Vom Wissen zum Handeln

Vom Wissen zum Handeln Sachs

Risikoforscher und Teammitglied des Zukunftsforums Dr. Rainer Sachs. Foto: Screenshot

Online-Podiumsdiskussion von „anders wachsen“

Mit hochkarätigem Podium, kompetenter Moderation und einem hochbrisanten Thema wartete die Diskussion „Vom Wissen zum Handeln“ in der Reihe des Zukunftsforums von „anders wachsen“ auf. Das Ergebnis? Handabdruck vergrößern!

„Klasse Moderation und danke für die wunderbaren Teilnehmer“ schrieb eine Zuhörerin am Ende in den Chat und drückte damit die allgemeine Stimmung der über 40 Teilnehmenden nach der dichten Podiumsdiskussion aus. Risikoforscher Rainer Sachs hatte dazu eingeladen, darüber zu reflektieren, warum es so schwer sei, das zu tun, was wir wollen.

Nachhaltige Entscheidungen versus Zeitgeist

Dies, so entgegnete Rosi Konirsch, Trainerin für erfüllende Zusammenarbeit aus Holzkirchen, liege an der Vielzahl der konkurrierenden Wünsche in uns, die unter einen Hut zu bringen sind. In der Politik müsse man heute Entscheidungen für die Zukunft treffen, sagte Landrat Olaf von Löwis of Menar. Für ihn als studierter Förster sei das Prinzip der Nachhaltigkeit maßgebend und dafür müsse man immer wieder Entscheidungen überdenken und nachjustieren. Das Dilemma sei dabei der Zeitgeist, sprich, was gerade gut bei den Wählern ankomme.

Vom Wissen zum Handeln
Landrat Olaf von Löwis of Menar. Foto: Screenshot

Bei allen Veränderungen, so Rosi Konirsch, sei Kommunikation wichtig, Menschen an den Prozessen zu beteiligen und selber gestalten zu lassen. „Wenn die Ziele klar und emotional formuliert sind, dann habe ich Lust, den Inneren Schweinehund im Hier und Jetzt zu überwinden und mich für die Zukunft zu engagieren.“ Ob Wissen denn generell zum Handeln helfe, fragte Rainer Sachs Laura Quaderer. Die Abiturientin meinte, dass Wissen zu Selbstvertrauen führe und damit hilfreich sei, andererseits wisse man aber auch, dass es schiefgehen könne und das sei hinderlich.

Wissen ist nur Ausschnitt

Religionswissenschaftler Michael von Brück zeigte den Weg vom Wissen über das Wollen zum Handeln auf und wies darauf hin, dass unser Wissen nur ein Ausschnitt der Realität sei und deshalb durch Vertrauen ergänzt werde. Letztlich resultiere das Handeln aus der Rationalität und dem Wollen und dieses Handeln sei dringend erforderlich, „sonst zerstören wir die Grundlagen unseres Lebens“.

Diesen Gedanken führte Cecilia Scorza weiter: „Wir müssen verstehen und handeln.“ Die Astrophysikerin der LMU betreut Nachhaltigkeitsprojekte an Schulen und betonte, dass worst case-Szenarien junge Menschen zum Handeln anregen, wobei wichtig sei, dass sie ihre Selbstwirksamkeit erkennen.

Vom Wissen zum Handeln von Brück
Religionswissenschaftler, ZEN- und Yogalehrer Professor Michael von Brück. Foto: Screenshot

Ob nicht positive Zukunftsbilder hilfreich seien, fragte Rainer Sachs, so wie sie beim Zukunftsforum erwünscht sind. Sei es nicht besser, statt der Angst damit Menschen zu begeistern und zum Engagement anzuregen? Michael von Brück stimmte zu und betonte, dass Angst, Panik, Apokalypse nur kurzfristig die Menschen bewege, aber Freude und Kreativität zu Begeisterung führe. „Und dass man über Kunst und Gemeinschaft lernen kann.“ Ein Projekt der Hofer Sinfoniker mit Schülern habe sensationelle Ergebnisse gezeitigt. Die beteiligten Schüler seien anderen beim Lernen, sozialer Haltung und Lust an Gestaltung haushoch überlegen.

Der Leiter der Spirituellen Akademie des Domicilium in Weyarn hob hervor, dass wir ein qualitatives Wachstum brauchen, das man mit positiven Bildern der Zukunft erreichen könne. Inwiefern sei dazu Kultur ein geeignetes Instrument, wollte der Moderator von Laura Quaderer wissen, die am Foolstheater als „Momo“ brillierte. Vertrauen und das Gefühl man ist nicht allein, das vermittle ihr das Theater, sagte die 18-Jährige. Deshalb müsse auch Kunst und Theater in der Bildung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Vom Wissen zum Handeln Quaderer
Abiturientin und „Momo“-Darstellerin Laura Quaderer. Foto: Screenshot

Aktives Handeln und Gestalten in Gruppen sei wichtig und werde von Schülerinnen und Schülern gefordert, sagte Cecilia Scorza dem stünden Lehrkräfte entgegen, die ausschließlich ihren Lehrplan vermitteln wollten. Aber der Klimawandel führe zu einer Revolution im Unterricht. Dem stimmten im Chat mehrere Teilnehmer zu. Kinder forderten von ihren Eltern Konsumverzicht.

Ob das zu einer Spaltung der Gesellschaft führe, wenn die Verantwortung für die Zukunft an die junge Generation delegiert werde, fragte Rainer Sachs. Die Fridays for Future Bewegung werde als Alibi benutzt, stimmte der Landrat zu, es erfordere Überzeugungskraft, Geduld und Kommunikation, um diese Probleme zu lösen.

Handabdruck vergrößern

Und es brauche den Willen in der jungen Generation, einen technischen Beruf zu ergreifen oder auch ein freiwilliges soziales Jahr im Klimaschutz zu absolvieren, fügte Cecilia Scorza hinzu. „Wir müssen unseren Handabdruck vergrößern und nicht nur den Fußabdruck verkleinern.“

Vom Wissen zum Handeln
Astrophysikerin Dr. Cecilia Scorza. Foto: Screenshot

Unser Wissen sei sowohl gewiss als auch ungewiss, konstatierte der Physiker Rainer Sachs. Welche Instrumente brauche man, um mit dem Ungewissen umzugehen? „Religion ist das Vertrauen, dass die Welt ein Kosmos und kein Chaos ist“, betonte der evangelische Theologe und ZEN-Meister Michael von Brück. Um Vertrauen und Selbstverständnis zu stärken, habe er vier Faktoren erkannt:

Die Not muss erkannt werden.
Das Charisma Einzelner ist notwendig.
Neue Kommunikationsmittel müssen verwendet werden.
Die Ressourcen der Eliten müssen befördert werden.

Rainer Sachs zog das Fazit: Für eine Veränderung zum Handeln braucht es eine gute Beziehung zu sich selbst und der Welt, gute Vorbilder und entsprechende Mittel. In der Schlussrunde befragte er die Podiumsgäste nach ihren Visionen für die Zukunft.

Visionen der Podiumsgäste

Olaf von Löwis of Menar: „Ich bin ein optimistischer Mensch und davon überzeugt, dass wir die Probleme lösen.“ Dazu aber müsse man aus dem Cluster der willigen Menschen herauskommen. „Wir haben hier Inzucht betrieben“, sprach er das Problem an, immer in derselben Blase zu argumentieren, anstatt Andersdenkende einzubeziehen. „Wie erreichen wir die anderen?“, fragte er, jeder müsse als Botschafter unterwegs sein.

Vom Wissen zum Handeln
Trainerin Rosi Konirsch. Foto: Screenshot

Michael von Brück: „Eigene Bewusstseinskultivierung und mit Mut und Freude Gräben überwinden, Gemeinschaft anbieten, Gespräche suchen ohne zu predigen und Vertrauen in die Demokratie.“ Man müsse die Balance zwischen Konkurrenz und Kooperation finden und das kreative Potenzial des Mittelstandes entfalten und einen multidimensionalen Weg gehen.

Rosi Konirsch: „Den Dreiklang von Körper, Geist und Seele ansprechen: Den Geist nutzen, um sich das nötige Wissen anzueignen, die Seele durch Visionen und kulturelle Veranstaltungen anregen. Den Körper über Erlebnisse und Projekte einbinden. So gelingt es, intrinsische Motivation zu wecken, um vom Wissen zum Wollen und darüber ins Handeln zu kommen.“

Cecilia Scorza : „Global denken, fühlen und handeln, Solidarität leben, in Gruppen die Zukunft gestalten und Resilienz trainieren.“ Man müsse Kindern Raum zur Entfaltung geben.

Laura Quaderer hatte als Jugendliche das Schlusswort: „Einen Raum schaffen, in dem sich jeder einbringen und mit Wissen handeln kann.“

Wir laden dazu ein, vom Wissen zum Handeln zu kommen und sich an unserem Zukunftsforum zu beteiligen. Bitte schicken Sie uns Ihre Visionen, Träume, Utopien für die Zukunft als Wort, Bild, Foto, Musik an zukunftsforum@kulturvision.de. Aus den gesammelten Einsendungen wollen wir Handlungsimpulse für die Gegenwart ableiten.

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