71. Kunstausstellung Bayrischzell

Für das kulturelle Leben in Bayrischzell

Die 71. Kunstausstellung Bayrischzell wartet auf die Juroren. Foto: Isabel Sophie Oberländer

Kunstausstellung in Bayrischzell

Die 71. Kunstausstellung Bayrischzell wird am 9. August im Pfarrsaal eröffnet. Wie im vergangenen Jahr wird die renommierte Schau von drei Münchner Kunsthistorikerinnen juriert. Wir möchten sie vorstellen und haben sie im Vorfeld befragt.

Isabel Sophie Oberländer, festangestellte Kunstvermittlerin und Kuratorin, hat Vorerfahrung mit Jurysitzungen wegen Hospitation beim Goetheinstitut und durch ihre Rolle als Mitjurorin beim Schafhof in Freising für das Kunststipendium des Bezirks Oberbayern. Sie ist Autorin bei KulturVision e.V. und hat die Gedenkausstellung für Rudi Leitner in Hausham sehr erfolgreich kuratiert und organisiert.

Im vergangenen Jahr hat sie mit Die Qual der Wahl die Arbeit der Jury beschrieben.


Isabel Sophie Oberländer mit ihrer Kollegin. Foto: Isabel Sophie Oberländer

Claudia Barcheri ist freischaffende Bildende Künstlerin und Jurorin bei Kunst am Bau. Romana Stehling ist freischaffende Autorin und Kuratorin. Sie kuratiert beispielsweise bei der PLATFORM in München.

MZ: Was ist Euer Konzept für die Jurysitzung und Ausstellung?
Künstlerische Qualität, Heterogenität in der Auswahl, luftige Hängung und die Kunstwerke sollen sich gegenseitig verstärken durch die Hängung. Neben der künstlerischen Qualität und der Heterogenität der Auswahl legen wir großen Wert auf den Dialog zwischen den Werken. Die Kunstwerke sollten sich nicht nur visuell ergänzen, sondern auch inhaltlich miteinander in Beziehung stehen. Wir wollen eine Ausstellung schaffen, die den Gästen sowohl visuell als auch intellektuell neue Perspektiven eröffnet und die verschiedenen Ausdrucksformen der Kunst auf spannende Weise miteinander vereint.

71. Kunstausstellung Bayrischzell
Die Jury am Werk. Foto: Isabel Sophie Oberländer

MZ: Nach welchen Prinzipien juriert ihr aus?
An erster Stelle steht Qualität, wobei ein wesentliches Kennzeichen Eigenständigkeit der künstlerischen Position ist. Wichtig ist uns auch, wenn aktuell relevante Themen aufgegriffen werden, eine Mischung verschiedener Medien sowie aus Nachwuchstalenten und etablierten Kunstschaffenden. Wir haben nicht den Anspruch zu sagen, das ist keine Kunst, sondern es geht um die Zusammenstellung. Unsere Neutralität ist aufgrund der geografischen Entfernung zu Bayrischzell und dadurch, dass wir so gut wie niemanden kennen, gegeben. Zusätzlich zur Qualität und relevanten Themen berücksichtigen wir auch die emotionale und konzeptionelle Kraft der Werke. Es ist uns wichtig, Kunstwerke auszuwählen, die einen tiefen Eindruck hinterlassen und die Fähigkeit besitzen, das Publikum zu berühren. Wir suchen nach Arbeiten, die sowohl ästhetisch als auch intellektuell ansprechen und neue Fragen oder Perspektiven in die Diskussion einbringen.

MZ: Nach welchen Prinzipien macht ihr die Hängung?
Die Kunst soll Luft zum Atmen und Wirken haben, wir bevorzugen eine Durchmischung der Medien und wollen den klassischen wie Malerei ebenso wie modernen einen Raum geben. Beim Betreten des Raumes soll ein stimmiges Bild vorhanden sein. Bei der Hängung achten wir darauf, dass jedes Werk für sich wirken kann, ohne zu überladen. Die Anordnung wird so gewählt, dass die Werke miteinander in einen Dialog treten können, aber trotzdem ihre Eigenständigkeit bewahren. Auch spielen zum Beispiel Blickachsen im Raum und Beleuchtung eine wichtige Rolle, um jedes Werk optimal zur Geltung zu bringen und dem Publikum die Möglichkeit zu geben, die Arbeiten in Ruhe zu erleben.


Bei der Hängung. Foto: Isabel Sophie Oberländer

MZ: Welche Erfahrungen habt Ihr vom vergangenen Jahr?
Wir haben viel aussortiert, um den Werken genügend Raum zu geben. Das ist sehr schwer, denn alles hat seine Daseinsberechtigung, aber manches ist noch nicht so weit. Wir haben unsere Diskussionen immer sachlich begründet. Wenn wir uns nicht einig waren, haben wir das Werk zur Seite gelegt und es wirken lassen.

MZ: Habt Ihr Euch auch gestritten?
Nein, es gab nur konstruktive Diskussion. Wir sind uns bewusst, dass wir aufgrund unseres unterschiedlichen fachlichen Hintergrunds alle einen etwas anderen Standpunkt einnehmen, und das ist auch gut so. Es führt zu fruchtbaren Gesprächen und mehr Neutralität in der Entscheidung. Manchmal gab es auch einen Kompromiss, etwa wenn wir uns nicht komplett einig waren, dann haben wir nur ein Bild aus der eingereichten Serie und nicht alle genommen.


Was passt zusammen? Foto: Isabel Sophie Oberländer

MZ: Wie war das Feedback von Künstlern und Publikum?
Von Künstlern gab es kein Feedback, aber die Ausstellung sei beim Publikum gut angekommen. So hat es uns Burkhard Niesel, der Ausstellungsorganisator, weitergegeben. Erst sei man überrascht gewesen, dass die Ausstellung so „leer“ war im Vergleich zu den Vorjahren, aber dann habe man sich auf das neue Konzept eingelassen und neue Sichtweisen auf die Kunstwerke eingelassen, weil sie zum Beispiel in Kombination mit den im angrenzenden Bereich ausgestellten Werken wieder anders gewirkt haben, also etwa sich die Farben in der Leuchtkraft gegenseitig stützten.

MZ: Wann werdet ihr in Bayrischzell tätig sein?
Am 3. August. Wir freuen uns auf die Arbeit, es ist eine spannende Gelegenheit zum Austausch über aktuelle Themen im Kulturbereich, beispielsweise Finanzlage, kunstpolitische Themen, aktuelle Entwicklungen im Bereich der Kunstresidencies. Und es geht nicht nur um Kunst, sondern auch um Grundsatzfragen, denn wir haben unterschiedliche Blickwinkel. Es wird sicher ein langer Tag, denn wir sind Perfektionisten und haben einen Anspruch auf unser Tun. Wir tun das für das kulturelle Leben in Bayrischzell. Es ist für uns eine Riesenehre, dass wir dabei sein dürfen.


Mit Kultursprungs-Vorsitzendem und Organisator Burkhard Niesel. Foto: Isabel Sophie Oberländer

MZ: Wie ist die Zusammenarbeit mit Burkhart Niesel?
Unkompliziert, er lässt uns viele Freiheiten, hat aber Interesse an Begründungen unserer Entscheidungen, am Ende der Jurysitzung sprechen wir darüber, warum wir manche Einreichungen abgelehnt haben, denn wir versuchen den Künstlerinnen und Künstlern durch unsere Wertschätzung gerecht zu werden.

Die 71. Kunstausstellung Bayrischzell wird am 9. August um 16 Uhr im Pfarrsaal St. Margareth von Bürgermeister Georg Kittenrainer feierlich eröffnet.

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