Zu viel Welt!

Zu viel Welt!

Andrada Ababei bei ihrer Einführung zu Zu viel welt!. Foto: MZ

Ausstellung in Bad Wiessee

Unter diesem Titel stellt die Künstlerin Andrada Ababei im Grünen Raum in Bad Wiessee aus. Es sind zumeist Frauenporträts, die Stille und innere Verbindung zeigen und zu innerer Einkehr einladen.

Kunst – mein Ort der Sehnsucht, sagt die aus Rumänien stammende Künstlerin, die in Hermannstadt Polychrome Holzrestaurierung mit Masterabschluss studierte. Damit knüpft sie an das von KulturVision vorgeschlagene Rahmenthema der Ausstellungsreihe „Sehnsucht“ an, das seit nunmehr zweieinhalb Jahren von allen ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern wahrgenommen wurde.

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Bei der sehr gut besuchten Vernissage erklärte die Künstlerin ihr Anliegen. In der lauten, schnellen Welt mit einer Fülle an Überreizungen wolle sie zur Einfachheit und Ruhe einladen. Ihre Bilder sollen einen Gegenpol zur Reizüberflutung darstellen und die tiefgehende Sehnsucht nach Stille und innerer Verbindung zeigen.

Zu viel Welt!
In dunkler farbgebung: Umarmung II und I. Foto: MZ

Sie male aus ihren Gefühlen heraus und so seien die Bilder auf der rechten Seite noch von dunklen Farben geprägt, denn sie seien in einer schwierigen Lebensphase nach einem Unfall ihres Mannes entstanden. Die jüngsten Bilder aber auf der rechten Seite seien wieder farbiger und heiter.


Die Maskenbilder sind farbenfroh. Foto: MZ

Die meisten Bilder sind gegenständliche Frauenporträts in schlichter Schönheit. Sie habe sich ihre Oma als Vorbild dafür genommen, erklärt Andrada Ababei, sie sei für sie die hübscheste Frau gewesen. Diese Porträts in ihrer Zugewandtheit, Versenkung und großer Ausstrahlung zeigen das malerische Können der Künstlerin.

Sie zeigen aber auch, wie sie zu ihren rumänischen Wurzeln zurückkehrt, denn sowohl Kleider als auch Kopfbedeckungen sind in rumänischer Tradition gemalt. Ihre Malerei hat sie mit erhabenen Strukturen ergänzt, gespritzt oder in Linien aufgetragen. Dabei entsteht ein spannender Kontrast zwischen den in altmeisterlich gemalten Porträts mit moderner Malweise.

Zu viel Welt!
Gebet und Die Sinnende. Foto: MZ

Bisher zeigte Andrada Ababei in der Region, aber auch weit darüber hinaus bis hin nach Lille in Frankreich,

ihre Serie, die sie zunächst „Fusion“ und später „Hybride“ nannte. Diese Bilder sind Verbindungen von Mensch, Tradition und Natur. Die Künstlerin setzte menschlichen Körpern in bayerischer Tracht Tierköpfe der Region auf.


Serie Hybride. Foto: Reinhold Schmid

Sie sei so stolz gewesen, dass sie nach zehn Jahren in Bayern die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen habe, dass sie ihre Verbundenheit mit der Region beweisen wollte, erzählt sie. Die Bilder, jüngst in der Tegernseer Volkshochschule gezeigt, habe sie aus Faszination für die bayerische Tradition gemalt.

Zu viel Welt!
Opa und Oma. Foto: MZ

Jetzt aber kehrte sie mit ihrer Kunst zu ihrer rumänischen Heimat zurück. Neben den Frauenporträts hat sie auch zwei Bilder ausgestellt, die ihren Großeltern gewidmet sind. Es sind symbolisch verschlungene Hände, die eine tiefe Verbundenheit ausstrahlen. „Meine Großeltern haben mich großgezogen“, erklärt die Künstlerin.


Farben statt Nahrung. Foto: MZ

In zwei Bildern hat sie unter dem Titel „Farben statt Nahrung“ ihre siebenjährige Tochter mit Farbpalette gemalt und auch zwei Bilder ausgestellt, auf denen deren Malversuche mit ihren eigenen kombiniert sind. „Ich wollte die Leinwand benutzen und habe darauf gemalt anstatt ihr Werk so zu lassen, wie es ist“, sagt sie bedauernd. Deshalb habe sie letztlich die schützenden Hände dazu gesellt.


Schützende Hände. Foto: MZ

Andrada Ababei absolvierte an der Fachakademie für Sozialpflege in München eine Ausbildung zur Kinderpflegerin und arbeitet als Pädagogische Ergänzungskraft im Kindergarten St. Josef in Rottach-Egern. Ihre Erfahrung drückt sie so aus: „Besonders Kinder von heute, gefangen zwischen Bildschirmen, Aktivitäten und ständigen Erwartungen, tragen diese Spannung in sich. Sie wollen dazugehören, funktionieren, erleben – und sehnen sich gleichzeitig nach einem geschützten Raum, in dem sie spüren dürfen, wer sie sind.“

Diesen Raum wolle sie mit ihren Bildern schaffen. „Zu viel Welt!“ sei damit nicht nur ein Ausdruck der Überforderung, sondern auch eine leise Einladung zur Balance. Eine Erinnerung daran, dass Schönheit, Klarheit und Verbundenheit oft dort entstehen, wo wir weniger tun, langsamer werden und wieder Platz schaffen – für uns selbst, für unsere Kinder, für das Wesentliche.


Seppi und Magdalena Berghammer. Foto: MZ

Zur Vernissage hatte sie sich aus der Musikschule Tegernseer Tal Verstärkung geholt. Magdalena (14 Jahre) und ihr Bruder Seppi (18 Jahre) Berghammer umrahmten die Ausstellungseröffnung musikalisch. Sie spielt Harfe und er steirische Harmonika. Es erklangen alpenländische Volksmusik mit beiden Instrumenten ebenso wie Harfen-Solostücke.

Ein Märzchen gestalten

Zur Finissage am 1. März von 12 bis 15 Uhr lud Andrada Ababei zu einer besonderen Aktion ein: Gestalte selbst dein Märzchen! –  eine Geste des Neubeginns und der Hoffnung. Das Märzchen ist ein rumänisches Symbol, das wunderbar zur Sehnsucht nach Einfachheit und Neubeginn passt. „Jedes Jahr habe ich ein Märzchen gemalt, gebastelt oder eine kleine Blume verschenkt. Auch wenn diese Tradition hier kaum bekannt ist, haben sich die Menschen immer gefreut und diese kleine Geste gerne angenommen.“

Sie sagt: „Deshalb möchte ich euch herzlich einladen, am Sonntag, den 1. März, zwischen 11 und 15 Uhr vorbeizukommen und ein eigenes Märzchen zu gestalten – oder gemeinsam mit mir eines zu kreieren. Währenddessen erzähle ich euch die Geschichte dieser schönen Tradition: ein Symbol für den nahenden Frühling, für Freundschaft und für das Erwachen nach einem langen Winter.“

Zu viel Welt!, Ausstellung von Andrada Ababei im Grünen Raum in Bad Wiessee, Sanktjohannser Straße 2 bis zum 1. März 2026. Öffnungszeiten: Freitag 15 bis 17 Uhr und Samstag und Sonntag 14 bis 16 Uhr.

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