Lichtwandern – im Gespräch über die Schönheit

Film aus Miesbach „Seelenbeben“ mit Hans Günther Kaufmann. Foto: Hans Günther Kaufmann

Um „Lichtwandern“ geht es auch im Film „Seelenbeben“. Foto: Hans-Günther Kaufmann

Kurzfilm und Diskussion in Miesbach

Was entsteht, wenn ein Gespräch zwischen einem Fotografen und einem Arzt unter dem Blickwinkel der Schönheit geführt wird? Wenn die Seele eine Hauptrolle spielen darf? Unter dem Titel „Lichtwandern“ sprachen Hans-Günther Kaufmann und Markus Reicherzer im Waitzinger Keller in Miesbach.

Der Miesbacher Fotograf und Regisseur Hans-Günther Kaufmann jagte früher guten Bildern nach. Stets war er bereit, auf den Auslöser zu drücken, immer auf der Suche nach einem weiteren Bild. Ein Mönch zeigte dem bekannten Fotografen einst einen anderen Weg. Seither jagt er den Dingen nicht hinterher, sondern lässt sich von ihnen rufen. Diese und andere Annäherungen an die Wirklichkeit bietet er den Patienten der CIP Klinik Dr. Schlemmer in Bad Tölz anhand von Seminaren an. Chefarzt Markus Reicherzer sieht darin einen Gewinn für seine Patienten und stellte sich dem Gespräch mit Hans-Günther Kaufmann, das von einem interessierten Publikum verfolgt wurde.

Vom Schönen ansprechen lassen

„Wenn es mir schlecht geht, mich der Weltschmerz erwischt, dann gehe ich im Wald spazieren und lasse mich vom Schönen ansprechen“ erzählt Hans-Günther Kaufmann. „Lichtwandern“ nennt er das und teilt seine positiven Erfahrungen gerne mit Anderen. In seinem Kurzfilm „Seelenbeben“ lässt er den Betrachter in die berückende Schönheit der Natur eintauchen, zeigt seine tiefe Verbundenheit mit ihr und lädt ein, sich auf sie einzulassen. Auf die Schönheit, die nichts mit dem Folgen von Idealen zu tun hat, sondern tief geht, vielleicht bis auf den Grund der Seele der Dinge.

Markus Reicherzer und Hans Günther Kaufmann im Gespräch.
Markus Reicherzer und Hans-Günther Kaufmann im Gespräch. Foto: Karin Sommer

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Nicht gerade oberflächlich waren dann auch die Fragen, die der bekannte Fotograf und Regisseur für den Psychotherapeuten Markus Reicherzer vorbereitet hatte. „Sind die in der Klinik normal oder die, die draußen im System funktionieren?“ war eine der nicht immer einfach zu beantwortenden Fragen. Was sei überhaupt normal und wer definiere Gesundheit und Krankheit? Markus Reicherzer verwies auf ein Manual, in dessen neuester Fassung die Internetsucht zum ersten Mal auftauche. Vor dreißig Jahren war in eben diesem Manual Homosexualität unter den Krankheiten aufgeführt.

Waren Steinzeitmenschen intelligenter?

Auf die Frage, ob die Steinzeitmenschen möglicherweise intelligenter waren als wir heute, erinnerte der Arzt an Gemeinsamkeiten von damals und heute. Nach wie vor seien wir auf eine Sippe angewiesen, könnten wir nicht für uns alleine existieren, bräuchten den Spiegel von Anderen, um ein stabiles Selbst zu kreieren, besonders in den ersten Lebensjahren. Den Trend, dass Kinder bereits im Alter von einem Jahr in die Krippe gegeben werden, hält Markus Reicherzer für sehr bedenklich, auch wenn er dafür oft von Frauen „gesteinigt“ werden würde und der gesellschaftliche Trend in eine andere Richtung gehe.

Neige das Ohr des Herzens

Während Markus Reicherzer aus erlerntem Wissen und Erfahrung mit seinen Patienten zu schöpfen scheint, spricht Hans-Günther Kaufmann wiederholt seine religiösen Erlebnisse, seinen Glauben als Quelle an. „Höre und neige das Ohr deines Herzens“ heißt es bei den Benediktinern, das das heutige Achtsamkeitstraining, das auch in der Klinik angewandt wird, in einer Tiefe beschreibt, die für die meisten Menschen wohl schwer zu erreichen ist.

Diskussion vor bewegenden Bildern von Hans Günther Kaufmann Foto: Karin Sommer
Diskussion vor bewegenden Bildern von Hans-Günther Kaufmann. Foto: Karin Sommer

Vertrauen sieht Hans-Günther Kaufmann als ein Schlüsselwort und erzählt von einem Erlebnis einer Seminarteilnehmerin, die in der Begegnung mit einer Trauerweide Trost gefunden hatte. „Plötzlich war ich nicht mehr allein“ war ihre Erfahrung, als sie sich im Wald „suchen ließ“. Wie viele Menschen in der heutigen Zeit teilt sie die Erfahrung eines laufend ratternden Verstandes, der Körper und Seele nicht zur Ruhe kommen lässt.

Nach den Publikumsfragen, die ein weiteres Nachdenken über den Begriff „Heilung“ in Gang setzten, endete ein Abend im Waitzinger Keller, der auch ein Anfang sein könnte, die Seele baumeln zu lassen, ihr das Ohr des Herzens zuzuneigen und sich mit ihr ein paar Stunden in der Natur zu verlieren.

Das Buch „Lichtwandern – Sehnsucht nach Weite“ von Hans-Günther Kaufmann – ist im EOS-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. Weitere Veranstaltungen im Kulturzentrum Miesbach finden Sie auf der Webseite des Waitzunger Kellers.

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