Mach auf alles bisserl Glitzer

FLTB Inklusiv – Ensemble. Foto: MZ

Theater in Holzkirchen

Am Ende waren alle gerührt, Mitwirkende, Publikum, Regisseurin und Intendant. Das Freie Landestheater Inklusiv bezauberte, überraschte und erfreute mit seiner Premiere „Es war einmal … nun ist es so!“ alle miteinander. Und als alle sangen „Freitag ist der Tag“ rollte so manche Träne. So muss Inklusion gestaltet werden.

Als jüngste der vier Sparten des FLTB stellte Intendant Rudolf Maier-Kleeblatt des FLTB Inklusiv vor. Er freue sich, dass mit dieser Theatergruppe Menschen, die er schon seit ihrer Kindheit kenne, eine künstlerische Heimat und Halt gefunden haben. Es sei ein Glücksfall, dass er 2018 gemeinsam mit Sarah Thompson diese Sparte gründen konnte.

FLTB Inklusiv
FLTB-Intendant Rudolf Maier-Kleeblatt. Foto: MZ

„Ich kenne niemanden, dem ich diese Herkulesaufgabe außer Sarah zutrauen könnte“, sagte er, für diese Herausforderung brauche es Mut, Kreativität, Durchhaltevermögen, innere Mitte, Gelassenheit und Geduld. Sarah habe auch die Coronazeit bravourös überbrückt und er gratuliere ihr zum Erfolg.

Rudolf Maier-Kleeblatt dankte der Lebenshilfe als Kooperationspartner für ideelle und logostische Hilfe, Ingrid Huber, Leiterin des FLTB-Sprechtheaters für ihre Unterstützung bei den Kostümen, Judith Heimerl vom KULTUR im Oberbräu für die organisatorische Unterstützung und dem Eiscafé Franzetti für die Gastfreundschaft nach den Proben.

FLTB Inklusiv
Regisseurin Sarah Thompson. Foto: MZ

Diese finden jeden Freitag statt, nahm Regisseurin Sarah Thompson den Faden auf. Zu diesen Proben kämen alle Beteiligten mit ihren ganz persönlichen Wünschen, Ängsten und Hoffnungen zusammen. Es ist eine bunte Theatergruppe, in der Menschen mit und ohne Einschränkung miteinander wirken.

Dieses neue märchenhafte und pragmatische Stück gestalte Märchen etwas anders, hier dürfe sich jeder in die Geschichte einbringen, erklärte die Regisseurin. „Aktuelle Themen, Wünsche, Sorgen und Glitzer prallen aufeinander“, kündigte sie an und führte durch das Programm.

FLTB Inklusiv
Die Hexe sucht die anderen Akteure. Foto: MZ

In einem sagenumwobenen Märchenwald treffen sich alle bekannten Figuren aus Märchen, aber sie stellen die Dinge auf den Kopf und agieren anders, überraschend, witzig, konzentriert auf ihre jeweiligen Aufgaben.

Denn die Schönste hier im Lande aus „Schneewittchen“ ist nicht etwa die böse Königin, sondern der schöne Prinz, der aber auch aus dem Rahmen fällt. Cinderella ist männlich und hat ganz unheimlich glitzernde High Heels an, in denen sie durch den Wald stolpert.

FLTB Inklusiv
Elsa und die Ritter. Foto: MZ

Auch die Eiskönigin Elsa ist männlich und singt ein ganz bezauberndes Lied von der depressiven Pippi Langstrumpf, ist dann aber eingefroren und wird auf einer Sackkarre von zwei Rittern in Rüstung abtransportiert. Diese beiden tauchen immer wieder auf, wenn Hilfe benötigt wird, einer allerdings verlässt auch die Bühne, setzt sich neben mich und erklärt mir alles.

Das Rotkäppchen taucht undercover auf und die Hexe scheint gar nicht so böse zu sein, denn sie wünscht sich Freunde, allerdings verstecken sich alle dafür in Frage kommenden hinter Bäumen und Büschen.


Wanderer, Cinderella, Indianer und Einhorn. Foto: MZ

Ein Wanderer taucht im Wald auf, der verzweifelt auf seinem Tablet etwas sucht, ein Indianerhäuptling scheint etwas hilflos herumzugeistern und zwei Glitzer-Einhörner beleben die Szene.

Jetzt nimmt die Geschichte nochmal ordentlich Fahrt auf, denn die Liebe kommt ins Spiel. Der Prinz bringt den Mut auf und verlässt seinen Rahmen, die Königstochter allerdings verweigert sich beim Umkleiden, offensichtlich hat das Leben doch andere Pläne und die beiden Einhörner singen in schöner Gemeinschaft: „Mach auf alles bisserl Glitzer.“


Der Prinz fällt aus dem Rahmen. Foto: MZ

Und die Frage bleibt: Was wäre, wenn alles ein bisschen anders wäre? Wenn die Wolken auf die Erde fallen und alle Märchenfiguren freudig miteinander singen und tanzen?

Das Rotkäppchen, der Wanderer, Cinderella, die Hexe, Elsa, die Einhörner, die Königstochter, der Prinz, Cowboy und Indianerhäuptling, die zwei Ritter, lauter bunte Figuren, die ihre Fäden spinnen und miteinander verwoben sind. Es spielen: Oliver, Magdalena, Marina, Richard, Dominik, Isabella, Markus, Hans, Tobias, Heide, Yvonne, Wolfgang, Anne und Flo.

Und was verbindet sie alle? Freitag ist der Tag, der Tag auf den alle warten, der Theatertag.

Wer sich vom FLTB Inklusiv verzaubern und berühren lassen will, die nächsten Vorstellungen sind am 16. und 17. Januar, jeweils um 18.30 Uhr im KULTUR im Oberbräu. Tickets gibt es hier.

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