbescheid bei der Ausstellungseröffnung. Foto: Petra Kurbjuhn

Lesetipp: Fokus auf der Ästhetik

In der derzeitigen Ausstellung aber, so sagte der Fotokünstler aus der Jachenau, habe er sich dem Ästhetischen und Konzeptionell-Grafischem verschrieben. Seine Beschränkung auf Schwarz-Weiss-Fotografie sei bereits eine Abstraktion. Eine weitere erziele er durch Mehrfachbelichtung und Solarisation. Durch letztere Technik könne er den Grauwert umkehren.

Schwarz-Weiss-Fotografie
„Beschwingt“. Foto: Petra Kurbjuhn

Diese Dopplung des Abstraktionsgrades durch die Technik, kombiniert mit Formen und Licht machen den Reiz der Ausstellung aus. Viele Aufnahmen entstanden analog mit der Großbildkamera und langen Belichtungszeiten, andere aber auch digital.

An der Frontseite des Galerieraumes ist das Spiel von Günter Unbescheid mit architektonischen Formen zu sehen. Ob in einem Frankfurter Einkaufszentrum, einem Linzer Bürogebäude, der Akademie für Bildende Künste in München oder in der neuen St. Josef Kirche in Holzkirchen, der Fotokünstler überrascht mit neuen Perspektiven, mit Drehungen, Mehrfachbelichtungen, Spiegelungen.

Schwarz-Weiss-Fotografie
„Zugespitzt I und II“. Foto: Petra Kurbjuhn

Damit erreicht er eine Abkehr von der Wirklichkeit und erzeugt seine eigene Realität, die die Lust am Schauen beim Betrachter fördert.

Zugespitzte Schwarz-Weiss-Fotografie

In einer zweiten Serie, die Günter Unbescheid „Zugespitzt“ nennt, hat er ebenfalls ein Gebäude fotografiert. Die vier analog gefertigten Bilder entstanden an einer Kapelle nördlich der Eifel, die sich durch einen spitzen Eingang und ausschließlich Oberlicht auszeichnet. Durch Doppelbelichtung und Solarisation spielt er mit Formen und Grautönen und erzeugt spannende grafische Effekte.

Günter Unbescheid
„Aufrecht“, „Abendlicht“, „Laubleuchten“. Foto: Petra Kurbjuhn

Diese Fotos bilden den Übergang zu Landschaftsaufnahmen. Die Arbeiten an der linken Seite zeigen die Vorliebe Günter Unbescheids für die Weite. Wolken und Meer in Lichtspielen laden wiederum zum kontemplativen Schauen, aber ganz anderer Art als bei den Architekturbildern, ein.

Auf der rechten Seite setzt der Fotograf der Ruhe das Chaos, das Gegenteil von klaren Linien, entgegen. „Samsara“ bedeutet im Buddhismus den Kreislauf von Werden und Vergehen, den ständigen Wandel. Die Fotografien aus einem Moor haben nichts Minimalistisches, sondern können als Sinnbild für Unstrukturiertes, Unvorhergesehenes dienen.

Samara
„Samara“. Foto: Petra Kurbjuhn

Günter Unbescheid will diese der Bilder auch als Symbol für unsere Zeit, die sich in einem Durcheinander befände, sehen. Horst Hermenau ergänzte: Im Vertikalen aber dieser Bilder sehe er durchaus eine Ordnung, einen Klang, eine Rhythmik. Und aus dem Zuhörerkreis kam der Vorschlag „sensibles Chaos“.

Die Ausstellung „Lichtspiele“ von Günter Unbescheid in der Galerie im Autopavillon Steingraber, Robert-Bosch-Straße 1 in Holzkirchen ist noch bis zum 7. März montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr zu sehen.

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