Das Gespenst von Canterville in Wall bei den Brettlhupfern

Waller Brettlhupfer-Ensemble

Das Ensemble der Waller Brettlhupfer. Foto: Petra Kurbjuhn

Theater in Wall

Mit neuer Regie und gewohnter Spielfreude begeisterten die Waller Brettlhupfer das Publikum bei ihrer diesjährigen Inszenierung, die auf ein Schloss nach England führt. Dort geistert Sir Simon. Wird es ausgerechnet einer jungen Amerikanerin gelingen, ihn zu befreien?

Da gibt es eine Prophezeiung, die die in Wall beheimatete Schauspielerin Claudia Brodzinska-Behrend bedeutungsschwanger aus dem Off zu erzählen weiß. Ein junges Mädchen muss den geisternden Schlossherrn, der einst vor 400 Jahren seine Frau im Eifersuchtsrausch ermordete, zur Umkehr bewegen.

Das scheint schwierig, denn Sir Simon, professionell, kraftvoll und bühnenwirksam gespielt von Christian Selbherr, war schon zu Lebzeiten kein Guter. Er rief zum Fressen und Saufen auf und feierte wilde Orgien mit allerhand Volk. Nichts außer seiner schwangeren Gemahlin Eleonore (Steffi Stocker) ist ihm heilig und da wird ihm von dem neidischen Nebenbuhler Sir Geoffrey (Markus Dorn) gesteckt, dass das zu erwartende Kind nicht von ihm sei.

Waller Brettlhupfer Christian Selbherr

Sir Simon (Christian Selbherr) nach dem Mord an seiner Frau. Foto: Petra Kurbjuhn

Das ist der Ausgangspunkt der Geschichte, die einst Oscar Wilde schrieb und von Markus Wiegand zu einem Theaterstück verarbeitet wurde. Regisseurin Rosi Staber von den Brettlhupfern machte aus der Vorlage eine Aufführung, die temporeich und spannungsgeladen bis zum Schluss bleibt. Das Besondere daran ist, dass durch gekonnte Musik- und Tanzeinlagen die Szenerie nicht ins Sentimentale kippt, sondern humorvoll, spritzig und geistreich über die Bühne geht.

Waller Brettlhupfer mit amerikanischem Slang

Von den Schauspielern wird einiges abverlangt. Zum einen müssen einige amerikanischen Slang sprechen, denn Schloss Canterville wird von einer typischen amerikanischen Familie gemietet. Mrs. Otis wird von Anette Höller als permanent in den Spiegel schauende, sehr auf ihre Schönheit bedachte Blondine gespielt. Ihren Mann gibt Ludwig Stürzer als J.R. Ewing Verschnitt mit texanischem Hut, der wahnsinnig eifersüchtig auf Töchterchen Virginia ist. Sylvia Berghammer spielt diese sehr sympathisch, insbesondere als sie sich in George (Albert Ambacher) verliebt und das Gespenst erretten will.

John (Korbinian Kloiber) und William (Peter Poensgen) rocken. Foto: Petra Kurbjuhn

Ein gelungener Regieeinfall ist es, das junge Paar in seiner Zweisamkeit bairisch reden zu lassen, um ihre Verbundenheit zu demonstrieren. Die beiden Brüder von Virginia, John und William werden von Korbinian Kloiber und Peter Poensgen in Hawaihemden lärmend und mit wenig guten Manieren gespielt. Ihre beste Szene haben sie, als sie zur Beseitigung des Gespenstes Pfähle anspitzen und zu AC/DC’s „Highway to hell“ abrocken.

Waller Brettlhupfer mit feiner britischer Art

Dem schlechten Benehmen der Amerikaner setzen Butler Benson (Michael Zehrer) und Ellie (Ursula Lippkau) ihr britisches Understatement entgegen und servieren mit Grandezza, während die beiden Burschen schlürfen und die Beine auf den Tisch legen. Auch Lady Canterville (Maria Obendorf) ist von feiner englischer Art und recht froh, den alten Kasten mitsamt Gespenst vermietet zu haben.

Waller Brettlhupfer Christian Selbherr und Albert Ambacher

Sir Simon (Christian Selbherr) und George (Albert Ambacher) stärken sich vor ihrem Tanz. Foto: Petra Kurbjuhn

Ja, und dieses taucht nun ständig auf. Christian Selbherr mit schwarz umränderten Augen schaut gar fürchterlich aus und tobt gehörig durch die Gegend. Bewunderungswürdig ist, mit welcher Perfektion er die große Textmenge bewältigt und seinen Sir Simon vom Rachesuchenden hin zum Liebesuchenden entwickelt. Mit Albert Ambacher hat er eine köstliche Szene, als die beiden mit ihren Schwertern plötzlich nicht mehr kämpfen sondern zum Jailhouse Rock einen furiosen Tanz abziehen.

Fazit: Großes Kompliment für eine energiegeladene und ideenreiche Inszenierung und die differenzierte schauspielerische Leistung aller Mitwirkenden.

Brettlupfer-Vorstand Leonhard Obermüller informierte, dass zu einigen Vorstellungen im Waller Trachtenheim noch Karten verfügbar sind. Informationen unter www.waller-brettlhupfer.de

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