
Leuchtende Farben und künstlerische Vielfalt
Sibylle Guttenberg vor ihren Bildern im Kunst- und Kulturhaus Hausham. Foto: CS
Vernissage in Hausham
Anlässlich ihres 80. Geburtstages zeigt das Kunst- und Kulturhaus Hausham eine Retrospektive mit Bildern der Haushamer Künstlerin Sibylle Guttenberg. Zu sehen sind über 50 Werke aus 40 Jahren ihres Schaffens.
Erst vor wenigen Tagen feierte die Künstlerin Sibylle Guttenberg ihren 80. Geburtstag. Ein schöner Anlass, um auf ihr Schaffen der letzten 40 Jahre zurückzublicken. Auch wenn sie sich mit dem Malen schon viel früher beschäftigte: „Die Malerei begleitet mich seit meiner Schulzeit“, erzählt sie im Gespräch mit KulturVision. „Sie bot mir die Gelegenheit, dem meist trockenen Schulalltag zu entfliehen und in eine farbenreiche und phantasievolle Welt einzutauchen.“

Viele Besucher kamen zur Vernissage am 23. Oktober. Foto: CS
Die Liebe zur Farbe blieb ihr bis heute. Sie gehört auch zu den ersten Eindrücken, wenn man ihre gesammelten Werke im Kunst- und Kulturhaus Hausham besichtigt. Das bestätigt auch die stellvertretende Bürgermeisterin von Hausham, Ria Röpfl, die es sich nicht nehmen ließ, vor den zahlreichen Gästen ein paar Begrüßungsworte zu sagen. „Es ist alles schön bunt hier“, stellte sie fest und gratulierte der Künstlerin zusammen mit der Haushamer Kulturreferentin Elisabeth Leidgschwendner.
„Mit der Karikatur macht man sich nicht nur Freunde“
Auch wenn Farbe eine wichtige Komponente ihrer Arbeit darstellt, beschäftigte sich die in Freiburg im Breisgau aufgewachsene Künstlerin noch viel tiefergehend mit der Malerei: Nach ihrem Besuch der Grafikschule in Wien absolvierte sie in den 70er- und 80er-Jahren Kurse in Zeichnen, Farbtechnik, Aktmalerei, Porträt sowie Öl- und Lasurtechnik bei Malern wie Rolf Märkel in Rosenheim und Hans Reiser in Reichersbeuern, dem bekannten Karikaturisten.
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Auch in der Schau stellt sie ein paar Karikaturen aus dieser Zeit aus, die ihr zeichnerisches Können illustrieren. Das Genre selbst gab sie aber irgendwann wieder auf. Vor allem, weil die Karikierten oft nicht ganz so erfreut darüber waren, im Zentrum ihrer satirischen Arbeit zu stehen. „Mit der Karikatur macht man sich nicht nur Freunde“, erzählt sie.
Bilder, die etwas erzählen
Deshalb wandte sie sich anderen Themen zu und entwickelte sich weiter. „Eigentlich war Malerei immer eine Zusammenfassung dessen, was mich gerade beschäftigt“, sagt sie rückblickend. Ob das die Blumen im Garten waren, die Landschaften am Tegernsee und Schliersee oder Eindrücke, die sie auf ihren Reisen gewonnen hat, wie etwa auf einer Nilkreuzfahrt, die sie mit ihrem Mann vor vielen Jahren unternahm. Ganz wichtig sei ihr ein Narrativ: „Meine Bilder brauchen eine Erzählung und einen Namen“, betont sie.

„Heimkehr“, Mischtechnik auf Leinwand. Foto: CS
So greift sie viele unterschiedliche Themen und Stile im Laufe ihrer malerischen Entwicklung auf und ließ sich dabei auch von Künstlern der klassischen Moderne inspirieren. Wie etwa von Lyonel Feininger, der seine Motive in kubistischer Manier in geometrische Flächen zerlegte. Eine Herangehensweise, die etwa in ihren ausgestellten Landschaftsbildern deutlich zu erkennen ist.
Sibylle Guttenberg und der Surrealismus
Auch dem Surrealismus widmete sich die Künstlerin einige Zeit: Ihr kleines Ölgemälde „Das Gespräch“ zum Beispiel, das unter anderem einen Mund, ein Ohr und Brüste mit Flügeln zeigt, erinnert an einen der bekanntesten bildenden Künstler dieser Bewegung: Salvador Dali.
Beeindrucken auch ihr Werk „Baustelle Mensch“, das in den 90er-Jahren entstanden ist und eine Figur mit einem überdimensionierten, offenen Kopf zeigt, der von kleinen Männchen, die aus einem Ei schlüpfen, umgebaut wird. „Darin geht es um das Aufkommen des Internets und was das mit dem Menschen macht“, sagt sie. Ein Thema, das im gerade beginnenden Zeitalter der Künstlichen Intelligenz aktueller nicht sein könnte.

„Baustelle Mensch“, Öl auf Malkarton. Foto: CS
Wer die Ausstellung in Hausham besucht, stellt eins fest: die künstlerische Vielseitigkeit von Sibylle Guttenberg, die mit ihren Werken in allen großen Schauen der Region wie der Tegernseer, Bayrischzeller und Irschenberger Kunstausstellung und vielen Einzelausstellungen vertreten war. Zwar will die 80-Jährige keine größeren Malprojekte mehr angehen, doch es bleibt zu hoffen, dass sie ihr Publikum künftig noch mit vielen neuen Werken begeistert.