Lust auf Capriolen

Otterfinger Kulturwoche

Julia von Miller gestaltete den Eröffnungsabend der 17. Otterfinger Kulturwoche. Foto: Jürgen Haury

Eröffnungsabend der Otterfinger Kulturwoche

Schwungvoll betritt sie die Bühne in der Otterfinger Schulaula. Rotes Kleid, rosa Schleife im üppigen, roten Haar und ist gleich mittendrin im Geschehen. Julia von Miller, Münchner Sängerin und Moderatorin, zeigt schon in ihrer Eingangsnummer zum Auftakt der 17. Otterfinger Kulturwoche ihr virtuoses Spiel mit den „Capriolen“ des Lebens.

Zuvor aber begrüßten mit Connie Seitz und Gabriele Hofweber zwei Damen des neuen 8-köpfigen Organisationsteams gemeinsam mit 2. Bürgermeisterin Ulrike Stockmeier das erwartungsfrohe Publikum und bedankten sich bei Sponsoren und Mitarbeitern.

Otterfinger Kulturwoche
Ein Teil des Organisationsteams: v.l. Gabriele Hofweber, Ulrike Stockmeier, Cornelia Seitz. Foto: Jürgen Haury

Julia von Miller, Nachfahrin der in München und im Oberland berühmten Familie von Miller, bewies dass der Name nicht nur durch die Kraft der Bavaria oder das Licht der Stromerzeugung einen besonderen Klang besitzt, sondern auch durch ihre markante Stimme mit furioser Bühnenpräsenz und der klugen Auswahl von Liedern und Texten besticht.

Lesetipp: Eine Reise durch die Welt des Rhythmus

So weist die Sängerin die Otterfinger gleich zu Beginn mit „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ auf ihren Themenschwerpunkt hin. Der Mensch in all seinen Facetten, mit seinen Gefühlen und Gedanken, Wünschen und Träumen. Dabei dreht sich von Miller gerne um die eigene Achse, kopfüber und schlägt ihre Capriolen. Begleitet wird sie kongenial von ihren Musikern Robert Probst am Klavier, Ludwig Leininger am Kontrabass sowie Dieter Holesch an Gitarre, Mandoline und Ukulele.

Musik der 20er, 30er und 40er Jahre

Die Künstlerin hat sich intensiv mit der Musik der 20er, 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts auseinandergesetzt. Herausgekommen ist eine geistreiche, originell zusammengestellte und arrangierte Mischung bekannter Melodien mit teilweise neuen Texten. So gibt sie perfekt das Weibchen, die Emanzipierte, die Feinfühlige oder Frivole. Genüsslich taucht sie ein in unterschiedliche Genres und plaudert vom Leben, von Sehnsüchten, typisch deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit oder Leistungsoptimierung. Und findet es „einen Quatsch“ immer nur das Beste aus sich herausholen zu wollen. Wo sich doch ständig wieder alles ändere, was wichtig sei.

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Julia von Miller und Ludwig Leininger. Foto: Jürgen Haury

Ob sie nun Zarah Leanders „Kann denn Liebe Sünde sein?“ neu interpretiert und mit ihr an den „entlegensten Ort der Erde, der Fantasie, der Freiheit, der Liebe, der Freiheit in der Liebe“ geht oder „Am Kap der Guten Hoffnung“ swingend einem nervösen Seemann Halt gibt, immer ist sie ganz bei sich.

Von Friedrich Hollaender bis Erich Kästner

Kokett spielt Julia von Miller mit ihrem Publikum. „Lass mich! Küss mich! Liebst du mich nicht?“ singt sie und tänzelt in aufreizendem Rhythmus. Robert Probst peitscht sie mit fliegendem Tastenspiel auf dem Klavier weiter, bis ihm dann doch der Kragen platzt und er wild gestikulierend schimpft. Szenenapplaus des begeisterten Publikums. „Ich möchte ja, dass er aus sich herausgeht“, bemerkt sie lakonisch und hat die Lacher auf ihrer Seite.

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Von Freidrich Hollaender bis Erich Kästner. Foto: Jürgen Haury

Und noch ein Lied aus der Feder von Friedrich Hollaender hat sie an diesem Abend im Programm. Bei dem durch Claire Waldoff bekannt gewordenen Chanson „Raus mit Männern aus dem Reichstag“ wird die Sängerin schnell zur Amazone, zur ganz starken Frau. Sie stampft auf und hüpft und wünscht sich die Männer ganz klein. Da sind sie wieder, die Capriolen. Dunklen Zeiten begegnet sie und lässt sie auch die Zuhörer direkt spüren. Dunkle Zeiten, die Widerstände herausfordern, dunkle Zeiten sind das damals in den Vorkriegs- und Kriegsjahren. „Dunkle Zeiten der Angst auch heute“, überlegt von Miller und nennt die Angst vor Einsamkeit, Veränderung, Verlust, die Angst vor dem Leben und setzt den Ängsten die Märchenwälder der Kindheit entgegen. Erich Kästners Kinderbücher liebt die Künstlerin. Als ehemalige Buchhändlerin versteht sie schließlich viel von Literatur. Licht und Schatten, Trennendes und Verbindendes entdeckt sie bei Kästner.

Capri, das Platzl und kleine Fehler

„Capriolen“. Was steckt darin? Natürlich Capri und Ole. Und so darf „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“ natürlich nicht fehlen. Das regt zum Mitsingen an, zum Schunkeln und Schmunzeln. Aber gleich darauf wird von Miller wieder die Ernsthafte, die den Widerstand fordert und uns ans Platzl nach München entführt. „Wenn ma frech is, schimpfn d’Leit“, singt sie. „Ich bin nicht gscheid, ich bin nicht dumm.“ Sei’s drum.


Julia von Miller ist voll in ihrem Element. Foto: Jürgen Haury

Der Abend neigt sich dem Ende zu. Da werden noch kleine Fehler und Makel im Aussehen besprochen und hingebungsvoll die Sommersprossen besungen. Und die Musiker können noch einmal ihre Finger über Kontrabass und Gitarre flitzen lassen, und das Klavier darf sich in ungeahnte Höhen aufschwingen.


V.l. Robert Probst, Ludwig Leininger, Julia von Miller, Dieter Holesch. Foto: Jürgen Haury

Das Programm, bei dem ernsthafte Themenbereiche charmant auf den Punkt gebracht werden, erfreut durch seine witzige Bearbeitung und flotten, originellen Arrangements. Ein Volltreffer zum Beginn der Otterfinger Kulturwoche, der dem Organisationsteam da gelungen ist.

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