Licht ins Dickicht der Ökolabels bringen

Ökolabel Andrea Brenner machtsinn

Ökotrophologin Andrea Brenner. Foto: MZ

Wie kann man überall nachhaltig einkaufen? Zur Beantwortung dieser Frage hatte die Wirkstatt von „Anders wachsen“ Andrea Brenner in die WeyHalla eingeladen. Die studierte Ökotrophologin machte das komplexe Thema Ökolabels für die Zuhörer transparent und empfahl detektivisches Vorgehen.

Von Tierwohl über Qualität aus Bayern bis hin zu Bio prangen auf den Lebensmitteln in den Supermärkten viele unterschiedliche Ökolabels. Was aber dahintersteckt, weiß normalerweise der Verbraucher nicht, es sei denn er recherchiert stundenlang im Internet.

Andrea Brenner, die mit Corinna und Bernhard den regionalen Laden machtSinn in Gmund betreibt, betonte zunächst, dass es bei nachhaltiger Ernährung um fünf Bereiche gehe: Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft, Gesundheit und Umwelt.

Ökolabel fünf Bereiche der Nachhaltigkeit
Die fünf Bereiche der nachhaltigen Ernährung. Foto: MZ

Unsere Kultur habe sich dahingehend verändert, dass Selbstversorgung zugunsten von Fremdversorgung zurückgegangen sei, was mit umfangreicher Verpackung einhergehe. Zudem habe der Fleischkonsum, der früher als Luxus galt, massiv zugenommen.

Ruinöser Preiskampf

Die Wirtschaft sei dadurch geprägt, dass ein ruinöser Preiskampf der Konzerne stattfinde. Der Preis entspreche nicht dem tatsächlichen, sondern beinhalte Subventionen. Darüber hinaus sei die Verteilung falsch, in Entwicklungsländern herrsche Hunger, während in den Industrieländern Lebensmittel weggeworfen werden.

„Wir essen zu viel und zu fett“

Das führt zu den zwei Extremen in Sachen Gesundheit. „Wir essen zu viel und zu fett und in den Entwicklungsländern gibt es Hunger und Unterernährung“, sagte die Ernährungswissenschaftlerin. Ein weiterer Punkt betreffe Umweltgifte, wie Pestizide, die Lebensmittel belasten.

Bei der Umwelt schlage in erster Linie Kohlendioxid zu Buche.

Für eine nachhaltige Ernährung nannte sie folgende Grundsätze: (nach von Koerber et al. 2012)
1. Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel
2. 2. Ökologisch erzeugte Lebensmittel
3. Regionale und saisonale Erzeugnisse
4. Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel
5. Fair gehandelte Lebensmittel
6. Ressourcenschonendes Haushalten, d.h. wenig Autofahren, wenig Verpackung
7. Genussvolle und bekömmliche Speisen

Das Ziel müsse es sein, dass man nicht auf Kosten anderer lebe.

Ökolabel Gurke aus Bayern
Regionale Gurke ohne Biolabel. Foto: MZ

Andrea Brenner hatte für ihren Vortrag in der Wirkstatt mehrere Produkte mitgebracht, an denen sie nachhaltige Erzeugung demonstrierte. Die Gurke aus Bayern wurde in Eitting angebaut und abgepackt und hatte das Gütesiegel: Qualität aus Bayern. Obwohl die Gurke nicht das Biosiegel hat, bevorzugte die Vortragende die einheimische Gurke vor der Biogurke aus Spanien, die lange Wege zurückgelegt hat.

Ökolabel Biotomaten
Biotomaten aus Bayern. Foto: MZ

Das beste Siegel sei das blaue Biosiegel aus Bayern, das Andrea Brenner anhand von Tomaten zeigte, daneben gibt es noch das grüne EU-Siegel. Das blaue Siegel haben auch die Produkte von Unser Land. Hier kann der Verbraucher sicher sein, dass alles aus der Region und Bio ist. „Unser Land ist toll, da gelten strenge ethische Richtlinien“, lobte sie.

Ökolabel Unser Land
Fruchtaufstrich von „Unser Land“. Foto: MZ

Das Ökolabel „regional“ indes biete diese Sicherheit nicht umfassend. Hier müsse der Verbraucher genau hinterfragen. Auch das Tierwohl-Label habe nichts mit Bio zu tun. Beim Fleisch sei die Entscheidung am einfachsten, meinte die Vortragende, denn hier könne man den Landwirt seines Vertrauens wählen.

Genau hinschauen

Schwieriger sei es bereits mit Milchprodukten, denn nur die Naturkäserei in Kreuth verarbeite ausschließlich Milch der Region. Will man wissen, wo die Milch verarbeitet wurde, muss man die Kennzeichnung DE BY – Nr. studieren.

Lesetipp: Hochwertige Produkte hochwertig vorgestellt

„Man muss genau hinschauen und eine detektivische Ader ist hilfreich“, meinte Andrea Brenner. Ihr Tipp sei: nachfragen. Und man brauche Händler des Vertrauens. Der regionale Einkaufsführer sei schon eine Hilfe für den Verbraucher. Gastronomen würden sich schwerer tun, beim Großhändler die notwendigen Informationen zu bekommen.

Keiner Ökolabels bedarf es bei einheimischen Geschenken vor der Haustür:

Lesetipp: Unser heimisches Superfood

Die Wirkstatt von „Anders wachsen“ trifft sich das nächste Mal am 18. Juli um 19.30 Uhr in der WeyHalla. Interessierte, die etwas tun wollen, sind herzlich willkommen.

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