2. Tegernsee Art Masters 2026, Tony Cragg, Skulpturen

Fünf Mal Tony Cragg am Tegernsee

Dr. Ellen Andrea Seehusen und Tony Cragg bei der Eröffnung der 2. Tegernsee Art Masters 2026 in Rottach-Egern. Foto: CS

Eröffnungsfeier Rottach-Egern

Rings um den Tegernsee treffen Kunstfans derzeit auf fünf riesige Skulpturen des britischen Künstlers Tony Cragg. Sie stehen am Seeufer in Rottach-Egern, Bad Wiessee, Tegernsee und Gmund und wurden anlässlich der 2. Tegernsee Art Masters aufgestellt, die am 3. Juli Eröffnung feierte.

Ist es ein Baum, ein Fels oder ein riesiger Pilz, der da in die Höhe ragt? Diese Frage stellen sich Besucher des Tegernsees, wenn sie auf einer Bootsfahrt oder bei einem Spaziergang aus der Ferne die organisch wirkenden Skulpturen von Tony Cragg erspähen. Seit vergangener Woche stehen fünf riesige Werke des britischen Künstlers im Rahmen der 2. Tegernsee Art Masters an den Uferpromenaden von Gmund, Tegernsee, Rottach-Egern und Bad Wiessee. Unter dem Titel „Seemeile Nr. 1 Elemente“ lädt die Schau Besucher auf Kunstspaziergänge am See ein, um Kunst im öffentlichen Raum zu erleben.

2. Tegernsee Art Masters 2026, Tony Cragg, Skulpturen
Die Skulptur „Ourea“ (2020) von Tony Cragg an der Uferpromenade in Bad Wiessee. Foto: Courtesy of Tony Cragg/Buchmann Galerie

„Ich mache mehrere Zeichnungen und kleinere Skulpturen und wenn es interessant ist, entwickle ich es weiter und mache es ein bisschen größer“, sagt Tony Cragg über seine Arbeitsweise im Gespräch mit KulturVision. Der in Wuppertal lebende und aus Liverpool stammende Künstler gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer unserer Zeit, dessen Werke in Sammlungen und in Ausstellungen auf der ganzen Welt präsent sind. Als Kunstprofessor lehrte der heute 77-Jährige viele Jahre an der Kunstakademie Berlin und an der Kunstakademie in Düsseldorf, der er sogar einige Jahre als Rektor vorstand.

„Seine Werke sind keine Abbildung der Natur, sondern Teil der Natur“

Über zwei Jahre ziehe sich der künstlerische Schaffensprozess von der Entwicklung bis zur Fertigstellung solcher großformatigen Arbeiten hin, erzählt Tony Cragg weiter. Mindestens fünf Personen braucht es, um die über sechs Meter hohen und teilweise über drei Meter breiten Skulpturen aus Glasfaser und Carbon in seinem Atelier zu fertigen. Arbeiten, die nicht einfach zu transportieren sind und dennoch an Ausstellungsorten auf der ganzen Welt gezeigt werden. Wie etwa die 35 Tonnen schwere Edelstahl-Skulptur „It is, it isn‘t“, die 2024 im Rahmen der Bangkok Biennale im neuen Stadtteil „One Bangkok“ in der thailändischen Hauptstadt aufgestellt wurde.

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„Seine Werke sind keine Abbildung der Natur, sondern Teil der Natur“, erklärt Dr. Ellen Andrea Seehusen, Kuratorin der Tegernseer Art Masters, Tony Craggs Arbeit. Ihn interessiere als Bildhauer jede Art von geometrischer und menschlicher Form: „Er experimentiert so lange mit unterschiedlichen Materialien wie Bronze, Holz und Stahl, dass andersartige Figuren herauskommen, die neue Perspektiven eröffnen.“

Abstrakte und vielschichtige Skulpturen

Genau das macht seine Arbeiten für den Betrachter so interessant: Denn sie sind abstrakt, aber vielschichtig und aus jedem Blickwinkel andersartig. Sie wirken organisch, aber durchaus mit menschlichen Reminiszenzen. Wie etwa die aus dem Jahr 2013 stammende Arbeit „Tommy“, die in Kaltenbrunn steht. Vom See aus sieht die grün patinierte Bronze wie ein Gewächs aus. Oder mit etwas Phantasie wie der Marvel-Comic-Held Bruce Banner, der sich gerade in „Hulk“ verwandelt.

2. Tegernsee Art Masters 2026, Tony Cragg, Skulptur "Tommy"
„Tommy“ (2013) von Tony Cragg auf Gut Kaltenbrunn. Foto: Courtesy of Tony Cragg/Buchmann Galerie

„Es ist uns eine große Ehre, dass wir diese Skulpturen zeigen dürfen“, freut sich Thomas Tomaschek, Vorsitzender des Vereins Tegernsee Art Masters, bei seiner Ansprache anlässlich der Eröffnungsfeier, die rund um die Skulptur „Senders“ in der Ganghofer Straße in Rottach-Egern stattfand. Er bedankte sich nicht nur bei Heino Stamm, dem Initiator der Art Masters, sondern auch bei den zahlreichen Sponsoren und Unterstützern, die diese kostspielige Schau möglich machten. Auch bei Schirmherrin Herzogin Anna in Bayern, die einen Platz vor dem Schloss Tegernsee für die zweiteilige und hochglänzende Edelstahl-Skulptur „Points of View“ aus 2018 zur Verfügung stellte.

2. Tegernsee Art Masters 2026, Tony Cragg, Skulpturen
Art-Masters-Initiator Heino Stamm (links) mit Ellen Andrea Seehusen,Tony Cragg und Thomas Tomascheck (rechts). Foto: Hannes Magerstädt

Wichtig war es Thomas Tomascheck auch bei seiner Ansprache, auf den großen Aufwand hinzuweisen, der hinter den Artmasters steckt: „Diese Figuren sind nicht mal so mit einem Fingerschnipp aufgestellt – es steckt harte Arbeit dahinter“, erzählt er und bedankt sich bei den Teams, die die Skulpturen mit Lastwägen hergebracht und mit Kränen bei teilweise strömendem Regen aufgestellt haben. Das Gmunder Baugeschäft Probst sorgte dafür, dass die Skulpturen an Ort und Stelle noch solide Fundamente erhielten.

Tony Cragg: Kunst ist nutzlos

„Mein Vater war sauer, als ich entschied, Bildhauer zu werden“, erzählt Tony Cragg bei seiner launigen Ansprache. Er hielt Kunst für zwecklos. In diesem Punkt gibt der Bildhauer dem Vater sogar recht: „Die einzige Funktion, die Kunst hat, ist die Verwirklichung neuer Formen, Ideen und Emotionen“, sagt er. Genau diese können Besucher nun anhand der fünf Skulpturen bis Anfang Oktober am Tegernsee erkunden. Auch wenn die landschaftliche Schönheit dieser Region laut Tony Cragg gar keine Kunst nötig hätte.

Die Skulpturen sind noch bis zum 5. Oktober 2026 am See zu sehen. Mehr Informationen unter tegernsee-art-masters.com. Zum Abschluss der Tegernsee Art Masters zeigt das Gulbransson Museum ab dem 18. September Zeichnungen auf Papier und weitere Skulpturen des Künstlers. Außerdem finden im Rahmen der 2. Tegernsee Art Masters Events, Talks und Kunstaktionen statt.

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