Eine Stadt als Galerie

Stadt als Galerie

Miesbach: Stadt als Galerie. Foto: Max Kalup

Kunst im Schaufenster in Miesbach.

Wer denkt, dass Kunst ins Museum gehört, kann derzeit nur staunen: In der Miesbacher Innenstadt hängt, liegt und steht Kunst in über 20 Schaufenstern. Die bis zum 13. Juni geplante Aktion ist jetzt um zwei Wochen verlängert worden. Grund: der große Erfolg.

Entdeckungen im Vorübergehen

Geht man derzeit durch Miesbach, fällt eine der ungewöhnlichsten Aktionen zunächst gar nicht auf. Das ist gut so, denn es zeigt, wie gekonnt unsere Geschäftswelt die Schaufenster jahrein, jahraus dekoriert. Dass im BEKLEIDUNGSHAUS WAIZMANN Bilder zu sehen sind, ist man schon gewohnt und bemerkt höchstens, wie gut gerade Kunst und Kleidung zusammenpassen. Dabei ist WAIZMANN nur eines von 27 Geschäften, in denen die Aktion „Kunst im Schaufenster“ gezeigt wird. Und diese Aktion trägt ihren Namen zurecht: 22 Künstlerinnen und Künstler zeigen einen Querschnitt ihrer Arbeit und man darf ruhig sagen, dass die Vielfalt und Qualität absolut erstklassig und höchst erstaunlich ist. Es gibt einfach alles – von modernen Porträts bis zum Abstrakten, von Gemälden und Papierkunst bis zu Tonarbeiten, von Skulptur bis Cartoon. Verblüffend ist die Bandbreite und gerade in unserer Zeit wohltuend ist die Beschäftigung mit den Bildinhalten. Man kommt auf andere Gedanken und entdeckt (wieder), dass Kunst vor allem Freude macht.

Lesetipp: Kunst im Schaufenster in Miesbach gestartet

„Nicht gesucht, aber glücklich gefunden“

Stadt als Galerie
Cornelia Heinzel-Lichtwarck in der Chocolaterie. Foto: Max Kalup

„Als mir Max Kalup eine Mail geschrieben hat, ob ich bei der Aktion ‚Kunst im Schaufenster‘ in Miesbach mitmachen will, habe ich keine Sekunde gezögert. Was für eine gute und sinnvolle Idee, in dieser Zeit“, sagt Cornelia Heinzel-Lichtwark. Sie steht in ihrem Atelier in Schliersee und trotz der FFP2-Maske sieht man, dass sie sich freut. Auch Hartmut W. strahlt unter seiner Maske: Der ehemalige Bankenvorstand hat die Objekte seiner Begierde beim Schaufensterbummel entdeckt. Um eine der wenigen Sonnenstunden im Mai 2021 zu nutzen, wollte er sich eigentlich nur ein Eis kaufen und ein paar Meter laufen. „Nicht gesucht, aber gefunden. Als ich die humorvollen, so perfekt gemalten Szenen gesehen hatte, habe ich keine Minute gezögert.“

Gleich zwei Gewinner

Sicher sind solche Momente eher Glücksfälle für Künstler und Kunstliebhaber, aber dass sie überhaupt möglich sind in diesem Frühsommer in Miesbach verdanken beide der Aktion der rührigen in Holzkirchen beheimateten KulturVision: „Kunst im Schaufenster“ – entwickelt für Künstler und Ladengeschäfte in Holzkirchen –, hat dort so gut eingeschlagen, dass nach Holzkirchen auch Otterfing, Bad Wiessee und Tegernsee mitgemacht haben. „In Holzkirchen wurde die Aktion durchaus positiv angenommen“, berichtet Sibylle von Löwis von der KulturVision und spricht von einer „win-win-Situation“: Die Idee war, einerseits den Künstlern auf diese Art in Pandemiezeiten die Möglichkeit zu geben, ihre Werke einer breiten Öffentlichkeit vorstellen können – andererseits macht die Kunst im Schaufenster die Kunden neugierig. So wird der lokale Einkauf gestärkt.

Stadt als Galerie
Agnes Wieser im Bekleidungshaus Waizmann. Foto: Petra Kurbjuhn

Nun ist diese erfolgreiche Aktion in Miesbach angekommen und hat hier sofort Unterstützung bei Bürgermeister Gerhard Braunmiller und Stadtmanagement gefunden. „Die Bereitschaft für die ‚Kunst im Schaufenster‘, die sich vom Prinzip her am Krippenweg orientiert, war groß“, sagt Max Kalup. Er wirkt zufrieden mit der Resonanz auf die Idee der ungewöhnliche Kunstaktion: „Viele Geschäfte haben Platz gemacht in ihren Schaufenstern.“

Stadt als Galerie: Toll gelungen

Wie gut den Ladeninhabern die Kunstaktion gefällt, sieht man beim Bummeln durch die Miesbacher City: Alle Geschäfte, die sich zur Teilnahme entschlossen hatten, haben die Kunstobjekte mit Ideenreichtum, Fingerspitzengefühl und Engagement platziert. So gelingt eine großartige Symbiose, wenn Ware und Kunstobjekt miteinander harmonieren. In manchen Fällen muss man sogar zweimal hingucken, um zu erkennen, dass zum Beispiel Papierkunst von Lisa Mayerhofer sonst nicht im Schaufenster von RAUMAUSSTATTER SCHACHENMEIER hängt, so perfekt passt das große Kunstwerk zu den Möbeln und schafft Ambiente.

Stadt als Galerie Lisa Mayerhofer bei Raumausstatter Schachenmeier. Foto: Lisa Mayerhofer

Auch die fröhlichen Kaffeekannen-Bilder von Karolina Haberzettel sind extra für die Aktion ins Schaufenster der HUATFABRIK gestellt worden. Oft passen die Kombinationen so wunderbar zusammen, dass man denkt, die Objekte seien speziell für diesen Zweck angefertigt: Suchen Sie doch zum Beispiel einmal bei PETRA HEHL die Mini-Skulpturen von Katharina Eisenberg. Und sprechen die Bilder von Gabriele Cremer beim MUSIKANT nicht von den Stimmungen beim Musikhören?

Trachten Jäger
Ingrid Faltlhauser bei Trachten Jäger. Foto: Max Kalup

Einfach gelungen

Wie interessant die Werke der KünstlerInnen in Stadt und Land Miesbach sind, ist beim Bummeln von Geschäft zu Geschäft so leicht zu entdecken wie sonst kaum bei einer Gelegenheit: Selbst so renommierte Künstler wie Stefan Ambs, Martin Kirmayr, Agnes Wieser oder Katrin Hering sind hier einmal ganz nebenbei zu sehen! Dass ihre Kunst so liebevoll und sinnig präsentiert wird, ist für die KünstlerInnen Balsam in dieser Zeit, in der sie kaum die Möglichkeit haben, nicht-digital auszustellen. „Was mich so gefreut hat“, erzählt Cornelia Heinzel-Lichtwark: „Ich hatte mich darauf eingerichtet, die Bilder selbst aufzuhängen. Aber Herr Öttl von der CHOCOLATERIE hat sie mir freundlich abgenommen und nur gesagt: ‚Ach, lassen Sie nur, das mache ich gerne‘.“

Realschule
Barbara Gerbl mit den Schülern der Klasse 6d der Realschule Miesbach in der ehemaligen Jeanseria. Foto: Max Kalup

Und das sieht man. Machen Sie sich also selbst die Freude, durch die Stadt zu bummeln und sich das Resultat anzusehen. Es gibt übrigens auch einen Flyer, auf dem alle Künstlerinnen, Künstler und Geschäfte aufgelistet sind.

Wen finde ich wo?

Noch bis Sonntag, 27. Juni, sind in 27 Läden Bilder und Kunstwerke von 22 Künstlerinnen und Künstlern zu entdecken.
• Stefan Ambs = Optik Rath GmbH & Co.KG (Rathausstraße 3)
• Michael Bachmann MB Photographie = Betten Thoba Handels GmbH (Bahnhofstraße 6)
• Gabriele Cremer = Der Musikant (Marktwinkl 16)
• Katharina Eisenberg = Petra Hehl Schmuck-Uhren (Fraunhoferstraße 1) sowie Schöner Schein Hutmoden (Fraunhoferstraße 5)
• Ingrid Faltlhauser Kreativwerkstatt Allerleirauh = Lederhosen Moser (Fraunhoferstraße 6), Trachten Karl Jäger GmbH (Bahnhofstraße 2)
• Walther Franzen = Wäschetruhe Montermann (Stadtplatz 2) sowie kalla fashion (Stadtplatz 3)
• Barbara Gerbl = Weltentdecker (Marktplatz 4a)
• Karoline Haberzettl = Raiffeisenbank im Oberland eG (Rathausstraße) sowie Café Huatfabrik (Marktplatz 1)
• Katrin Hering = Bettenhaus Berner (Marienplatz 4)
• Cornelia Heinzel-Lichtwark Atelier am Schliersee = Chocolaterie (Marktplatz 12) sowie Brunners Vinothek (Marktplatz 2)
• Eva Hörbst = Goldschmiede Brandl (Lebzelterberg 1)
• Sofia Horaz = Teehaus Miesbach (Marktwinkl 6)
• Ulrich Hummel = Schwarzenberg (Fraunhoferstraße 6)
• Martin Kirmayr = Optik Bucher Miesbach (Marktplatz 14)
• Roswitha Klose-Krenn = Schuhhaus Egger (Heimbucherwinkl 5+6)
• German Kopp = Müller Trachten (Heimbucherwinkl 3)
• Lisa Mayerhofer = Raumausstattung Schachenmeier (Lebzelterberg 7)
• Leo Purmann = Bergsport Schach3enmeier (Lebzelterberg 7)
• Stefan Schweihofer = Tabak Griesbeck (Rathausstraße)
• Paul Warburton = Das Buch am Markt (Marktplatz 14)
• Agnes Wieser = Bekleidungshaus Waizmann (Fraunhoferstraße 4)
• Katrin Hering, Irma Fell, Barbara Gerbl mit Schülern der Klasse 6d der Realschule Miesbach = ehemalige Jeanseria (Bahnhofstraße 4)

Der Artikel „Eine Stadt als Galerie“ erschien in den „Miesbacher Stadtgeschichten“.

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