
Karl-Heinz Hummel und die Raunächte
Karl-Heinz Hummel. Foto: Volker Derlath
Veranstaltung in Großhartpenning
Am kommenden Montag, 5. Januar gibt es auf dem Hahnhof wieder das Bühnenprogramm RAUNACHTSAGEN – ein bayrisches Live-Hör-Spiel mit Karl-Heinz Hummel und der Kampp-Musi, ein Percht-Special, gruselig und zauberhaft, humorvoll und gewürzt mit etwas anderer Volksmusik. Im Interview erzählt Karl-Heinz Hummel wie er zum Schreiben dieser Geschichten kam.
MZ: Wann hast Du mit dem Schreiben begönnen?
KHH: Als ich zehn Jahre alt war, habe ich mein erstes Theaterstück geschrieben und die Leute haben so gelacht, wie ich beim Schreiben gelacht habe. Und später dann habe ich Lieder geschrieben und Straßentheater und ab 1974 Kabarett in München gemacht.
MZ: Aber Du hast ja auch einen anständigen Beruf.
KHH: Ich habe Sozialpädagogik studiert und im Stadtjugendamt München gearbeitet, daneben aber immer als Musiker und Darsteller in verschiedenen Kabaretts auf der Bühne gestanden und Texte geschrieben. Insgesamt in 50 Jahren 12 Bühnenprogramme, meist poltisch-gesellschaftlichen Inhalts.

Der Autor und Schauspieler auf dem Hahnhof. Foto: MZ
MZ: Du hast also den Leuten die Meinung gesagt.
KHH: Nein, ich wollte nicht, dass einer auf der Bühne alles besser weiß und ein Meinungsmonopol besitzt. Ich liebe die selbstironische Figur eines Heinz Becker von Gerd Dudenhöffer. Und immer war auch Musik dabei.
MZ: Und dann hast Du begonnen als Librettist Musiktheater zu machen.
KHH: Vor 25 Jahren begann die Zusammenarbeit mit Christian Auer, wir haben Karl Valentins „Ritter Unkenstein“ auf die Bühne gebracht und es folgten zehn Werke aus Oper, Operette und Musical, darunter die erste Operette des 21. Jahrhunderts „Der Kaiser von Rottal“.
MZ: Und als Höhepunkt dann der Brandner Kasper.
KHH: Das war anfänglich ein Singspiel, das wir auf Gut Immling uraufgeführt haben. Vor sechs Jahren dann haben wir eine Musicalfassung für das Festspielhaus in Füssen produziert, aber es läuft auch in München.

Als Musiker auf dem Hahnhof. Foto: MZ
MZ: Und wie bist Du zu den bairischen Sagen, insbesondere um die Raunächte gekommen?
KHH: Mich haben die bairischen Geschichten und die bayerische Volksmusik schon immer fasziniert, hier vor allem neue Klänge. Der Reichtum der Musik ist enorm. Und ich bin gern im Gebirge, überall gibt es Geschichten und Sagen, sie sind ein Teil der Menschen.
MZ: Du hast mehrere Bücher zu den bairischen Sagen herausgegeben. Wie sind die entstanden?
KHH: Ich habe mir eine Bibliothek mit Sagen angelegt und vor allem nach den Urformen gesucht. Dabei fand ich auch die Geschichte vom Rockadirl am Tegernsee, die im See sitzt und spinnt, das habe ich in ein Theaterstück eingebaut.
MZ: Aus der Sagensammlung ist dann ein Bühnenstück geworden.
KHH: Ja, in Kroatien am Strand habe ich das Programm mit Musik geschrieben. Da muss was los sein, es gibt keine Heiligen oder Weisheiten, sondern es geht um elementare Themen, die dramatisch aufbereitet sind, Ängste und Freuden. Dazu habe ich alte Texte sorgsam aufgearbeitet und das Schöne herausgeschält.

Kampp-Musi. Foto: MZ
MZ: Und präsentierst das Programm auf dem Hahnhof in Großhartpenning.
KHH: Ich bin seit 2010 auf dem Hahnhof und hatte mit dem Programm insgesamt schon 120 Aufführungen, zuerst mit der Naglmusi und jetzt mit den Schülern von Uwe Klock, der verstorben ist, und die sich zur Kampp-Musi zusammengeschlossen haben.
MZ: Das Programm hat ja eine Struktur, ist nicht eine Aneinanderreihung von Geschichten.
KHH: Es ist in die vier Raunächte aufgeteilt, beginnt also mit dem Thomastag, dann der Heilige Abend, Silvester und endet mit dem Dreikönigstag. Gemeinsam mit der Musik ist das ein stimmiges Programm.

Der Schauspieler. Foto: MZ
MZ: Werden auch wieder Perchten dabei sein? Im vorigen Jahr war das ziemlich gruselig.
KHH: Wir planen für die Zukunft ein größeres Programm mit Perchten aus Kirchseen, die wunderschöne künstlerische Masken haben, das soll eine poetische Inszenierung werden.
Lesetipp: Gruselig, humorvoll und wunderschön
MZ: Du hast also nach dem Ausscheiden aus dem Beruf wieder einen Vollzeitjob.
KHH: Der 2. Beruf wurde zum 1., zum Hauptberuf, aber es macht alles Spaß, ob Musik, Theater, Kabarett, Schreiben oder Bühnenbau ein- und ausladen.
MZ: Und woran arbeitest Du derzeit?
KHH: Ich habe drei Projekte. Das erste ist eine Auftragsarbeit des Festspielhauses Füssen. Wir schreiben ein Musical „Der letzte König von Bayern“ über Franz Josef Strauß. Das war eine schillernde Figur in ihrer Widersprüchlichkeit und Intelligenz. Es wird weder eine Heiligsprechung noch eine Hinrichtung. Ein Oktoberfest-Musical soll 2027 in Füssen starten und die schon erwähnten Perchtensagen. Aber dafür brauchen wir Sponsoren.