Gerhard Polt, Markus Ederer, Schlierseer Gespräche, Schlierseer Kulturherbst 2026, Schlierseer Bauerntheater

Zuversicht und Humor trotz Krise

Markus Ederer und Gerhard Polt nach ihrem Auftritt im Schlierseer Bauerntheater. Foto: CS

Gespräche im Schlierseer Bauerntheater

Die weltpolitische Lage lässt keine Freude aufkommen. Wie wir trotz Krise zuversichtlich bleiben, diskutierten der Kabarettist Gerhard Polt und der ehemalige EU-Botschafter in Russland, Markus Ederer, im Schlierseer Bauerntheater – mit bissigem Humor.

„Die Zukunft war früher auch besser“, lautet ein berühmter Spruch von Karl Valentin. Angesichts der bedrohlichen weltpolitischen Lage und des Klimawandels, der sich immer deutlicher zeigt, scheint in diesem paradoxen Spruch Wahrheit zu stecken. Doch wohin führen uns Verdruss und die typische „German Angst“, für die wir bekannt sind? Das diskutierten der Kabarettist Gerhard Polt und der ehemalige EU-Botschafter in Russland und Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Markus Ederer, beim diesjährigen Schlierseer Gespräch zum Thema „Zuversicht in der Unsicherheit“.

Pessimismus werde zwar oft als eine typisch deutsche Eigenschaft gesehen, doch Weltuntergangsstimmung sei per se nichts Neues, sagt Gerhard Polt: „Es gab schon immer Kulturen, die Weltuntergangsvorstellungen hatten“, führt er in das Thema ein. Es wimmle in der Geschichte nur so davon. Und auch heute gäbe es immer noch genügend Weltuntergangsverkündiger. Denn Angst sei ein Instrumentarium, mit dem man Menschen fabelhaft manipulieren könne, betont er.

Die kritische Lage der Welt

Die Angst sei angesichts der heutigen Lage nicht unberechtigt, gibt Markus Ederer zu bedenken: „Die Welt hat sich extrem verändert und um uns herum herrschen Kriege“, sagt der langjährige Diplomat. Doch die Instrumentalisierung von Angst, die wir heute erleben, verschlimmere alles. Das macht sich nicht nur die AfD zunutze, die Angst vor der Migration schürt und den Untergang des deutschen Volkes predigt, sagt er. Auch die anderen Parteien operierten damit: Die Grünen machten Angst vor dem Klimakollaps, die SPD vor dem Sozialkollaps und die CDU/CSU vor dem wirtschaftlichen Untergang.

Gerhard Polt, Markus Ederer, Schlierseer Gespräche
Gerhard Polt und Markus Ederer auf der Bühne des Schlierseer Bauerntheaters. Foto: CS

Die Frage sei, wie wir aus dieser durch Angst verursachten Lähmung persönlich, gesellschaftlich und politisch heraus- und vorankommen, sagt Markus Ederer. Dabei fasst er fürs Publikum nochmal die Weltlage zusammen und spricht von den sich auflösenden Regeln, die bisher das internationale Zusammenleben bestimmten, von der Macht des Stärkeren, die immer mehr gelte, und von den USA, die sich von der Rolle als bisheriger Anker einer liberalen Weltordnung verabschiedet haben. Auch die Vereinten Nationen seien nur noch ein Schatten ihrer selbst und Artikel 5 der NATO, dass sich Bündnispartner im Angriffsfalle beistehen, sei auch nicht mehr sicher.

„Das Kriegsziel, siegen zu wollen, ist völlig absurd“

„In meiner Einschätzung wird die Welt in den nächsten Jahren noch gefährlicher“, erklärt er weiter und trägt damit nicht gerade zur Zuversicht bei. Wichtig sei aber trotz allem der Mut zum Handeln: „Wir dürfen nicht wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen und gar nichts mehr machen“, fordert er. Gerhard Polt plädiert dafür, jede Bedrohung zu analysieren und dahinter zu blicken, was eine Bedrohung nicht nur für einen selbst, sondern auch für den Bedrohenden bedeute: „Das Kriegsziel, siegen zu wollen, ist völlig absurd“, sagt der Humorist. Denn jeder Sieg sei ein Pyrrhussieg.

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Dennoch dürfe man nicht vergessen, dass vor allem Deutschland als große Handelsnation von der sich verändernden weltpolitischen Lage stark bedroht sei: „Deutschland konnte unter dem militärischen Schutz der USA florieren, jetzt befindet es sich als militärischer Vegetarier plötzlich unter lauter Fleischfressern“, erläutert Markus Ederer. Wir hatten billige Energie aus Russland, Sicherheit von den Amerikanern, einen guten Absatzmarkt in China – all das gäbe es jetzt nicht mehr.

Wie man Zuversicht erreicht

Auf die Frage, wie man anhand dieser desolaten Aussichten wieder zur Zuversicht käme, sorgte Gerhard Polt im richtigen Moment für Erheiterung im Publikum. Die Zuversicht käme meistens irgendwoher, sagt er mit seinem hintersinnigen Humor. Es sei wie beim berühmten Spruch: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ Zudem müsse man Zuversicht aufbauen, etwa mit Humor und einer guten Flasche Rotwein, empfiehlt er. „Da sieht man die Russen in ihrer Gesamtheit wieder ganz anders.“

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Der Bürgermeister von Schliersee, Florian Reinthaler (rechts), überreicht Gerhard Polt und Markus Ederer einen Slyrs. Foto: CS

Trotz allem Negativen versucht Markus Ederer auch, auf positive Entwicklungen aufmerksam zu machen. Sie gingen in der Flut der schlechten Nachrichten unter, die die Medien vorrangig verbreiten, weil sie sich besser klicken. So müsse man sehen, dass global die Lebenserwartung steige, die Kindersterblichkeit sinke und die Armut der Weltbevölkerung sich verringere. Auch wenn viele Länder dieser Welt noch weit weg von Wohlstand und Wohlergehen sind, sei es dennoch wichtig zu wissen, dass sich die Lage insgesamt verbessere. Das bejahte auch Gerhard Polt und sorgte für schallendes Gelächter, als er ergänzte, dass man als Schlierseer froh sein müsse, wenn es den Haushamern gut gehe.

Handeln erzeugt das Gefühl von Selbstwirksamkeit

Für Deutschland wünscht sich Markus Ederer, dass es selbstbewusster seine Interessen verteidige und bei wichtigen Entscheidungen wie etwa zur Ukraine am Tisch sitze. Dass Deutschland bei der Wahl um einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat herausgefallen sei, empfindet er als Schlappe. Er plädiert auch dafür, dass man auch diplomatische Wege finden müsse, um mit Russland zu verhandeln. Als Diplomat müsse man mit allen reden, auch mit Verbrechern, erläutert er seine Sicht.

Auf den Einzelnen runtergebrochen sei es wichtig, dass jeder das tut, was in seiner Macht steht. Denn Handeln erzeugt das Gefühl von Selbstwirksamkeit und damit auch Zuversicht. Das gelte auch auf politischer Ebene. Letztendlich sei Zuversicht aber immer auch eine Frage der Betrachtung. Das sei wie beim Zeitunglesen, resümiert Gerhard Polt: „Natürlich kann ich zuerst die Todesanzeigen lesen, bevor ich zum Feuilleton gehe“, sagt er und sorgt für Amüsement im Publikum.

Mehr Info zum weiteren Programm unter www.kulturherbst-schliersee.de

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