Lebenslange Leidenschaft für japanische Ästhetik

Erica Friedrich-Kerckow vor ihrer frei interpretierten Kalligrafie „Langes Leben“ und Ikebana-Schale, KWA-Stift Rupertihof. Foto: Ines Wagner

Ausstellung in Rottach-Egern

Die große Leidenschaft bleibt ungetrübt. Erica Friedrich-Kerckow wird nicht müde, sich mit Begeisterung Ikebana, Kalligrafie und Tuschemalerei zu widmen. Am Rupertihof zeigt sie eine Ausstellung ausgewählter Werke.

Wer einmal Feuer gefangen hat an der japanischen Kultur, wird es nie wieder löschen. In Erica Friedrich-Kerckows Augen brennt dieses Feuer, wenn die Sprache auf Japan kommt, und sie möchte es teilen. Japanische Schönheit, Form und Ästhetik übt seit jeher eine starken Anziehung insbesondere auf Künstler und Gestalter aus. So ist es nicht verwunderlich, dass die Modedesignerin und ihr Mann Franz-Carl Friedrich, ein Architekt, fasziniert waren und blieben. Auf neun Japan-Reisen ließen sie sich inspirieren. Bald war es dann nicht nur Inspiration. Es folgte auch die Umsetzung. In den 70-er Jahren begannen sie gemeinsam mit der Kunst des Ikebana. Sie schlossen sich dem Stil der Sogetsu-Schule an, ließen sich ausbilden und nahmen an zahlreichen Ausstellungen teil. Die Elemente sammelten sie auf Reisen, ausgefallene Hölzer, Wurzeln, Steine und natürlich auch das traditionelle Zubehör, welches es für die Kunst des Blumensteckens braucht.

Bemooste Felsen im Wildbach

Wenn man dem Japan-Virus einmal erlegen ist, macht man keine halben Sachen mehr. Jede der japanischen Künste ist ein Weg: „do“. Einen Weg geht man vorwärts, das bedeutet, man vervollkommnet die Kunst. Diesen Weg ging auch das Ehepaar Friedrich-Kerckow. Nachdem sie zahlreiche Prüfungen absolviert, sowie Zertifikate und Auszeichnungen erhalten hatten, waren irgendwann allerdings die räumlichen Kapazitäten ausgeschöpft.

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Erica Friedrich-Kerckow: „Langes Leben“, Kanji, Freie Interpretation. Foto: Ines Wagner

Da fanden sie das Papier als neues Medium. Franz-Carl Friedrich schlug den Weg der Kalligrafie „sho-do“ ein, während seine Frau sich der Tuschemalerei „sumi-e“ widmete. Hier hatte sie die Freiheit für Interpretationen der traditionellen Themen, während ihr Mann die Malereien mit Schriftzeichen im Stil des „reisho“ und „kaisho“ ergänzte. Jedes Bild trägt einen Titel, der poetisch die Stimmung beschreibt. Ihre Arbeiten wurden wiederum in zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und Japan gezeigt. Als Franz-Carl Friedrich 1998 verstarb, hat seine Frau das gemeinsame Werk fortgesetzt. Von der Lehrerin ihres Mannes, Nobuko Häufle-Yasuda, mit der sie bis heute eine Freundschaft verbindet, liess sie sich in der Kalligrafie ausbilden.

Die Kiefer gibt Schatten

Im Rupertihof in Rottach-Egern ist zu sehen, was Erica Friedrich-Kerckow bewegt. Ein Ikebana-Gesteck der Künstlerin nach Art der Sogetsu-Schule ziert den Eingang der Ausstellung, natürlich in einem kostbaren japanischen Gefäß. Darüber hat sie ein Rollbild platziert, das eine freie Interpretation des Zeichens für „Langes Leben“ ist. Ein schönes Symbol, das dem Rupertihof als lebensbejahendes Credo gerecht wird. Eine andere Kalligrafie widmet sich einer Begebenheit im Zusammenhang mit Fukushima: „Die Kiefer gibt Schatten, die Welle hat eine geräuschvolle Stimme.“ Aber auch Eindrücke aus ihrem Leben im Landkreis fließen in ihre Bilder. „Bemooste Felsen im Wildbach“ und „Glückbringende Wolken“ widerspiegeln einen Regentag im Josefstal.

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Erica Friedrich-Kerckow: Tanzschraube“, Tuschemalerei sumi-e, Freie Interpretation. Foto: Ines Wagner

Erica Friedrich-Kerckow sendet ihre Kalligrafien und Tuschebilder weiterhin nach Japan zur Beurteilung durch die Meister dieser Künste und erhält Zertifikate und Anerkennungen. Regelmäßig nimmt die 88-jährige mit ihren Arbeiten an der Neujahrsaustellung im „nihon budukan“ teil. Eine solche Leidenschaft, die hält ein Leben lang.

Auch den Kontakt mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft erhält sie aufrecht, zur Sogetsu-Schule und zu Kalligrafielehrerin Nobuko Häufle-Yasuda. Die Leiterin des Rupertihofs, Lisa Brandl-Thür, und Kundenbetreuer Hauke Thomas unterstützen sie in ihrer Leidenschaft für die japanischen Kunst. Erica Friedrich-Kerckow hat noch einiges vor. Was kommt als Nächstes, frage ich. Am liebsten würde sie eine traditionelle Teezeremonie ins Tegernseer Tal holen. Schon wieder blitzt es aus ihren Augen. Das Thema Japan, das ist längst noch nicht durchdekliniert.

Die Kalligrafien und Tuschemalereien von Erica Friedrich-Kerckow sind noch bis Ende des Monats am KWA-Stift Rupertihofzu sehen.

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