Thomas Jarzina, Fotografie, Grüner Raum, Bad Wiessee

Vom Alltagsfoto zum Kunstwerk

Thomas Jarzina im Grünen Raum in Bad Wiessee. Foto: CS

Vernissage in Bad Wiessee

Bis Ende November stellt der Holzkirchner Fotokünstler Thomas Jarzina im Grünen Raum in Bad Wiessee aus. Dort zeigt er seine digital bearbeiteten Fotokompositionen. Das Spannende: Viele seiner Werke sehen wie Gemälde aus und entführen den Betrachter in eine Welt zwischen Fantasie und Abstraktion. 

Man muss genau hinschauen bei den Bildern von Thomas Jarzina. Denn nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Viele seiner Werke sehen aus wie Gemälde, sind aber Fotos. „Die Grundlage meiner Bilder ist die Fotografie und die anschließende digitale Bildbearbeitung“, sagt er bei der Vernissage im Grünen Raum in Bad Wiessee am vergangenen Freitag, zu der viele Gäste erschienen sind. Er fotografiert Personen, Tiere, Landschaften und Strukturen und verwebt Einzelaufnahmen zu neuen, fantasievollen und abstrakten Kompositionen.

Thomas Jarzina, Fotografie, Grüner Raum, 2025
Thomas Jarzina spricht bei der Vernissage über seine Kunst. Foto: CS

Als Mittel der Wahl für seinen kreativen Prozess verwendet er Photoshop. „Ich modifiziere so lange und bringe dann verschiedene Bildebenen zusammen, bis mir Farbigkeit und Motiv gefallen“, sagt er im Gespräch mit KulturVision. Die Ursprungsbilder lassen sich in seinen Werken nur selten noch erkennen. Was er besonders an seiner künstlerischen Arbeitsweise mag: „Wenn ich merke, es gefällt mir nicht, kann ich wieder zurück und was ändern“, sagt er.

Thomas Jarzina bringt Farben und Formen in Bewegung

Die berufliche Heimat von Thomas Jarzina ist das Kommunikations-Design. Das studierte er an der BUGHS in Wuppertal. Danach gründete er ein Design-Atelier in Düsseldorf und arbeitet seitdem als selbstständiger Designer und Fotograf. Mit viel Erfolg. Neben unzähligen anderen Projekten gestaltete er in seiner beruflichen Laufbahn etwa über 3000 Buchtitel für Verlage.

2007 kehrte er der Großstadt den Rücken und zog nach Holzkirchen. Dieser Umzug markierte auch eine künstlerische Wende. Denn genau da entdeckte er die digitale Bildbearbeitung als Mittel für seinen freien künstlerischen Ausdruck. „Für mich beginnt der kreative Prozess mit der Bearbeitung der Fotos“, sagt er. Das sei für ihn eine Art „Mobilisierung des Augenblicks“, wenn Farben und Formen dadurch in Bewegung gerieten.

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Thomas Jarzina geht neue Wege mit surrealistischem Ansatz

Die Entscheidung, wann ein Werk fertig ist, sei aber nicht einfach. „Manchmal schaut man später drauf und denkt: Was hast du denn da gemacht?“, sagt er. So kann sich die Fertigstellung eines Werkes über Wochen hinziehen. Dabei stellt er eines ganz deutlich heraus: „Ich nutze keine Künstliche Intelligenz zur Erstellung meiner Bilder.“


Das Werk „Lemon & Cow von Thomas Jarzina. Foto: CS

Bei einem Großteil der Werke, die im Grünen Raum ausgestellt sind, ist der Künstler neue Wege gegangen. „Ich habe versucht, surrealistisch zu arbeiten und Paare zu bilden wie etwa Kuh und Zitrone, Zahnklammer und toter Vogel und Globus und Schwan“, sagt er und deutet auf die jeweiligen Bilder mit diesen verfremdeten Motiven. Man muss daher genau hinschauen, um diese Paare auch zu erkennen.

Thomas Jarzina, Fotografie, Grüner Raum, Bad Wiessee
Rechts die beiden Werke „Braces & Bird“ und „Earth & Goose“. Foto: CS

Der Druck „Lemon und Cow“ etwa sieht auf den ersten Blick wie eine völlig abstrakte Komposition aus. Erst auf den zweiten Blick erkennt man Fragmente einer Kuh und einer Zitrone, die der Künstler vor einem hellblauen Hintergrund neu arrangiert. Gerade der Druck dieser Fotokomposition auf Leinwand verstärkt die malerische Wirkung noch. Bei seinen Werken „Braces & Bird“ und „Earth & Goose“ ist es genauso.

„Wie haben Sie das gemacht?“

Vor allem seine großformatigen Kreationen, die auf Aludibond gedruckt sind, lassen den Betrachter rätseln. So etwa der 120 x 80 Zentimeter große Digitaldruck „Wartende“. Darauf zu erkennen: viele kleine menschliche Figuren, die in einem Wirbel aus ineinanderfließenden Farben positioniert sind.

Thomas Jarzina, Fotografie, Grüner Raum, Bad Wiessee
Das Bild „Wartende“. Foto: PR

Hier kommt die Spannung zwischen Malerei und Fotografie und zwischen Realem und Abstraktem noch stärker zum Tragen: „Wie haben Sie das gemacht?“, wollen viele Gäste an diesem Abend von Thomas Jarzina wissen. Es ist der beste Beweis, dass er mit seiner Kunst fesselnde Bildwelten schafft, die den Betrachter hineinziehen und zum Denken anregen.

Die von KulturVision organisierte Ausstellung ist noch bis zum 23. November im Grünen Raum in Bad Wiessee in der Sanktjohanser Str. 2 zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10 bis 12 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

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