Eine spannende Harmonie der Gegensätze

Ausstellung Alle Sinne stehen auf_Grün. Foto: Kerstin Brandes

Ausstellung in Sindelsdorf

In der aktuellen Ausstellung „Alle Sinne stehen auf_Grün“ in der Galerie RAUMdurchKUNST in Sindelsdorf sind Gemälde von Daniel Eltinger und Skulpturen von Brigitte Cabell zu sehen. Der erste Eindruck, der im hellen, lichtdurchfluteten Raum entsteht, ist eine ungewöhnliche Harmonie der sehr unterschiedlichen Werke. Die Gemälde an den Wänden kommunizieren geradezu mit den Steinskulpturen auf ihren filigranen Metallgestellen.

Daniel Eltinger verwendete in seinen großformatigen Bildern überwiegend kräftige Acrylfarben. Sie wirken wie mit starkem Strich aufgetragen. Betrachtet man jedoch etwas genauer, ist eine sehr eigene Technik erkennbar: dick geschichtete Farbe und Strukturen, die durch Verwendung von Folien entstehen, lassen eine ganz eigene, faszinierende Bildsprache entstehen. Eine unglaublich expressive Intensität in Kombination mit feinen Nuancen von Reflexion und Sensibilität. In einigen Werken scheinen Fragilität und Verletzlichkeit direkt greifbar zu sein. Auch die Farbe wirkt teilweise noch nass, formbar und nicht auf ein definitives Ende des Malprozesses ausgerichtet. Eltinger gab seinen Gemälden oftmals konkrete Titel, die den Betrachtenden zu Gedankenreisen inspirieren.

Alle Sinne stehen auf_Grün
Daniel Eltinger: Erregtheit der Fauna, Brigitte Cabell: Elefant. Foto: Kerstin Brandes

Inversive Malerei

Seine Technik ist eine Art umgekehrter Malprozess: das oben Sichtbare hat er zuerst als unterste Schicht aufgetragen und damit die Rückseite zur Vorderseite gemacht. Dies ist nicht nur eine ungewöhnliche Malweise, sondern kann auch als Ausdruck einer eigenen Lebensbetrachtung gesehen werden: Die Dinge aus der entgegengesetzten Perspektive, wie bei einem Spiegelbild oder dem Negativ eines Fotos, und oftmals auch vom Ende her zu denken. Beschäftigt man sich etwas näher mit seinem Lebenslauf und seiner Weltanschauung, so unterstreicht beides diesen Ansatz. Alle Sinne stehen auf_ Grün kann als Retrospektive von Daniel Eltingers Werk gesehen werden und bietet die seltene Chance, das Werk des jung verstorbenen Künstlers kennenzulernen.

Alle Sinne stehen auf_Grün
Detail aus Daniel Eltingers Reconquista. Foto: Kerstin Brandes

Das Innen sichtbar machen

Brigitte Cabells Arbeiten schaffen einen vermeintlichen Gegensatz zu den Gemälden. Mit ihren ausgewogenen Formen scheinen sie in sich zu ruhen. Sieht man genauer hin, erkennt man die Spannung zwischen rauen und glatten Oberflächen, das Farbspiel der Steine und die Verfärbungen aufgrund von Eiseneinschlüssen. Ursprünglich arbeitete die Künstlerin mit Marmor, seit einigen Jahren ist jedoch afrikanisches Vulkangestein, der Serpentin, ihr bevorzugtes Material. Seine unterschiedlichen Farbschichten, die durch die Bearbeitung an Intensität gewinnen, geben den Arbeiten eine weitere gestalterische Dimension. Brigitte Cabell weiß diesbezüglich ihr Material optimal zu bearbeiten – ein Spiel aus hell und dunkel, monochrom und farbintensiv.

Alle Sinne stehen auf_Grün
Brigitte Cabell: Rumi. Fotos: Rudi Schleich

Ihre Werke wirken zunächst gegenständlich. Sie deuten Tiere und Gesichter an, lassen sich jedoch nie vollständig ‚fertiglesen‘, da sich die konkrete Form auflöst und in einen anderen Zustand, meist grober Gesteinsstruktur, übergeht. Die Grenzen verwischen: Ein Außen scheint sich in ein Innen aufzulösen. Es entsteht der Eindruck, als würde den Skulpturen dadurch eine zusätzliche Ebene, eine Art Seele auf der Oberfläche, hinzugefügt werden. Als wolle sich das Werk nicht beschränken, sondern offen sein für eine andere, weitere Interpretation seitens des Betrachtenden.

Alle Sinne stehen auf_Grün
Brigitte Cabell: Zueinander und Füreinander. Foto: Kerstin Brandes

Beide Künstler verbindet eine spontane Herangehensweise in ihrem Schaffen – ohne eine Skizze oder einer genauen Vorstellung, wie das fertige Werk auszusehen hat, begeben sich beide – mit unterschiedlichen Techniken – auf eine Reise, einer Suche nach dem Inneren auf dem Äußeren.

RAUMdurchKUNST – Raum für Kunst

Yvonne Fontane hat in Sindelsdorf mit ihren privaten Mitteln ein imposantes Gebäude geschaffen, das der Kunst mehr als eine reine Präsentationsfläche bietet. Sie verbindet mit viel Feingefühl und Erfahrung Ausstellungen mit Konzerten und Lesungen. Dabei ist die Bandbreite enorm. Die aktuelle Ausstellung in RAUM durchKUNST Alle Sinne stehen auf_Grün wird von folgenden Veranstaltungen begleitet:

BLAUE STUNDE – Adventssingen mit Gabi Wanger am 9. Dezember 2025, 19:00 Uhr.
THE SPIRIT OF DJANGO – Gypsy Jazz am 20. Dezember 2025, 19:00 Uhr.
BLAUE STUNDE – Ausstellungsführung mit Brigitte Cabell und einem Familienmitglied, das den Nachlass von Daniel Eltinger mitbetreut am 6. Januar 2026, 19:00 Uhr.
BEATBOXER MANDO – Daniel Mandolinis Stimme wird zum Instrument, am 16. Januar 2026, 19:00 Uhr.


RAUMdurchKUNST in Sindelsdorf. Foto: Kerstin Brandes

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