Kulturblitz | Frauen in der Politik

Diskutierten über Erfahrungen von Frauen in der Politik (von links nach rechts): Eva Frauenrieder (Harfe), Ursula Lex (FDP), Kerstin Bärz (SPD), Gisela Hölscher (Freie Wähler), Moderatorin Susanne Poelchau (Bayerischer Rundfunk), Bärbel Sokat (Omas gegen rechts Holzkirchen), Astrid Giegold (Grüne). Foto: Andreas Wolkenstein

Mehr investieren

Schlechte Erfahrungen in dem, was lange Zeit als Männerdomäne angesehen wurde, haben alle vier Frauen gemacht, die im Thomassaal der Evangelischen Kirchengemeinde in Holzkirchen auf dem Podium sitzen. Und doch sind sie dabei geblieben, haben gelernt, sich durchzusetzen. Sie alle sind in der Lokalpolitik aktiv, in Gemeinde- und Stadträten, auf Kreiseebene, in Parteigremien, sie alle mussten sich gegen Vorurteile und offen benachteiligendes Verhalten von Seiten männlicher Kollegen durchsetzen. Um sich zu behaupten, erzählt etwa Gisela Hölscher (Freie Wähler), habe sie immer „mehr wissen müssen als die Männer“ und das hieß: mehr Zeit investieren, um sich auf Gremiensitzungen vorzubereiten, mehr leisten als die männlichen Kollegen.

Nicht nur in der Politik

Dass das kein Garant für eine respektvolle Behandlung ist, wurde auf dem Podium, das von der Initiative „Omas gegen rechts Holzkirchen“ organisiert wurde, auch deutlich. Neben Gisela Hölscher berichteten Ursula Lex (FDP), Astrid Giegold (Grüne) und Kerstin Bärz (SPD) von ihren Erfahrungen in der Politik, die Schauspielerin und Musikerin Eva Frauenrieder sorgte für einen musikalischen Impuls. Dabei ist Ungleichbehandlung keineswegs nur ein Problem für Politikerinnen. Früher, erzählte Susanne Poelchau, Redaktionsleiterin in der Wissensredaktion des Bayerischen Rundfunks und Moderatorin des Podiumsgesprächs, hätten in der Politik- oder Wirtschaftsredaktion nur Männer gesessen, den Frauen habe man „weichere“ Bereiche wie etwa die Kultur gegeben.

Wichtige Ideen

Auch Lösungen für die Situation von Frauen in Politik und Gesellschaft kamen zur Sprache. Kontrovers wurden Vorschriften wie etwa eine Frauenquote diskutiert, während alle vier Politikerinnen die Angleichung der Bezahlung („gender pay gap“) forderten. Auch individuelle Eigenschaften wurden betont, um sich gegenüber männlichen Vorurteilen durchzusetzen: Humor, Durchsetzungswille, Selbstbewusstsein. Demgegenüber bedürfe es jedoch auch struktureller Maßnahmen, um einzelne Frauen von der Hürde zu befreien, aus sich heraus durchsetzungsstark aufzutreten, warf eine teilnehmende Person ein. Am Ende brachte das Podium eine Vielzahl kreativer Lösungsideen auf – Ideen, die wichtig sind in einer Zeit, in der sich so mancher Fortschritt der Geschlechtergerechtigkeit aufzulösen droht in einem Klima, das längst überkommen geglaubte Männlichkeitsvorstellungen erstarken lässt.

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