Haus Waldherr

Kunst als Selbstfindung

Blick von außen in die Ausstellung. Foto:RS

Ausstellung in Hausham

Bekanntlich ist künstlerische Betätigung nicht nur Selbstzweck, sie hat auch therapeutische Wirkung und dient der Selbstreflexion, der Selbstfindung und Selbstverwirklichung. Im Haushamer Kunst- und Kulturhaus ist nun eine Ausstellung zu sehen, bei der Bewohner und Künstler vom Haus Waldherr, einer soziotherapeutischen Einrichtung in Bad Tölz, ihre spannenden Werke von teils hoher Qualität zeigen.

Das Haus befand sich früher in Schliersee, musste seine Heimat aber aus Brandschutzgründen aufgeben und befindet sich seit 15 Jahren in Bad Tölz. Die Einrichtungsleitung liegt in Händen von Tina Kappus, ausgebildete Kunst- und Ergotherapeutin und selbst bildende Künstlerin. Ihrer Verbindung zum Kunstkreis Hausham und ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass die wertvolle Ausstellung zustande kam.

Vernissage mit schöner Stimmung und Musik

Die Eröffnung am Freitagabend war gut besucht und mit dem Gesang von Iris Stefanidis auch musikalisch verziert. Kulturreferentin Lisbeth Leidgschwendner begrüßte zahlreiche Interessierte und dem Haus Waldherr Verbundene. Haushams 3. Bürgermeisterin Ria Röpfl freute sich über die „vielseitige, spannende und interessante“ Ausstellung, versäumte es nebenbei nicht, im Sinne der Demokratie einen eindringlichen Wahlaufruf zu starten.

Haus Waldherr
V.l.: Tina Kappus, Lisbeth Leidgschwendner, Ria Röpfl, Sängerin Iris Stefanidis. Fotoa: RS

Tina Kappus betonte, dass es in der Tölzer Einrichtung für Menschen mit chronischen Abhängigkeitserkrankungen Bewohner mit zahlreichen verschiedenen Fähigkeiten, eben auch bildnerischen gebe. So zeigen drei von ihnen und die „Chefin“ selbst erstaunliche Kunstwerke verschiedener Stilrichtungen und Arbeitsweisen.

Die Protagonisten vom Haus Waldherr: Hein König, Ellen Strobel, Hans Radig und Tina Kappus

„Seine Arbeiten gehen ins Herz und ins Auge“ und es sei schön, „dass er als ausgebildeter Künstler seine Talente nicht verkümmern lässt“, erklärt die engagierte Leiterin zu Hein König.

Haus Waldherr
Bilder von Hein König, links zwei Kompositionen, rechts zwei Landschaften. Fotos: RS

Der erfahrene und in vielen Genres der bildenden Kunst versierte Maler besticht mit einer großen Bandbreite und hohen Kunstfertigkeit sowie – außer den oben abgebildeten – mit einigen großformatigen Arbeiten.


Bilder von Hans Radig, links zwei humorvolle, rechts zwei eher düstere. Fotos: RS

Hans Radig ist für Tina Kappus ein „bayerisches Unikat, das noch nie gemalt hat, bevor er zu uns gekommen ist.“ Seine zu kolorierten Zeichnungen gestalteten „bayerischen Schmankerl“ vermitteln augenzwinkernd einen Eindruck von Lebensgefühl und heimatlichen Typen und Befindlichkeiten, teilweise bitter und schwarzhumorig, wie oben die beiden rechten, „Delirium“ und „Letzte Zigarre“.

Ellen Strobel lebte lang in Hamburg, wo sie an der Kunsthochschule studierte. Auch als Kabarettistin war sie erfolgreich.


Bilder von Ellen Strobel, links „Land unter“ (110 x 150 cm) und zwei Holzarbeiten. Fotos: RS

Die Künstlerin arbeitet im Haus Waldherr seit einigen Jahren an einer eigenen Technik, der Brennpeter-Frästechnik. Außerdem fertigt sie großformatige Arbeiten wie die abgebildete links oben in Eitempera auf Nessel.

Und schließlich Tina Kappus: Sie übt nicht nur einen sozial immens wichtigen Beruf aus, sondern ist auch als Malerin im Landkreis inzwischen sehr präsent mit einer regen Ausstellungstätigeit, etwa mit der Künstlerinnengruppe „Frauenzimmer“.


Bilder von Tina Kappus, links „Frühling im Land“, rechts „Ferne Welten“. Foto: RS

Sie komplettiert die vielschichtige Ausstellung mit einigen Bildern und kleinen plastischen Arbeiten.

Gerhard Büttner, Marco Kahl und Helmut Detert sind mit je einem Werk vertreten.

Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt geöffnet Samstag, 21.2. bis Sonntag, 1.3. von 14 – 17 Uhr, zusätzlich am Sonntag, 8.3., 15.3. und 22.3. von 14 – 17 Uhr.

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