Science Slam

„Ihr seid am Puls der Zeit“

Siegerin Milena Fanenstich mit den weiteren Gewinnern beim Science Slam Sarah Decrusch, Johannes Falkenstein, Tim Debout. Foto: MZ

Veranstaltung in Miesbach

Der Science Slam von KulturVision hat ein Comeback. Dank des Engagements von Klaus Masch, Lehrer am Gymnasium Miesbach, konnte er im kleinen Rahmen aber mit sehr inspirierenden Vorträgen von vier Jugendlichen der Schule im Bunten Haus in Miesbach wieder auferstehen.

2017 fand im KULTUR im Oberbräu Holzkirchen vor vollem Haus der erste Science Slam statt und entwickelts sich in den Folgejahren zu einem Podium für die Gymnasien und Fach- und Berufsoberschulen der Region. Ausgewählte Schülerinnen und Schüler präsentierten ihre Seminararbeiten auf unterhaltsame Weise, konnten damit Bühnenpräsenz erwerben und der Öffentlichkeit zeigen, dass Wissenschaft keineswegs trocken sein muss.

Durch Corona kam es zunächst zu einer Unterbrechung, aber das Format, das an Universitäten seit vielen Jahren Furore feiert, lebt jetzt wieder mit Jugendlichen auf, die gesellschaftsrelevante Zukunftsthemen in ihren Seminararbeiten bearbeitet hatten.

Science Slam
Moderator Nikolaus Ruml und Lehrer Klaus Masch. Foto: MZ

„Ihr seid die Zukunft“, sagte Moderator Nikolaus Ruml, bestens in Miesbach als Fastenprediger bekannt, im Foyer des Bunten Hauses „auch wenn ihr die Welt nicht rettet, so macht ihr sie doch ein bisschen besser“.

Auch Seminarlehrer Klaus Masch lobte die zwei Schülerinnen und zwei Schüler: „Ihr habt Euch ein ganzes Jahr mit Eurem Thema auseinandergesetzt, wir brauchen junge Leute, die diese Themen angehen, das ist ein Gewinn.“

Science Slam
Tim Verbout. Foto: MZ

Mit sichtbarer Begeisterung für sein Thema startete Tim Verbout seinen Vortrag mit dem Titel „Erneuerbar, unsichtbar, grundlastfähig?“ für den er nach Geretsried gefahren war. Dort entsteht eine neue Geothermie Anlage der kanadischen Firma Eavor. Diese Pionieranlage unterscheide sich von anderen, etwa der wartungsintensiven in Holzkirchen, dadurch, dass sie mittels des Thermosiphoneffekts einen geschlossenen Kreislauf habe, der im Dauerbetrieb keine Pumpe benötige.

Mittels eines Tiefenwärmetauschers und modernster Bohrtechnik werde so eine erdbebensichere Versorgung mit Wärme für 36 000 Haushalte oder Strom für 22 400 Haushalte ermöglicht, die zudem grundlastfähig ist. Tim Verbout war sich anhand seiner Worst und Best Case Analyse sicher: „Das wird sich durchsetzen, die Anlage liefert seit dem 5.12.2025 Strom.“

Nicht nur die Jugendlichen, auch Nikolaus Ruml unterhielt das Publikum, er kündigte die nächste Vortragende so an: „Sie ist meine Nachbarin und ich sehe sie immer joggen, dabei macht sie sich Gedanken, wie sie den Bauernhof der Eltern noch mehr optimieren kann.“


Sarah Decrusch vor schwarzem Bildschirm. Foto: MZ

Und so war auch das Thema von Sarah Decrusch: „Könnten energieautarke Bauernhöfe wirklich ein Game-Changer im Klimaschutz werden?“ Auch sie startete mit einer Analyse der gegenwärtigen Situation, insbesondere der politischen Unsicherheiten, der globalen Rohstoffabhängigkeit und der klimatischen Risiken. Sie fragte das Publikum, wie hoch es diese Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen, etwa Seltenen Erden, einschätze und konstatierte: „80 Prozent.“

Als Beispiel für einen nahezu autarken Bauernhof stellte sie ein Beispiel vor, das mit Solarthermie, Photovoltaik und Windkraft in Sachen Wärme 100 Prozent autark ist und bei Strom von März bis Oktober ebenso. Sie erwähnte auch ein Beispiel aus der Oberpfalz, dieser Hof sei komplett autark, habe einen Batteriespeicher und ein Notstromaggregat.

„Und was sehen Sie jetzt? Nichts“, sagte sie vor einem schwarzen Bildschirm. So etwas wie kürzlich in Berlin, als der Strom ausfiel, könne bei einem autarken Bauernhof nicht passieren.


Lilian Löffl. Foto: MZ

Zur Auflockerung trug jetzt Lilian Löffl mit ihrer E-Gitarre bei, die die Veranstaltung schon mit einem Intro eröffnet hatte und auch weiterhin begleitete.

„Reicht ein guter Energiestandard? Das Passivhaus auf dem Prüfstand“ hatte Milena Fanenstich ihre Seminararbeit betitelt und bezog ebenfalls das Publikum mit ihrer Frage, welches der beiden Häuser energieeffizienter sei, mit ein, dieses war gespalten und die Vortragende löste auf: das weiße. Dieses Passivhaus benötige durch seine Bauweise mit Dämmung, Ausrichtung, Fenstern und Lüftung 90 Prozent weniger Energie und es sei darüber hinaus sicher gegen Schimmelbildung.


Milena Fanenstich. Foto: MZ

Mittels einer Lebenszyklusanalyse aber konnte sie zudem nachweisen, dass bei den zweifellos höheren Baukosten, die durch die Energieeinsparung kompensiert werden, auch verantwortungsvoll mit Ressourcen umgegangen werde und ein Recycling der Materialien möglich sei.

Johannes Falkenstein hatte für sein Thema „Nachhaltigkeit und regionale Wellnesshotels – funktioniert das?!“ in Schliersee recherchiert. Dort hatte der Besitzer des Schlierseer Hofes einen Neubau als Wellnesshotel geplant, der aber durch einen Bürgerentscheid abgelehnt wurde.


Johannes Falkenstein. Foto: MZ

Er lies das Publikum an seinen Problemen mit den erforderlichen Interviews teilhaben, „beim dritten habe ich es richtig gemacht“ und konstatierte als Endergebnis: „Schade, es hätte einen Aufschwung für Schliersee bedeutet.“ Wirtschaftlich wäre es ein Riesenerfolg gewesen, für die Gesellschaft ein Gewinn, da ein Theater und ein Restaurant mit günstigen Preisen für Einheimische geplant wäre. Aber, so räumte er ein, umweltfreundlich sei ein Wellnesshotel nicht.


Die Gewinner des Science Slams werden eingerahmt von Nikolaus Ruml (l.) und Monika Ziegler von KulturVision e.V., Klaus Masch und Lilian Löffl (r.). Foto: Corinna Schneider

Das Voting fand per App und QR-Code statt und war äußerst knapp. Nikolaus Ruml maß noch einmal mit dem Zollstock nach, nur wenige Millimeter lag Milena Fanenstich vorn und wurde als Siegerin gekürt, die drei anderen Slamer aber erhielten ebenso von KulturVision gestiftete Büchergutscheine, sowie ein Zertifikat. „Sehr hilfreich für eure Bewerbungsunterlagen“, sagte Klaus Masch.

Und Nikolaus Ruml konstatierte: „Die Gewinnerin hat damit das Abi bestanden, aber eigentlich haben das alle verdient, denn es gehört schon schneid dazu, hier oben zu stehen.“

Für den nächsten Science Slam im kommenden Jahr werden bereits zu Schuljahresbeginn die anderen Gymnasien im Landkreis Miesbach, sowie die Fach- und Berufsoberschulen eingeladen. Ideal wäre, so sagt Klaus Masch, wenn an jeder Schule ein interner Science Slam stattfinden würde und die Gewinner dann am landkreisweiten Science Slam teilnehmen dürfen und exklusives Mitglied des Science Slamer Clubs von KulturVision würden.

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