Aus altem Holz entstehen moderne Kunstwerke

Dirk Wichmann mit seiner Skulptur Filou und Violett. Foto: VC

Holzkunst in Otterfing

„Ich bin meistens ergebnisoffen“, sagt Dirk Wichmann. Der Otterfinger hat sich Ästhetik ohne Normierung verschrieben und gestaltet aus altem Holz Skulpturen. Ist das Kunst oder Handwerk? Wahrscheinlich beides.

Am liebsten steht Dirk Wichmann draußen, in seinem Garten. Da sägt und fräst, hobelt und hämmert er, gestaltet schon mal aus schnöden Baumarktbrettern formschöne Skulpturen und bastelt aus Alt- und Schwemmholz Bilder, Lampen oder Gartenaccesoires in modernem Design. Auf seiner Homepage wirbt er denn auch mit dem Slogan: „Altes Holz in neuer Form.“ Manchmal kommen hier Spaziergänger vorbei, seine Zaungäste schauen ihm dann interessiert bei der Arbeit zu, manchmal entwickelt sich daraus auch ein Gespräch. Etwa so: Mach ich schon seit Jahren. Nein, bisher verkaufe ich die Sachen nicht. Und: „Ich verarbeite alles, was ich finde“, erzählt der 47-jährige Otterfinger. Freundlich. Geduldig.

Dirk Wichmann
Dirk Wichmann in Aktion. Foto: VC

Was Dirk Wichmann findet, findet er zum Beispiel an und in der Mangfall („Das ist mein Fluss, ein Stück Heimat“): Wurzeln, Äste und Schwemmholz. „Dieses Altholz hat ja seine Geschichte“, schwärmt er. Es ist unvollkommen, beschädigt, krumm, ungebändigt – das fasziniert und inspiriert ihn. Er geht nicht unbedingt gezielt auf Suche, er ist halt nur gerne unterwegs in der Natur, sagt er. „Aber ich bin in Sachen Holz sensibilisiert, ganz klar. Und wenn mir ein Stück ins Auge fällt, nehme ich es erstmal mit.“ Vielleicht wird dann eine Lampe draus, vielleicht ein Bild. „Ich bin da meistens ergebnisoffen.“

Arbeit mit Holz zur Entspannung

Schon als Jugendlicher hat er viel gebastelt, natürlich mit Holz, nach und nach hat er sich das Handwerkliche alles selber beigebracht. Aus der Bastelleidenschaft wurde ein Stück Lebensinhalt. „Die Arbeit mit Holz, das Kreative, entspannt mich. Da gehe ich voll drin auf. Auch ein guter Ausgleich zu meiner Arbeit.“ Dirk Wichmann arbeitet im Vertrieb für einen großen Versicherungskonzern in München.

Holzkunst
Dirk Wichmann: Wal. Foto: VC

Ist das jetzt Kunst? Oder Handwerk? Wichmann ist unentschlossen. „Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem.“ Auf jedenfall ist er in seinem Schaffen stillos, im besten Wortsinn, und privat. Politische Botschaften, eine Message, wird man hier lange suchen. Und auch wenn es Motive gibt, die immer wieder auftauchen – das Meer und Fische zum Beispiel – Dirk Wichmann mag sich in seinem Schaffen nicht festlegen. Funktionalität und Ästhetik verbindet er auf spielersiche, fast lässige Weise. „Anfangs wollte ich nur meine Wohnung etwas aufhübschen, inzwischen habe ich kaum mehr Platz für meine Sachen“, lacht er. Sein Vermieter Helmut Drösler, experimenteller Fotograf, hat ihm das Gartenhäuschen freigeräumt. Hier hat sich Dirk Wichmann eine kleine Werkstatt eingerichtet. „Der fand einfach gut, was ich mache!“

Lesetipp: Wichtig ist der Entstehungsprozess

Holzkunst
Dirk Wichmann in seiner Werkstatt. Foto: VC

Die Verästelungen seines Schaffens folgen keinem Plan. Aber das Bearbeiten des Holzes, der gestalterische Moment, das gute Gefühl, wenn etwas gelungen ist, ist für Dirk Wichmann auch immer Überlebensmittel in schwierigen Zeiten und eine Art Rückzugsmöglichkeit. „Ich bin sehr heimatverbunden“, sagt er. In Otterfing aufgewachsen, hat er seitdem immer im Landkreis Miesbach gelebt. „Valley war da schon weit“, lächelt er. Warum in die große weite Welt, wenn es doch die Mangfall gibt?

Der Schritt in die Öffentlichkeit, raus aus dem geschützten, weil privaten Raum – für Wichmann bislang keine Selbstverständlichkeit. Seine Holz-Stücke in den eigenen vier Wänden, im Garten vorm Haus, ja. Aber noch nie ausgestellt. Als er im Sommer ausstellen hätte können, begann er an den geplanten Exponanten nachzubessern. Da sägten plötzlich die Selbstzweifel. Dirk Wichmann sagte den Termin ab.

Ausstellung mit Holzkunst

Mit dem Holz, den er für seinen Ausstellungsstand gekauft hatte, schuf er die gut zwei Meter hohe Skulptur „Filou und Violett“, die jetzt in seinem Garten zu sehen ist. Im nächsten Sommer will Dirk Wichmann hier eine Vernissage veranstalten. „Aber nicht so mit Prosecco und Chichi“, sagt er. „Eher eine Mischung aus Kunstausstellung und Gartenfest.“ Ein Vorteil: Vorm Gartenzaun braucht dann niemand mehr stehen zu bleiben.

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