Florian Simon Eiler

Einladung zu Lateral Thinking

Florian Simon Eiler vor „Chess for Liberty“. Foto: Petra Kurbjuhn

Ausstellung in Holzkirchen

Vor zehn Jahren hatte Florian Simon Eiler eine Ausstellung im KULTUR im Oberbräu. Jetzt kehrte er zurück und ruft mit seiner Präsentation „Lateral Thinking“ zum Denken jenseits der üblichen Gewohnheiten und Muster auf.

Der Begriff „Querdenken“ ist seit der Pandemie in Verruf geraten. Eigentlich aber bedeutet es nur, durch kreative Methoden zur Lösung von Problemen beizutragen. Das Gegenteil von Lateral Thinking ist Vertikal oder lineares Denken, also in gegebener Schiene zu denken.


Titel der 21. Ausgabe der KulturBegegnungen

Florian Simon Eiler hat schon immer gesellschaftliche Themen zum Inhalt seiner Bilder gemacht. Nicht umsonst haben wir die Titelseite der KulturBegegnungen Ausgabe 21 mit dem Thema „Widerstand“ mit Bildern von ihm illustriert. Vom Tanz um das goldene Kalb über Sophie Scholl bis hin zu Umweltzerstörung reichten die Themen.

„Tanz um das goldene Kalb“ ist das Verbindungsglied der heutigen mit der damaligen Ausstellung. Und auch der „Konsumverweigerer“ war damals zu sehen.

Ansonsten aber hat der Künstler, der lange Jahre in Holzkirchen lebte und jetzt in der Pfalz ein neues Zuhause fand, über zwanzig neue Werke geschaffen, die sich nahezu vollständig mit gesellschaftlich-politischen Themen befassen.

Florian Simon Eiler
Haflinger und Puppenwäsche. Foto: Petra Kurbjuhn

Mit Ausnahme von vier kleinen Bildern. Er habe diese Ausstellung seiner verstorbenen Mama gewidmet, sagt Florian Simon Eiler. Sie habe ihn immer wieder gebeten, doch mal was Gescheites zu malen und so seien die vier liebevoll gemalten Bilder vom kranken Dackel, Bierholer, Haflinger und Puppenwäsche entstanden.

Neben ihren hinterfragenden Inhalten zeichnen sich seine Werke durch eine an alte Meister erinnernde perfekte Malweise aus. Dabei aber sind seine Bilder trotz ihres gegenständlichen Stils nicht Abbilder, sondern Kompositionen unterschiedlicher figurativer Elemente. Sie offenbaren die innere Welt des Künstlers, sind Brüche, Überlagerungen und haben immer ein Zentrum, zumeist ein Gesicht, in das Betrachtende hineingezogen werden.

Florian Simon Eiler
Der Beschützer des eigenen Verstandes. Foto: Petra Kurbjuhn

Ein wichtiges immer wieder auftauchendes Element ist die Farbe Gold, die für den Künstler Vollkommenheit und Unvergänglichkeit symbolisiert. Auch wenn viele Bilder nachdenklich machende Inhalte haben, sich kritisch und widerständig zeigen, schimmert immer wieder das Prinzip Hoffnung auf.

Wir starten unseren Rundgang am Eingang mit dem „Kuss der Freiheit“, sie halte sich für jeden bereit, dem sie wichtig sei, sagt Florian Simon Eiler und weist auf „Chess for Liberty“ hin. Ihn beschäftige der Überwachungsstaat und die aufkommende Kriegsbegeisterung, die sich in Worten wie „kriegstauglich“ äußere. „Ich bin sprachlos, dass da keiner reingrätscht. Wie kann es sein, dass wir aus unserer Geschichte nicht lernen?“

Florian Simon Eiler
Ahnengebet und Friedensfürsten. Foto: Petra Kurbjuhn

Er geht zum nächsten Bild und betont: „Silence of Peace“ habe er schon auf dreißig Stationen in Deutschland, Österreich und Italien gezeigt. Die Taube möge die Hoffnung demonstrieren, dass die Menschheit sich doch besinne und sich ihres eigenen Verstandes bediene, denn dies sei das Kostbarste. Deshalb habe er auch den „Beschützer des eigenen Verstandes“ gemalt.

„Armageddon“ aber, der Endkampf zwischen Gut und Böse, zeigt symbolhaft einen Ausbruch, Durchbruch, Kampf aber auch Verbindung mit Tieren und im Zentrum einen Messias.

Spatzen sehen Seelen

Politisch wird der Künstler in seinem Bild „Die Demokratie krönt sich zum König“. „Friedensfürsten“ und „Ahnengebet“ seien seine Lieblingsbilder, sagt der Künstler. Sie sprechen von Frieden und von Weisheit. Immanuel Kant ist da vertreten, die Jahreszahlen von Kriegen, es ist ein Ohr, das zum Zuhören einlädt und es ist der Sperling da. Florian Simon Eiler erklärt, dass in der jüdischen Mythologie Guf der Seelenhort sei, wo alle Seelen aufbewahrt werden. Spatzen könnten die herabfahrenden Seelen sehen.

Und auch die Ahnen seien mit ihrer Weisheit für uns wichtig.


Mala. Foto: Petra Kurbjuhn

Aus seiner Serie „Deutschland deine Frauen“ zeigt der Künstler in Holzkirchen unter anderem „Die Hexe“. Er wolle damit allen unschuldig umgebrachten Frauen ein Denkmal setzen, sagt er. Insbesondere hat er mit „Mala“ eine Hommage an Mala Zimetbaum gemalt, die in Auschwitz nach einer missglückten Flucht brutal zu Tode geprügelt wurde.

„Lateral Thinking“ hat der Ausstellung ihren Namen gegeben. Es sei problematisch, so Florian Simon Eiler, eine andere Meinung als die vorgegeben politisch korrekte zu äußern. Das Bild zeigt im unteren Teil kleingeistige Figuren und Handfesseln. Er opponiert auch gegen einseitigen Mainstream-Journalismus in dem Bild „Lichternde Rebellion“, in dem das Wort „kriegs-tüchtig“ auftaucht.


Lichternde Rebellion. Foto: Petra Kurbjuhn

Der Rundgang endet im hinteren Eck, wo mit „Hoffnung‘s Erwachen“ der Künstler noch einmal darauf hinweist, dass er die Aufgabe sehe, als Zeitzeuge ein Fundament für die Hoffnung zu erreichten.

Gleichzeitig warnt er mit dem Bild „Frozen“ vor der Kälte des Menschen und fragt: „Werden unsere Gefühle bald KI-gesteuert?“

Die Ausstellung von Florian Simon Eiler im Foyer des KULTUR im Oberbräu ist bis zum 14. Mai 2026 mittwochs zwischen 10.00 Uhr und 12.00 Uhr, donnerstags und freitags zwischen 19.00 Uhr und 20.00 Uhr sowie während der Tages-/Abendkasse zu sehen.

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