Suoni Amorosi oder die Kraft der alten Instrumente

Tegernseer Woche und Alte Musik

Duo „Gioco di Salterio“ in der evangelischen Christuskirche in Tegernsee. Foto: Stephanie Doenecke

Konzert in Tegernsee

Tegernseer Woche und Alte Musik – das passt genial. Zumal, wenn diese so gefühlvoll und mit höchster Perfektion dargeboten wird wie vom Duo „Gioco di Salterio“. Wer und was sich dahinter verbirgt, wusste das kundige Publikum in der vollbesetzten evangelischen Christuskirche in Tegernsee mit Sicherheit schon vorher.

Denn die gebürtige Tegernseerin, Birgit Stolzenburg und ihr Pendant Hans Brüderl, ein Meister der Alten Musik und ihrer vielfältigen Instrumente, sind in ihrem Metier wahrlich keine Unbekannten. Beide geben als renommierte Künstler ihr Können weiter an Studierende. Birgit Stolzenburg unterrichtet Hackbrett an der Hochschule für Musik und Theater in München, Hans Brüderl Gitarre und Laute am Mozarteum in Salzburg.

Eine Kirche als perfekter Rahmen

Alte Musik, gespielt auf Instrumenten wie dem mittelalterlichen Hackbrett Dulce Melos und einer Vihuela, einer gitarrenähnlichen Laute, versetzte die gebannten Zuhörer sofort in eine ganz besondere Stimmung. Ruhiger, samtiger, langsam verhallender Rhythmus der Laute wechselte sich ab mit munteren, fast wilden Sätzen des Hackbretts und bewies, wie reichhaltig und unterschiedlich mittelalterliche Tänze und Weisen klingen.

Tegernseer Woche Alte MusikBirgit Stolzenburg und Hans Brüderl sind das Duo „Gioco di Salterio“. Foto: Stephanie Doenecke

Stücke von Diego Ortiz (ca. 1510-1570) und Adrian Le Roy (ca. 1520-1598) boten ein wunderbares Klangerlebnis mit Renaissancegitarre und Salterio, einem „Psalterium“, (also Zupfinstrument), dem Birgit Stolzenburg meisterhaft Töne und Sequenzen entlockte. Mit einem weiteren Instrument, der Renaissancelaute, verband Hans Brüderl gefühlvolle, affektive Elemente ausdrucksstark mit leisen, getragenen Passagen. Barockmusik, grandios in Szene gesetzt.

Dieser sich im Kirchenschiff wunderbar ausbreitende Klang korrespondierte auf berührende Art mit dem Inneren der Christuskirche. Als älteste evangelische Kirche im Tegernseer Tal wurde sie 1894 vom Münchner Hofbaumeister Albert Schmidt errichtet. Die Synthese zwischen romanischen und gotischen Elementen schafft geradezu ideale Räumlichkeiten für das Musikgenre „Alte Musik“.

Liebevolle Klänge

So heißt das Programm von „Gioco di Salterio“ und liebevoll, zärtlich interpretierten die Künstler auch Nicola Matteis (gest. ca.1713). So erzählte Hans Brüderl von der großen Wanderung des Italieners Matteis von Neapel bis ins ferne London, um der Karriere willen. Mit der Theorbe, einer Laute mit besonders langem Hals, stellte er sein 4. Instrument vor, das früher häufig in der Oper verwendet wurde. Der leichte und doch expressive Klang wurde besonders deutlich in der„Aria amorosa“, bei der heftig geworben wird.

Tegernseer Woche Alte Musik
Hans Brüderl stellt sein Instrument vor. Foto: Stephanie Doenecke

Bei Arcangelo Corelli (1653-1713) und seiner Sonata VIII e-Moll gelangten dem Ensemble fast mystisch überhöhte Wiederholungen und Verzierungen, die an das berühmte Weihnachtskonzert des italienischen Meisters erinnerten. Sanft und weich berührte Stolzenburg mit den beiden Schlägeln ihr Hackbrett, streichelte es zärtlich.

Pasquini und Kapsberger

Mit dem Kontrabasshackbrett, dem letzten Instrument, das an diesem Abend vorgestellt wurde, kamen nun auch die tiefen Töne zu ihrem Recht. „Reinstes Bassvergnügen“ versprach Brüderl und das war es dann auch. Bei Bernardo Pasquinis (1637-1710) Sonata d-Moll klang das große Hackbrett kraftvoll, expressiv, fast metallisch. Schnell wechselte Stolzenburg in ihrem Solo zum Pianissimo, um dann gleichsam wiederauferstehend an Lautstärke zu gewinnen. Fulminant.

Dem stand Brüderls Interpretation eines Stücks von Giovanni Girolamo Kapsberger (1580-1651) keineswegs nach. Die Theorbe entfaltete höchst sinnliches Vergnügen und veranlasste das Publikum zu lauten Jubelrufen.

Da durfte natürlich auch eine Zugabe nicht fehlen.“La Suave“ des italienischen Barockkomponisten Andrea Falconieri (1585-1656) begeisterte die Zuhörer restlos.

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