LAVLI bringt Erzeuger und Verbraucher zusammen

Erzeuger und Verbraucher

Diana und Renaldo Scola mit Markus Bogner auf dem Boarhof. Foto: Petra Kurbjuhn

Initiative im Landkreis Miesbach

Wer den Film „Zeit für Utopien“ gesehen hat, ist fasziniert, insbesondere vom Projekt Hansalim in Südkorea, das seit über 30 Jahren Erzeuger regionaler Produkte und Verbraucher zusammenführt. Auch Diana und Renaldo Scola waren fasziniert. So sehr, dass sie ihre gut bezahlten Jobs aufgaben und es nachmachen wollen. Als Berater steht ihnen Markus Bogner zur Seite.

Er sei sehr verwundert, so meint der Biobauer, Buchautor und Seminarleiter vom Boarhof in Holz/Bad Wiessee, dass dieses Erfolgsmodell noch nicht kopiert worden sei. Und freut sich, dass Diana und Renaldo Scola in den Startlöchern stehen. Ihr Unternehmen hat bereits einen Namen und eine Webseite: LAVLI, abgeleitet von den Namen der beiden Söhne des engagierten Ehepaars, denn sie gaben den Anstoß.

Lesetipp: Es ist Zeit für Utopien

Der Film und ein Seminar auf dem Boarhof bestätigten den Wunsch bei Diana, etwas ganz Neues anzufangen, etwas, das ihrem Leben Sinn gibt. „Das habe ich in meinem Job in der Automobilbranche nicht gefunden“, erzählt sie. Nach der Geburt der beiden Söhne wurde ihr klar, dass sie die Zukunft positiv mitgestalten möchte. „Wenn wir so weitermachen, zerstören wir unsere Lebensgrundlage“, sagt sie. Die Sorge um die Zukunft der Kinder wurde zum Antrieb, die Spur zu wechseln.


Zeit für Utopien. Foto: © Langbein & Partner Media

Auch Renaldo stieg aus seinem gut bezahlten Job als Digitalberater und Webentwickler aus. „Ich wollte nie mit meiner Frau ein Unternehmen gründen“, lacht er, aber auch ihn habe Hansalim beeindruckt. So sei er tiefer in das Thema Nahrungsmittelerzeugung und Konsum eingedrungen. Jetzt könne er sein strategisches Wissen in Marketing und IT in eine sinnvolle Idee einbringen.

Seit Beginn des Jahres 2020 feilen die beiden engagierten Jungunternehmer am Konzept, der Webseite, der Finanzierung und an den erforderlichen Kontakten zu Erzeugern. Inzwischen hat sich das Team vergrößert. Hierbei half auch die Spurwechselinitiative von KulturVision, geeignete Mitstreiter für das Projekt zu finden.

Erzeuger und Verbraucher
Gemüseangebot auf dem Boarhof im Sommer 2020. Foto: Petra Kurbjuhn

Das Ziel von LAVLI ist eine nachhaltige Versorgung mit gesunden Lebensmitteln, die fair produziert wurden. Diese Idee ist nicht neu, es gibt im Landkreis Miesbach bereits eine Reihe von Hofläden, wo der Verbraucher direkt beim Erzeuger einkaufen kann. Die Krux dabei, er muss von Hof zu Hof fahren, denn bei dem einen gibt es Eier, beim anderen Rindfleisch und beim dritten Gemüse. Nachhaltig ist das nicht.

LAVLI will die Angebote bündeln, so dass der Verbraucher in einem Laden seine Bedürfnisse befriedigen kann. „Wir erfinden das Rad nicht neu“, sagt Renaldo, „es gibt schon mehrere solche Startups, wie machtSINN in Holzkirchen.“ Es sei gut, dass es schon so viele gebe, die das Thema nachhaltige Lebensmittel aufgreifen und sie sehen sich nicht als Konkurrenz. Aber ein paar Dinge sind bei LAVLI doch anders.

Erzeuger und Verbraucher
Vorbild für LAVLI ist die Permakultur, wie sie Biobauer Markus Bogner auf dem Boarhof pflegt, und Ludwig ist auch dabei. Foto: Petra Kurbjuhn

Das Unternehmen soll gemeinwohlorientiert arbeiten. Die Dachorganisation wird ein sogenanntes Purpose-Unternehmen in Verantwortungseigentum sein und sich um die Skalierung des Konzeptes als Social Franchise kümmern. Die einzelnen Standorte können als Genossenschaften oder ebenfalls als GmbH oder UG in Verantwortungseigentum organisiert sein. Auf jeden Fall aber sollen die Kunden Mitglieder, die Erzeuger Partner sein und LAVLI schlägt die Brücke zwischen beiden.

Ort der Begegnung

Eins ist den beiden motivierten Unternehmern ganz wichtig: „Wir wollen ein Einkaufserlebnis schaffen, es soll schön sein, Lebensmittel zu kaufen“, erklärt Diana und Renaldo fügt an: „Die Läden sollen auch ein Bistro haben, es soll ein Ort der Begegnung werden.“ Sie streben das Prinzip des dritten Ortes zwischen Arbeit und Zuhause an, ein Ort, an dem man sich wohlfühlt.

Das Hansalim-Dogma „alles aus der Region“ übernehmen sie in dieser Strenge nicht, sondern sie bieten ein Vollsortiment an und müssen deshalb vom Biogroßhandel dazukaufen. Sie hoffen darauf, dass sich die Erzeuger in der Region zu mehr Vielfalt im Anbau von Gemüse entschließen können. Ganz wichtig ist ihnen, dass die Erzeuger gerecht für ihre Arbeit bezahlt werden. Dazu allerdings braucht es viel Idealismus bei den Kunden. „Wir müssen sie von der Idee überzeugen“, wünscht sich Renaldo, „dann wachsen Verbraucher und Erzeuger über die Brücke von LAVLI zusammen“.

Verbraucher entscheiden über den ersten Standort

Den Idealismus bringen die Scolas selbst mit. Aber ebenso die Kompetenz und Durchsetzungskraft. Denn, ein Hobbyprojekt ist das nicht. „Wir müssen Geld verdienen“, sagt Renaldo. Es werde weniger sein als früher, aber die Familie muss ernährt werden.

Und Ende 2021 wird es soweit sein, dann soll der erste Laden im Landkreis Miesbach oder Rosenheim eröffnet werden, wobei der Verbraucher aktuell mitentscheiden kann, wo der erste Standort entstehen soll. Das Fernziel ist, dass ihre visionäre Idee in andere Regionen übergreift.

Diana und Renaldo Scola sagen: „Wir brauchen 200+ Mitglieder, um einen Standort aufzubauen. Wo es LAVLI in Zukunft geben wird, hängt also vor allem davon ab, an welchen Orten genügend Menschen mitmachen. Menschen, die unser Ernährungssystem verbessern wollen. Menschen, die bereit sind, mit uns neue Wege in der Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung zu gehen. Den ersten Laden würden wir gerne in unserer Region eröffnen. Konkret schlagen wir dafür diese Orte in den Landkreisen Miesbach und Rosenheim vor: Gmund am Tegernsee, Miesbac, Holzkirchen, Bruckmühl und Rosenheim.“ Sie können als Verbraucher Mitglied oder als Erzeuger Partner werden.

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