
Sehnsucht nach Farbe
Birgit Baumhammel mit ihrem Bild „Abgrund und Atem“. Foto: MZ
Ausstellung in Bad Wiessee
In der Ausstellungsreihe „Sehnsucht“ von KulturVision e.V. stellt jetzt Birgit Baumhammel ihre farbenfrohen Werke im Grünen Raum in Bad Wiessee aus. Für die Sauerlacher Künstlerin ist es die Sehnsucht nach Farbe, die sich in ihren Werken spiegelt.
Und so hat sie zur Vernissage den Raum auch in leuchtenden Farben geschmückt. Neben ihren Bildern erfreuen zahlreiche Frühlingsprimel die Besuchenden.
„Die Geschichte hinter meinen Bildern ist die Spurensuche“, sagt sie. Sie wolle den Spuren von Bewegung, von innerem Drängen, von Momenten zwischen Aufbruch und Loslassen bildnerisch erfassen.

Gegen den Wind. Foto: MZ
So heißt auch ihre aktuelle Serie „Vom Werden und Vergehen“. Schicht für Schicht arbeite sie sich vor, ohne Gedanken, sie lasse einfach die Farbe fließen, die sich übereinander schiebe, sich gegenseitig anstoße und wieder auseinanderfließe.

Blick in die Ausstellung. Foto: MZ
Für ihre Arbeiten verwendet die Künstlerin verschiedene Techniken. Zum einen mischt sie Marmormehl, Bitumen oder Sumpfkalk in nachpigmentierte Acrylfarbe oder Kreidefarbe, sie arbeitet aber auch mit Enkaustik, Schablonen und Wachstechnik, mit Alkoholtinte und liebt die Materialvielfalt.
Manche Werke lässt sie nach ihr Schichtmalerei unbehandelt, manche versieht sie mit einem glänzenden Überzug. Sie experimentiere viel, sagt die Künstlerin, und wenn ihr ein Bild zu langweilig erscheine, dann füge sie beispielsweise Enkaustikwachs hinzu.

Blau, das bleibt. Foto: MZ
So sind ihre Bilder sehr abwechslungsreich. Was sie verbindet, das ist der Ausdruck der Farbe, der die innere Stimmung der Künstlerin wiedergibt. Es gelingt ihr, Gefühle und Empfindungen in Farbe und Komposition umzusetzen.

Linien, die bleiben und Mohn. Foto: MZ
So gibt es helle und lichtvolle Bilder, wie „Linien, die bleiben“ oder „Mohn“ in starkem Rot, es gibt Bilder aus der Natur mit realen Bezügen, wie „Unter stillem Licht“ in Grüntönen.

Unter stillem Licht. Foto: MZ
Ebenso aber gibt es auch Bilder in gedeckteren Farben, etwa „Der Raum dazwischen“. Dieses Bild habe sie gemalt, als ihr Vater starb, erzählt Birgit Baumhammel. Die Risse und Sprünge im Bild würden die Etappen der Verarbeitung widerspiegeln.
Auch „Abgrund und Atem“ zeigt diese Entwicklung, letztlich steigt der Atem nach oben und führt in die Befreiung.

Der Raum dazwischen. Foto: MZ
Ganz anders das Bild „Gegen den Wind“. Dies sei ihr in einem Kurs passiert, erzählt die Künstlerin, plötzlich habe sie in ihrer Malerei ein Boot am Chiemsee gesehen und habe das dann komplettiert. „Manchmal fühle ich mich verpflichtet, auch einmal etwas Gegenständliches zu machen“, erklärt sie und verweist auch auf die Bilder im Schaufenster, die sie mit Schablonen- und Enkaustiktechnik fertigte und mit Text ergänzte.

Im Schaufenster. Foto: MZ
Ein wichtiges Merkmal zahlreicher Bilder von Birgit Baumhammel ist neben Farbe und flächiger Struktur auch Dreidimensionalität. „Ich mag Erhebungen“, sagt sie. Die haptische Struktur sei ihr besonders wichtig.
So ist die Ausstellung „Sehnsucht nach Farbe“ eine Einladung, in die inneren Stimmungen der Künstlerin einzutauchen, die sie in Farbe und Struktur offenbart und gleichzeitig an eigene Empfindungen anzudocken.
Ihre prozesshafte Malerei gibt Birgit Baumhammel in Kursen sowohl bei Boesner als auch in ihrem Atelier in Sauerlach weiter.
Zum Weiterlesen: Stimmigkeit und Resonanz