Paul Warburton

Die bildnerische Kraft eines Spätberufenen

Paul Warburton vor seinen Bildern Foto: RS

Ausstellung in Schliersee

Ein Paradebeispiel dafür, dass es nie zu spät ist, liefert der Schlierseer Maler Paul Warburton. Er begann nach einem intensiven Berufsleben erst im Alter von 62 Jahren mit der Kunst, verfügt mittlerweile über ein Oeuvre von 220 Bildern und stellt derzeit in der Schlierseer Vitalwelt aus, wo er einen spannenden Einblick in sein bisheriges Schaffen gewährt.

Seit seinem ersten Bild, auf dem ein Fahrrad auf einer Brücke in Amsterdam dargestellt ist, hat sich bei Paul Warburton künstlerisch eine Menge getan. Der Engländer, der seit 15 Jahren zusammen mit seiner Frau Hannah Miska, Buchautorin und auch Autorin bei KulturVision, in Schliersee lebt, ging 2010 in Ruhestand und begann kurze Zeit später, seine kreative Seite intensiv auszuleben.

Der Beginn als reiner Autodidakt

Diese Entscheidung erwies sich als Volltreffer, ist es doch die Malerei, die sein Leben neben der Familie und dem Reisen fortan bestimmen sollte. Als Vorbild nennt er Andrew Wyeth, einen amerikanischer Maler, einem Vertreter der „dry painting technique“ in der Aquarellmalerei. Hier wird im Gegensatz zur Nass-in-Nass-Technik mit wenig Wasser gearbeitet und das Herausarbeiten von Details erleichtert und ermöglicht. Und realistische Details sind es auch, die Pauls Bilder bestimmen und kennzeichnen. „Je komplexer ein Motiv ist, desto besser“, erklärt er. Und so entspricht er nicht komplett dem Mainstream der Deutschen Aquarell Gesellschaft (DAG), der er schon länger angehört.

Porträts

Zu Beginn waren es vor allem Porträts, die in seiner Arbeit dominierten. Darüber gibt es bereits ein kleines Büchlein und hier kommt es mitunter auch zu Auftragsarbeiten. Seine Gedanken zur Porträtmalerei beschreibt er wie folgt; „Genau das ist es, was mich an ihr fasziniert: die Herausforderung, die unverwechselbare Persönlichkeit eines Menschen einzufangen. Es gibt nichts Schöneres als zu erleben, wie sich die einzelnen Gesichtszüge entwickeln, bis schließlich der ganze Mensch auf der Leinwand sichtbar wird – für mich immer wieder ein magischer und zutiefst erfüllender Moment.“

Paul Warburton
Nachmittagsschlaf / Dad, Öl auf Leinwand 40 x 60 cm Foto: RS

Arbeitet der Wahl-Schlierseer vor allem in Acryl, Aquarell, Kohle oder Pastell – die Fertigkeiten in den verschiedenen Techniken hat er sich vor allem in Fachbüchern und durch viel Ausprobieren angeeignet – , so ist das beeindruckende Bildnis seines Vaters (übrigens in Hongkong) bis jetzt das einzige in Öl gemalte.

Paul Warburton
Thomas Mann, Kohle 60 x 60 cm Foto: RS

Landschaften aus der Heimat

Bei Ausflügen und Spaziergängen kommt der 76-Jährige zu Motiven für eine weitere wichtige Werkgruppe, den Landschaften aus der unmittelbaren Umgebung. Hier nehmen Schliersee, Hausham und die umliegenden Berge – sommers wie winters – einen großen Raum ein. Die Titel lauten dementsprechend „Auf dem Jägerkamp“ (mit Ehefrau Hannah), „Einer dieser Abende in Schliersee“, „Schliersee im Herbst“ oder „Stadlberg, Agatharied“.


Kirche St. Martin im Winter, Acryl auf Leinwand 50 x 70 Foto: RS

So an die drei Stunden pro Tag beziffert Paul seine Arbeitszeit, die bestimmt ist von hoher Konzentration, Meditation und innerer Ruhe. Da seine fast fotorealistische Technik eben sehr zeitintensiv ist, kommt er im Jahr auf kaum mehr als zehn größere Arbeiten. Das sei auch der Grund, warum er an der Jahresausstellung des Haushamer Kunstkreises nur alle zwei Jahre teilnimmt.


Althausham, Acryl auf Leinwand 50 x 60 cm Foto: RS

Landschaften aus der „Fremde“

England, Schottland, Italien, Österreich, Frankreich, Spanien. Das sind die Haupt-Anlaufstationen für die Landschaftsbilder, die im Ausland verortet und etwa heißen „Weingut im Lüberon“, „Stiller Abend in Gaucin, Andalusien“, „Fiaker in Wien“ oder „English Country Garden“. Aus den Bildern sprechen Reiselust, Lebensfreude, Liebe zur Natur und – um in Kriterien der Kunst zu sprechen – ein untrüglicher Blick für das Motiv, für die Komposition und ein ausgeprägtes Farbgefühl – und eine unerschütterliche Liebe zum Detail. So scheint jeder der unzähligen Dachziegel von „Über den Dächern von Lyon“ in einer anderen, aber trotzdem harmonierenden Farbe gearbeitet zu sein. Grundlage für alle seine Bilder sind eigene Fotografien.


Über den Dächern von Lyon, Acryl auf Leinwand 60 x 80 cm Foto: RS

Stillleben

Da sich der engagierte Künstler auch auf dem Feld der Stillleben bewegt, deckt er alle klassischen Sparten der Malerei ab. Auch hier besticht er durch eine ausgefeilte Technik.


Kannen auf Regal, Acryl auf Leinwand 50 x 70 cm Foto: RS

Dazu eine kleine Begebenheit am Rande und zugleich ein Beweis für Pauls Meisterschaft in der realistischen Darstellung: Eine Besucherin der Ausstellung fragt, ob die „Schafe beim Anderlbauer in Fischhausen“ gemalt oder fotografiert seien. Ein ehrlicheres Kompliment über das handwerkliche Können eines Künstlers kann man sich kaum wünschen.

Die Ausstellung ist noch bis 23. August zu folgenden Öffnungszeiten in der Vitalwelt Schliersee zu sehen: Montag bis Freitag 9.00 – 18.00 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag 9.00 – 13.00 Uhr.

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