
Sieben Tage, ein Sams, null Langeweile
Herr Taschenbier (Bernd Schmidt) muss das Sams (Judith Heimerl) manchmal ruhig halten. Foto: Ramona Meisl
Theater in Holzkirchen
Am Samstag hat das Sams das FoolsTheater mit seinem Chaos unsicher gemacht. Regisseur Heinz-Josef Braun macht mit dem Ensemle das FLTB-Sprechtheaters aus den Geschichten von Paul Maar ein buntes Abenteuer voller Musik und Tempo für Kinder und Erwachsene in Holzkirchen. Und was bleibt, wenn die Woche voller Samstage vorbei ist?
Turbulente Verfolgungsjagden durchs Publikum
Montag, Dienstag, Mittwoch… im Leben von Herrn Taschenbier gleicht ein Tag dem anderen. Bernd Schmidt spielt diesen schüchternen Mann, der lieber leise als laut ist, mit rührender Zurückhaltung und Herzensgüte. Bis zu jenem Samstag. Da steht es plötzlich vor ihm, mit orangefarbenen Stoppelhaaren und einem Mundwerk, aus dem es mehr prasselt als bei einem Platzregen: das Sams mit seinen magischen blauen Gesichtspunkten.

Im ikonischen Taucheranzug tanzt das Sams (Judith Heimerl) durch den Saal und ist für Herrn Taschenbier (Bernd Schmidt) manchmal auch ganz nützlich! Foto: Ramona Meisl
Judith Heimerl ist dieses urkomische Wesen mit Haut und Haar. Sie hüpft, sie reimt, sie springt um den verdutzten Herrn „Papa“ Taschenbier herum. Wie ein Wirbelwind fegt sie über die Bühne: frech, laut, aber nie lästig. Die Kinder im Saal lieben sie vom ersten Augenblick an. Wenn dem Sams die Bühne zu klein wird, ist es wirklich toll, wie der ganze Saal, die Reihen im Publikum und jede Ecke bespielt werden … so auch für chaotische Verfolgungsjagden, wenn das Sams eingefangen werden soll!

Nora Heimerl als Verkäuferin und Detlef Dauer als Studienrat Groll. Foto: Ramona Meisl
Seit mehr als fünfzig Jahren begleitet Paul Maars Sams Generationen von Leserinnen und Lesern. Viele Eltern im Publikum haben die Bücher selbst unter der Bettdecke verschlungen und erleben nun, wie ihre Kinder dieselben Figuren entdecken. Ein Stück Kindheit, weitergereicht wie ein Staffelstab und an diesem Nachmittag sitzen Groß und Klein Seite an Seite und lachen über dieselben Pointen.
Vermieterin, Kaufhaus, Klassenzimmer: Keiner wird verschont!
Heinz-Josef Braun hat aus den Geschichten einen bunten Blumenstrauß an Episoden geflochten. Jede Szene ist ein kleines Abenteuer für sich, und doch fügen sich alle zu einem großen Ganzen. Wo das Sams auftaucht, bleibt kein Stein auf dem anderen.

Taschenbiers Chef Oberstein (Korbinian Langl) findet tagelang den Büroschlüssel nicht. Wer wohl dahintersteckt? Foto: Ramona Meisl
Bei Detlef Dauer als Studienrat Groll ist der Name Programm: Er grummelt, er grollt, er droht mit dem Zeigefinger und verliert gegen das Sams doch jede Runde, zur Freude der Kinder. Wer sich mit Strenge Respekt verschaffen will, hat beim Sams schlechte Karten. Im Kaufhaus gerät Nora Heimerl als Verkäuferin an einen ganz besonderen Kunden: das Sams, das nur in einen Taucheranzug passt, nachdem wortwörtlich alle Stricke reißen. Herrlich, wie ihr freundliches Verkaufslächeln selbst bei den absurdesten Forderungen nie verschwindet. Der Kunde ist König und das Sams sogar eine Majestät!

Die Verkäuferin (Nora Heimerl) versucht wirklich ALLES, um für das Sams (Judith Heimerl) den richtigen Anzug zu finden! Foto: Ramona Meisl
Besonders lustig ist die Dreifach-Dynamik zwischen Herrn Taschenbier, dem Sams und der grummeligen Vermieterin Frau Rotkohl, gespielt von Cathrin Paul, die als Hauptantagonistin dem Lärm um das Sams ein Ende setzen will. Es ist herrlich, wie die zwei Erwachsenen in ihren überzogen komischen Rollen auf ihre ganz eigene Weise ihrem Alltag nachgehen wollen, während das Sams alles durcheinanderwirbelt … nicht weil es böse ist, sondern einfach, weil es das Sams ist!
Tempo, Töne, Farbenrausch
Was diese Inszenierung so kurzweilig macht, ist ihr Tempo. Das Ensemble spielt freudig, manchmal sogar tänzerisch: man sieht jedem Einzelnen an, wie viel Spaß es macht, für einen Nachmittag wieder Kind zu sein.
Doch wie jede Woche hat auch diese ein Ende. Wenn das Sams sich verabschieden muss, wird es still und etwas traurig im Saal. Manchem kleinen Zuschauer kullert eine Träne über die Wange, und Bernd Schmidts Taschenbier steht plötzlich wieder ganz allein da. Tragisch? Ein bisschen. Hoffnungslos? Kein bisschen! Denn alle wissen: Auf jeden Freitag folgt ein Samstag. Und am Samstag kommt das Sams zurück.

Wenn Frau Mohn (Julia Quaderer) am Montag kommt, wer kommt dann wohl am Samstag? (Rechts: Bernd Schmidt als Herr Taschenbier). Foto: Ramona Meisl
Zum Weiterlesen: Das Ungeheuer im Rathaus