100 Jahre Miesbach: Wandlung und Kontinuität

100 Jahre Miesbach

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz und ihr Mann Dr. Wolf Grill in der Ausstellung im Rathaus. Foto: Isabella Krobisch

Festjahr zur Stadterhebung Miesbach

Es war eine lapidare Meldung in der Depesche, die in Miesbach einging. Seine Majestät, der König hatten am 6. Mai 1918 allergnädigst geruht, den Markt zur Stadt zu erheben. Was damals nur klein gefeiert wurde, nahm die Stadt jetzt zum Anlass, ein Festjahr zu gestalten. Am Sonntag wurde eine Ausstellung im Rathaus eröffnet und eine Festschrift vorgestellt.

Der Zähigkeit zweier Bürger sei es zu verdanken, sagte Bürgermeisterin Ingrid Pongratz in ihrer Festrede, dass dem Antrag auf Stadterhebung letztlich von oberster Stelle zugestimmt wurde. Bader Franz Doll und Brauer Josef Fertl ließen nicht locker und so kam es zu dieser seltenen Auszeichnung. Es war die letzte Stadterhebung im Königreich Bayern. Ingrid Pongratz konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen, dass der Nachfahre Paul Fertl, 2. Bürgermeister, auch heute im Stadtrat diese Zähigkeit zeige.

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2. Bürgermeister Paul Fertl (r.) in der Ausstellung. Foto: Isabella Krobisch

Der damalige Bürgermeister Hermann Schröck hatte eine ausführliche Begründung zu liefern, warum Miesbach dieser Aufwertung würdig ist. Im Jubiläumsjahr zeigt die Kreisstadt, was sie heute zu bieten hat, und das ist nicht wenig. In kurzen Abständen erschien der Reiseführer Miesbach von Sonja Still, das Trachtenbuch von Verena Zemme und Mathias Leidgschwendtner. Eine außergewöhnliche Ausstellung zur Tracht und ein Trachtenmarkt fanden statt.

Ausstellung und Festschrift dokumentieren 100 Jahre Miesbach

Und jetzt also die von Stadtarchivarin Barbara Wank konzipierte Ausstellung im Rathaus, sowie das von ihr und Historiker Alexander Langheiter verfasste Festschrift. Hinter beiden Aktivitäten steht wiederum als Koordinatorin Isabella Krobisch, Leiterin des Kulturamtes Miesbach.

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Stadtarchivarin Barbara Wank. Foto: Isabella Krobisch

Die Ausstellung zeigt eindrücklich was Miesbach ausmacht: Wandlung und Kontinuität gleichermaßen. „Sie soll eine Brücke sein“, erklärt Barbara Wank, bei der historische und zeitgenössische Aufnahmen gegenübergestellt werden. Die Archivarin bedankte sich bei den Bürgern, die alte Fotos zur Verfügung gestellt haben und bei den Fotografen, die entsprechend der Motive die modernen Gegenstücke lieferten und hob insbesondere Hans Löw hervor.

Motive gegenübergestellt

Die Gestaltung der Ausstellung im Treppenhaus des Rathauses beeindruckte die zahlreichen Gäste des Festaktes. Auf Bannern und ohne Verglasung sind die jeweiligen Motive untereinandergestellt und laden dazu ein, einen Blick in die Geschichte zu werfen. Da sie eine Fülle von Materialien zur Verfügung habe, würden die Banner ausgewechselt, so dass sich ein wiederholter Besuch im Rathaus lohne.

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Historiker Alexander Langheiter, Stadtarchivarin Barbara Wank, Bürgermeisterin Ingrid Pongratz, Nadine Kirschenlohr von Telair. Foto: Isabella Krobisch

Die schön gestaltete und reich bebilderte Festschrift ist der akribischen Recherche von Barbara Wank und Alexander Langheiter zu verdanken. Der Historiker, Autor und Verleger stellte in seinem Beitrag die einzelnen Kapitel vor, die durch eine digitale Fotoshow illustriert wurden.

Christian Schad – berühmtester Sohn der Stadt

Zum Thema Politik und Verwaltung betonte Langheiter, dass auch das Thema Nationalsozialismus im Buch beleuchtet werde. Lustig indes ging es bei der Eingemeindung von Wies und Parsberg her, als Hochzeit der Amtsträger. Die Themen Wirtschaft, Religion, Sport sind ebenso behandelt wie die Kultur. Hier wird des berühmtesten Sohnes der Stadt, Christian Schad, gedacht und auf bekannte und unbekannte Künstler aufmerksam gemacht. Am Sonntag konnten die Gäste auch das Schadarchiv besichtigen.

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Marieluise Richter erläutert den Gästen die Exponate im Schadarchiv. Foto: Isabella Krobisch

Die Schulstadt Miesbach wird dargestellt und die Filmstadt, denn eine Reihe bekannter Filme wurden und werden in der Kreisstadt gedreht. War es früher „Spannagel und Sohn“ mit Gustl Bayrhammer ist es heute die Serie „Frühling“. Das Buch schließt mit den Themen Soziales, Wasser und Energie, schließlich fand 1882 die weltweit erste Stromübertragung von Miesbach nach München statt, initiiert von Oscar von Miller. Das Buch schließt mit einem Dank an Privatpersonen, sowie die Firma Telair, die das Projekt maßgeblich unterstützte.

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Die Lehrer der Musikschule Schlierach-Leitzachtal: Andreas Kirchberger, Sophia Pfisterer, Josef und Florian Denk. Foto: Isabella Krobisch

Der Festakt im Rathaus wurde stimmig von den Lehrern der Musikschule Schlierach- Leitzachtal Andreas Kirchberger, Sophia Pfisterer, Josef und Florian Denk begleitet.

Der Reiseführer Miesbach, das Trachten-Magazin und die Festschrift sind im Kulturamt der Stadt Miesbach zu erwerben. Die Ausstellung im Rathaus ist zu den Öffnungszeiten bis zum 28. Dezember 2018 zu sehen.

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