Gitarre trifft Phönix

Eine Kulturbegegnung der besonderen Art zwischen Kunst und Musik fand jetzt in der Kunsthalle Hammans in Warngau statt. Der international renommierte Gitarrist Augustin Wiedemann spielte in einem Werkstattkonzert privater Prägung inmitten der Skulpturen von Cornelia Hammans.

Von diesem Abend habe sie geträumt, erzählte Regisseurin Steffi Baier, die mit Gitarrenbauer Roland Metzner als kreative Begleitung für die Veranstaltung fungierte. Die Skulpturen in der Halle hätten zu leben begonnen, zu tanzen und so sei die Idee zum Konzert mit Augustin Wiedemann entstanden. Der große Phönix, der die Halle beherrscht, könne als Sinnbild dienen, denn er habe etwas mit Hingabe zu tun, an der man verbrenne und zu Asche werde, um wieder auferstehen zu können.

Ein exzellentes Beispiel für Hingabe an die Musik ist Augustin Wiedemann. Wenn man diesem Musiker zuschaut und zuhört, begreift man, was Musik für Menschen bedeuten kann, in Worte nicht zu fassen, nur spürbar. Der Münchner Gitarrist, der am Vorarlberger Landeskonservatorium lehrt, präsentierte eine Sinfonie in dem Sinne, dass er ganz unterschiedliche Teile zu einem großen Ganzen verschmolz, die er am Ende mit einer angehängten Coda als Zugaben erweiterte.

Mit der Grande Ouverture von Mauro Giuliani eröffnete der Musiker den Abend klassisch, um danach die Bachsche Violinsonate in C-Dur (BWV 1005), die er für Gitarre arrangiert hatte, virtuos und voller Hingabe darzubieten. Ein Höhepunkt zweifellos die Fuge, eigentlich eine Ciaccona, deren Thema in der Mitte abgebrochen und dann umgekehrt wieder, als Fuge, auftaucht.

Ein zweiter, unerwarteter Höhepunkt überraschte die etwa 200 Gäste nach der Pause, als Augustin Wiedemann drei Stücke des zeitgenössischen Komponisten Boris Yoffe aus St. Petersburg spielte. „Herbstabend“ – eine Adaption des Stifterschen Gedichtes für Stimme und Gitarre wurde von keinem Geringeren als Georg Lohmeier gelesen. Die stark reduzierte Musik wandelte die melancholische Stimmung vom Nebel, der über dem Teiche schwebt in Klänge um, die ihrerseits zu den umgebenden reduzierten Skulpturen korrespondierten.

Mit „Green and golden“ von Ralph Towner spielte Augustin Wiedemann ein melodiöses Jazz-Intermezzo, bevor er mit drei Stücken des portugiesischen Komponisten Paulo Amorim noch einmal zeitgenössische Gitarrenmusik auf hohem Niveau präsentierte.
Zu tanzen hatten die Skulpturen nicht begonnen, aber die Atmospäre in der Halle war voller Bewegung, Berührung und Begegnung.

 

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