Illusion und Realität – im Spiegel der Kunst

69. Tegernseer Kunstausstellung im E-Werk - Antonia Leitners Spiegelinstallation spielt mit der Wahrnehmung - und lädt zum Austausch ein

Antonia Leitners „Spiegelinstallation“ spielt mit der Wahrnehmung – und lädt zum Austausch ein. Foto: IW

69. Tegernseer Kunstausstellung

Eine spiegelnde Fata Morgana? Ein Schreibpult, das allenfalls zum Verfassen von „Fake News“ taugt? Eine bayerische Frida Kahlo, Schweine und Zitronen? Am Freitag öffnete die 69. Tegernseer Kunstausstellung ihre Türen: 32 Künstler aus dem Tal, der Umgebung und Gastkünstler zeigen ihre Werke. Manche sind zum Schmunzeln, andere zum Nachdenken, aber alle laden sie dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Dass im Tegernseer Tal und der Umgebung hervorragende Künstler zu Hause sind, zeigt auch diese Ausstellung wieder eindrucksvoll – mit einer imposanten Vielfalt und hohem Können.

Kunst werfe Fragen auf und diese Fragen ließen sich am besten im direkten Austausch mit den Künstlern klären. Mit diesen Worten forderte der 1. Bürgermeister Tegernsees, Johannes Hagn, in seiner Eröffnungsrede die Besucher auf, unbedingt auch unter der Woche noch einmal die Ausstellung zu besuchen und die Gelegenheit zum Gespräch mit den Künstlern zu nutzen. Er würdigte das zeitintensive ehrenamtliche Engagement der Organisatoren der Ausstellung. Allen voran dankte er Eva Knevels, Hans Weidinger, Kurt Gmeineder und Hans Schneider.

 

Brigoitte Siebeneichler, Kathrin André, Antonia Leitner
Arbeiten von Kathrin André, Brigitte Siebeneichler und Antonia Leitner (v.l.o.). Foto: IW

Wie vielfältig und hochwertig die Kunst rund um den Tegernsee ist, beweist die diesjährige Ausstellung aufs Eindrücklichste. Noch lichter und heller wirkt sie, obwohl es nicht weniger Künstler und Arbeiten sind, als sonst. Luftiger ist tatsächlich der Eingangsbereich geworden. In sehr schöner Harmonie und gegenseitiger Ergänzung hängen dort beispielsweise die hellen Acrylbilder von Brigitte Siebeneichler. Gemeinsam mit der bewegten Straßenszene „9:15“ von Kathrin André scheinen sie gleichsam über den „Metarmorphosen“ der jungen Nachwuchsbildhauerin Antonia Leitner zu schweben.

Einladung zum Staunen und Wundern

Auch im nächsten Raum überrascht eine Arbeit der Schülerin von Otto Wesendonck: Die Spiegelinstallation mit hängender Bronzeskulptur verführt die Betrachter dazu, sich optischen Täuschungen hinzugeben. Sie bildet gleichsam einen Treffpunkt sich austauschender Ausstellungsbesucher, welche die Installation im doppelten Wortsinn begreifen wollen.

Gleich drei Bildhauerinnen zeigen ihre figürlichen Arbeiten, die auf ganz unterschiedliche Weise mit den menschlichen Stärken und Schwächen umgehen. Die feinen Mädchenskulpturen der Gastkünstlerin Helga Zellner aus Rosenheim wirken nachdenklich, träumerisch, zerbrechlich.

Gesellschaftskritik aus Humor und Satire

"Nina aus Castrop-Rauxel" von Hilo Fuchs korrespondiert herrlich mit den Satirebildern von Hans Reiser
„Nina aus Castrop-Rauxel“ von Hilo Fuchs korrespondiert herrlich mit den Satirebildern von Hans Reiser. Foto: IW

Gleich ums Eck reckt sich keck „Nina aus Castrop-Rauxel“. Die selbst- und modebewusste Zweitwohnungsbesitzerin aus dem Ruhrpott hat sich bestens im Tegernseer Tal akklimatisiert, meint ihre Schöpferin Hilo Fuchs schmunzelnd. Inspiration für ihre ironischen Steinzeugfiguren findet die Wahl-Tegernseerin zuhauf. Die Nina-Figur passt wie die Faust aufs Auge zu den Karikaturen in Öl von Hans Reiser, der in gewohnt altmeisterlicher Manier der Gesellschaft den Spiegel vorhält.

Keramikkünstlerin Waltraud Milazzo hingegen hat sich mit ihrer feinen Beobachtungsgabe den amerikanischen Präsidenten vorgeknüpft: Auch ohne Englisch zu verstehen, wisse man, wovon er spricht. Deshalb hat sie sich bei ihren Plastiken auf „Trumps Münder“ konzentriert.

Ursula-Maren Fitz "Fake News"
Ursula-Maren Fitz „Fake News“. Foto: IW

Ursula-Maren Fitz kombiniert Objekt-Bild in ihrer Arbeit „Natur um uns“ und spielt mit der Realität. Unsere Wahrnehmung ist auch bei „Fake News“ gefordert. Ein Schreibtisch lädt zum Schreiben ein, aber alle Schreibobjekte sind aus Glas – also gewissermaßen unbrauchbar. Tutti Gogolins Objektcollagen  „Federlesen“ wirken geheimnisvoll, ebenso wie das die Basaltplastik „Kleines schwarzes Haus“ von Wolfram-Maria Felder, das nur ein einziges, winziges Fenster besitzt.

Hans Schneider malt dem Tegernsee von Kaltenbrunn aus - ohne das typische Verkehrschaos in diesem Sommer
Hans Schneider malt den Tegernsee von Kaltenbrunn aus. Foto: IW

Kontraste gekonnt platziert

Mit ganz neuen Malweisen wartet Hans Schneider auf. Er zeigt mit „Blaue Stunde“ und „Grüne Stunde“ einen idyllischen Tegernsee, wie man ihn im Verkehrschaos dieses Sommers in Gmund nur an den frühen Morgen- und späten Abendstunden gesehen hat. Der Künstler Irnberg zeigt diesmal leicht schwebende, luftige inversive Reliefs. Sie bilden in ihrer grafischen Zurückhaltung einen starken Kontrast zu den großformatigen abstrakten Bildern des Gastkünstlers Jan Köhnholdt aus Hamburg. Dessen Werke ziehen die Besucher mit ihrer Farbintensität und Präsenz durch die Ausstellung hindurch an. Still, aber bestimmt, machen hingegen die abstrakten Aquarelle von Andreas Hars auf sich aufmerksam.

Blick in die Ausstellung: Otto Wesendonck (Skulptur) und Kurt Gmeineder (Malerei)
Blick in die Ausstellung: Otto Wesendonck (Skulptur) und Kurt Gmeineder (Malerei). Foto: IW

Die Dramaturgie, der die Hängung der unterschiedlichen Bilder in Korrespondenz mit den Objekten folgt, lässt jedem der Werke seinen eigenen Raum, sich zu entfalten. Wer durch die Ausstellung geht, wird immer wieder überrascht und angeregt, sich mit den hochkarätigen Arbeiten der 32 Künstler auseinander zu setzen. Dazu gibt es nun noch genug Gelegenheit – bis zum Ende der Tegernseer Woche am 30. September.

Tegernseer Kunstausstellung im E-Werk hochkarätig bestückt

Weitere ausstellende Künstler sind: Klaus Altmann, Heidi Barnsdorf, Konrad Broxtermann, Priska Büttel, Wolfram-Maria Felder, Klaus-Peter Frank, Christl Franz-Hennessy, Kurt Gmeineder, Tutti Gogolin, Werner Gruss, Sibylle Guttenberg, Peter Keck, Eva Knevels, Suse Kohler, Riccardo Milazzo, Willy Reichert, Sopi von Sopronyi, Hans Weidinger, Otto Wesendonck und Ekaterina Zacharova.

Mehr Informationen finden Sie auf der Website der Tegernseer Kunstausstellung. Die Kunstschau im Alten Schalthaus des E-Werk Tegernsee ist täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Vom 9. bis 19. November findet auch eine Ausstellung der Tegernseer Künstler im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Kaltern im Südtirol statt.

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