
Mohn, Nachtkerze und mehr
Hans Schneider vor „Echinacea, Rittersporn“. Foto: MZ
Ausstellung in Gmund
So nennt der Gmunder Künstler Hans Schneider seine aktuelle Ausstellung in der Raiffeisenbank Gmund in Zusammenarbeit mit der gmundart. Er zeigt eine Reise durch seinen Garten, in der er seine Eindrücke der vielfältigen Blumen künstlerisch umsetzt.
Der Grafiker, Typograf und Kalligraf ist schon seit fünfzig Jahren auch malerisch unterwegs. In den siebziger Jahren, so erzählt er, zeigte er erstmalig bei der Landkreisausstellung in der Miesbacher Pikkola-Schule seine Arbeiten. Sein Mentor sei der Miesbacher Maler Werner Gürtler gewesen, der ihn ermunterte, den Weg zur Farbigkeit zu gehen.
Die Bilder in Gmund zeigen eindrücklich, dass Hans Schneider diesen Rat befolgte. Schon im Eingang fällt das Mohn-Diptychon mit seiner intensiven Farbigkeit auf. Aber Hans Schneider malt nicht die Natur ab, er übersetzt das, was er sieht, in Kompositionen und nutzt dazu verschiedene Techniken.

Mohn Diptychon. Foto: MZ
Ist ein zweites Bild im Eingangsbereich der Bank mit Echinacea und Rittersporn noch sehr realistisch dargestellt, finden sich im Obergeschoss aufgelöste Formen und Flächenkompositionen, immer inspiriert durch die Begegnung mit den Blumen im Garten.
Da findet sich beispielsweise in dem Bild „Amsterdam“ eine blaue strukturierte Fläche, in der Tulpen kaum noch erkennbar sind, davor aber recken sich sehr schmale rote Blüten, wovon eine sehr deutliche Tulpenumrisse hat.

Rotgrün, Amsterdam, Mohn 5. Foto: MZ
Dieses Bild wird eingerahmt von zwei Bildern, vornehmlich in Rottönen. Hier setzt Hans Schneider eins seiner Markenzeichen ein, die Schrift. „Rot im Garten“ ist zu lesen, die Formen sind stark abstrahiert. Im rechten Bild nutzt der Künstler ein anderes grafisches Mittel, um die Farbigkeit des Bildes noch einmal zu betonen. Er setzt ein schwarzes Kreuz vor den abstrahierten Mohn, das kann ein Fensterkreuz sein oder ist einfach nur ein gestalterisches Detail.

Tulpen, Stockrosen, Echinacea 2. Foto: MZ
Die Vergänglichkeit will Hans Schneider in dem Bild mit den welkenden, kalligrafisch anmutenden Tulpen zeigen, hier verwendet er, wie in mehreren anderen Bildern auch, hineinlaufende Farben.
Als Strukturelement hat er in dem Bild der Stockrose zerknülltes Japanpapier eingearbeitet, im Hintergrund erscheint als grafisches Element eine Gitterstruktur. Dieses Bild, so erinnert sich der Künstler, habe vor vielen Jahren der prominente Tegernseer Künstler Herbert Beck einmal in der Tegernseer Kunstausstellung hervorgehoben.
Daneben hängt ein Bild, das er, inspiriert von einer Echinacea, gemalt hat. „In einem Sitz“, wie er sagt, es ist ein gestisches Bild, stark abstrahiert und wirkungsvoll.

Hortensie, Blau im Garten, Goldrute, Lavendel. Foto: MZ
Er benutzt auch Strukturmasse als gestalterisches Element. „Da bleibt die Farbe auf den Erhebungen hängen“, erklärt er die Wirkung bei dem Bild „Hortensie“, das eine impressionistische Anmutung besitzt.
Zumeist, so verrät der Künstler seine Arbeitsweise, beginne er ganz anders als letztlich das Bild erscheint. Viele Zufälligkeiten würden den Entstehungsprozess beeinflussen, „und es ist schwer an der richtigen Stelle aufzuhören“, sagt er.

Rot im Garten 1, Farbiger Garten, Love. Foto: MZ
Hans Schneider hat die meisten Bilder als Dreierkombination gehängt. Meist schließen zwei Bilder in starkem Rot ein drittes kleineres in anderer Farbigkeit ein. So auch „Rot im Garten“ und „Love“. Während das linke Bild eine strukturierte Farbigkeit mit ein paar vereinzelten Blütenstängeln zeigt, hat er rechts Linien als grafische lichte Elemente eingesetzt.
Das mittlere Bild indes wirkt wie eine Hinterglasmalerei und offenbart die gesamte Farbigkeit des Gartens in Rot-Blau-Grün-Gelb-Abstufungen.

Nachtkerze, Rot im Garten 3, Felberich. Foto: MZ
Eine Blume hat es dem Künstler besonders angetan, die Nachtkerze. “Sie blüht gegen 18 Uhr auf und verblüht am nächsten Morgen“, erklärt er. In seinem Garten tauche sie immer wieder an verschiedenen Plätzen auf.
In der Dreierkombination hat er der Nachtkerze den leuchtend gelben Felberich mit den seitlichen Grüntönen hinzugesellt und in der Mitte wiederum ein rotes Gartenbild platziert.
„Ich male nur naturnahe Blumen“, betont Hans Schneider, „keine Rosen“.

Blaugelb. Foto: MZ
Die Ausstellung zeigt ein spannendes Wechselspiel von Gegenständlichkeit und Abstraktion, mit dem Einsatz unterschiedlicher gestalterischer Mittel für die Kompositionen, sowie einen gekonnten Einsatz und Dialog der Farben in den Bildern, eine sommerliche Oase, wie der Künstler sagt, im regnerischen Juni.
Zum Weiterlesen: Eigenständiges Werk in kleiner Retrospektive