Danke-Demo zum Tag der deutschen Einheit

Danke-Demo mit Regenbogen

Regenbogen über der Stadtpfarrkirche Miesbach. Foto: Petra Kurbjuhn

Danke-Demo in Miesbach

Ein riesiger Doppelregenbogen über Miesbach war wie ein Zeichen für die Danke-Demo zum Tag der Deutschen Einheit. Etwa 100 Menschen waren zur evangelischen Apostelkirche gekommen, um gemeinsam zu singen und das Gefühl der Verbundenheit zu erleben.

Vor 30 Jahren geschah das Unfassbare, die beiden deutschen Staaten wurden wieder zu einem vereinigten Deutschland. Die Bürger der DDR hatten den Weg dafür mit der einzigartigen friedlichen Revolution geebnet. Dass dies damals ohne Blutvergießen stattfinden konnte, dass die Deutschen in ganz Deutschland in Frieden und Freiheit leben können, dafür sangen am Samstagabend in vielen Orten des Landes Menschen dieselben Lieder.

Lesetipp: Singen zum Tag der deutschen Einheit

In Miesbach hatte Kantorin Andrea Wehrmann eingeladen, an der Aktion „Deutschland singt“ vom Bundesmusikverband Chor & Orchester e.V. teilzunehmen. Und viele viele kamen, zündeten Kerzen an und ließen sich von dem Gemeinschaftsgefühl und der Dankbarkeit mitnehmen. Der Platz vor der Kirche bot genügend Raum, in coronagerechtem Abstand zu stehen. Moderiert von Monika Ziegler von KulturVision, die in jedes Lied mit ein paar Worten einführte, sangen die Teilnehmer zehn ausgewählte Stücke. Stimmführer dabei waren die Chöre von Andrea Wehrmann, die mit einer dreiköpfigen Band begleitete.

Danke-Demo
Danke-Demo vor der Apostelkirche. Foto: Petra Kurbjuhn

Kein Lied passt besser als „Die Gedanken sind frei“, denn endlich wurde auch den Menschen im Osten Freiheit geschenkt. Der Skorpions-Song „Wind of change“ beschreibt die Gefühle der Veränderung, wenn zwei Ideologien aufeinanderprallen. Die Dankbarkeit an diesem Tag wird durch „Nun danket alle Gott“ ausgedrückt. Und der Frieden durch „Hevenu shalom alechem“ und „Dona nobis pacem“. Die DDR-Band Karat brachte den Titel „Über sieben Brücken musst du gehen“ heraus, der von Peter Maffay gecovert wird, und nach der Wende spielen sie ihn zusammen. Von der Gnade, dem Geschenk spricht der Gospelsong „Amazing grace“ und als Protestsong der Bürgerrechtsbewegung in den USA „We shall overcome“.

Danke-Demo Astrid Güldner
2. Bürgermeisterin Astrid Güldner. Foto: Petra Kurbjuhn

Stimmungsvoll bei gerade aufgegangenem Mond ist das alte deutsche Volkslied „Der Mond ist aufgegangen“. Den Abschluss bildet das ergreifende Lied nach dem Text von Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das der evangelische Theologe kurz vor seiner Hinrichtung schrieb und das wie kein anderes Mut und Zuversicht vermittelt.

Als Vertreterin der Politik machte 2. Bürgermeisterin Astrid Güldner deutlich, wie wichtig das Miteinander in unserer Zeit ist und wies auf die an diesem Tag per Videokonferenz besiegelte Partnerschaft Miesbachs mit Marseillan hin.

Danke-Demo Robert Krause
Der Miesbacher Filmemacher Robert Krause. Foto: Petra Kurbjuhn

Der bekannte Drehbuchautor und Filmemacher Robert Krause gebürtig aus Dresden kam im Sommer 1989 über Ungarn in die BRD. Er erzählte sichtlich berührt von den Menschen, die ihm bei seiner Flucht geholfen und ihn im Westen beim Aufbau eines neuen Lebens unterstützt haben.

Eine Teilnehmerin der Danke-Demo berichtete, dass sie am 9. November in Westberlin einen Freund aus Ostberlin begrüßen durften, der just am Tag des Mauerfalls die Ausreisegenehmigung erhalten hatte und sich wunderte, dass er nicht allein die Grenze passierte.

Danke Demo Michael pelzer Monika Ziegler
Weyarns Altbürgermeister Michael Pelzer und Moderatorin Monika Ziegler. Foto: Petra Kurbjuhn

Über die überaus herzliche Aufnahme in ostdeutschen Gemeinden wusste Altbürgermeister Weyarns Michael Pelzer zu erzählen, der mit seinem Projekt der Dorferneuerung in ganz Deutschland unterwegs war. Monika Ziegler, die Silvester 1983 mit ihrer Familie aus der DDR nach Bayern ausreisen durfte und vier Tage später ihr drittes Kind bekam, erzählte, wie bewegt sie war, dass am 3. Oktober 1990 die bayerischen Nachbarn mit einer Falsche Champagner vor der Tür standen und gemeinsam die Wiedervereinigung feiern wollten. Sie wies aber darauf hin, dass man bei aller Freude und Dankbarkeit nicht vergessen möge, dass bei der Wiedervereinigung auch einiges schiefgelaufen sei.

Danke-Demo
Andrea Wehrmann mit ihrer Band begleitete das gemeinsame Singen. Foto: Petra Kurbjuhn

Dennoch, sie beendete diesen Teil des Abends mit einem Zitat von Bundespräsident Werner Steinmeier: „Wir sind nicht so weit, wie wir sein sollten, aber wir sind weiter, als wir denken“, das er an diesem Tag in Potsdam gesagt hatte. Pfarrer Erwin Sergel lud zum gemeinsamen Gebet ein und zum Abschluss sangen die Teilnehmer den 3. Vers der Deutschlandhymne und mit „Freude schöner Götterfunken“ die Europahymne. Was könnte besser zu dem Tag und der danke-Demo passen, als Friedrich Schillers Worte in Ode an die Freude „Alle Menschen werden Brüder“.

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