Blaske

Schwarz ist nun mal keine Farbe

Tatjana und Sabine Blaske vor einem Gemeinschaftswerk Foto: VC

Ausstellung in Hausham

Knallbunt: Die Ausstellung „Art Revolution“ im Kulturhaus Hausham ist auch ein Triumph über jede Art von Kunstgedöns. Das Ehepaar Blaske hat keinen Bock auf Kompromisse und ist auf seine Art nicht weniger als Punk.

Das Leiden am eigenen Werk kann ziemlich konkret sein. Etwa wenn sich die Künstlerin bei ihrer Arbeit mit einer Nadel regelmäßig in die Finger sticht, unbeabsichtigt versteht sich. „Das war schon eine Tortur“, sagt Sabine Blaske zum bisweilen schmerzhaften Entstehungsprozess ihres opulenten „Stormy!“, eine forsche Mischung aus Gemälde und Skulptur. Für das hier vernähte Leinen bedurfte hunderte Stiche, da sticht es sich schon mal daneben. Autsch! Derlei Fingerspitzengefühl braucht es denn auch vielleicht, zumal Blaskes Werke eigentlich introvertiert, verhalten daherkommen – Farb- und Formkreationen wie eine überwundene Traurigkeit. Ein Bild etwa heißt „Zerrissen“. Das ist hier wörtlich zu nehmen. Aber nicht nur ihre Skulpturen wirken hart und kantig, bei aller Präsenz bleibt im Hintergrund viel dunkel. „Schwarz ist meine Lieblingsfarbe“, sagt sie. Die kommt aber in dieser Ausstellung kaum vor, vielmehr wirkt das, was hier im Kunst- und Kulturhaus etwas breitbeinig unter dem Titel „Art Revolution“ zu sehen ist, eher wie ein einziger Befreiungsakt, der auch mal in durchsichtigen Plastiken auf jede Farbe verzichtet. Und Schwarz ist ja eigentlich auch keine Farbe.

Blaske
Bilderarrangement „It’s your Choice“: Provokation durch Plastikleisten gleich Punk. Foto: VC

Wucht des Gegenständlichen

Diesen Befreiungsakt, so sie ihn denn je brauchte, hat ihre Frau, Tatjana Blaske (eigentlich Tatjana Christina Anna) wohl längst hinter sich. Deren Ausstellungsstücke sind grell, explosiv und auch mal plüschig-provokant. Hauptsache geradeaus, gestalten statt gründeln. Die Wucht des Gegenständlichen, weniger In- denn Extrovertiertheit. „Kunst ist für mich Freiheit“, sagt sie. „Ich kann machen, was ich will!“ Zumal sie als gelernte Farb- und Lacktechnikerin nicht von ihrer Kunst lebt. „Das wäre schön.“ Politisch? „Auch das, ja.“ Die Kraft der geballten Faust, irgendwo leuchtet ein Che Guevara durch, weshalb das 80 mal 60 Zentimeter große Bildnis auch „Revolution Che“ heißt. Schon der Entstehungsprozess scheint Energie-geladen. „Ich bin so der Spachtler“, lacht Tatjana Blaske. Das Einfache als Trumpf, in dem immer auch etwas Trotz steckt. Spachtelmasse, Acryl und Spray drüber – „The Live“. Und da gibt’s da noch dieses zweiteilige Bilderarrangement mit Restrisiko, bei denen Plastikleisten provokant herausragen und den Betrachter auf Abstand halten. Resteverwertung? Zumindest Punk als Haltung und beiläufiger Attitüde.


Nähert sich der Kunst mit „laienhaftem Interesse“: Haushams Bürgermeister Johann Harraßer. Foto: VC

Mini-Vinschgerl und Spargel-Quich

Haushams Bürgermeister Johann Harraßer zeigt sich da ebenfalls interessiert, vielleicht weil Attitüde auch immer Teil der Politik ist. „Ich bin hier regelmäßig bei den Ausstellungen“, sagt er, selbst wenn er „kein Kunstexperte“ sei. „Ich verfolge das eher mit laienhaftem Interesse.“ Vielleicht nicht die schlechteste Art des Kunst-Zugangs. Die hiesige Kulturreferentin, Elisabeth Leidgschwendner, ist ebenfalls gekommen. „Frisch“ nennt sie die Ausstellung. Gilt übrigens auch für die Kulinarik: Am Vernissage-Buffet gibt’s unter anderem Mini Vinschgerl und Spargel-Quich.


„Revolution Che“: Die Kraft der geballten Faust. Foto: VC

„Wir wissen, was wir wollen“

Alles Geschmacksache, nur das Rezept muss stimmen. So unterschiedlich die Ansätze der zwei Blaskes sind – am Ende treffen sie sich in ihren Gemeinschaftswerken, beinahe mühelos, wie Tatjana Blaske versichert. „Wir kennen uns so gut, wir wissen was gemeinsam funktioniert.“ Streit? Diskussionen? Kreative Spannung? „Nein, wir wissen, was wir wollen.“ Kein Kunstgedöns sondern volle Fahrt voraus. So gibt es hier zwar jede Menge Kontraste zu sehen, die Zuordnungen zur jeweiligen Künstlerin fallen hingegen schwer. Möglicherweise sind es die Schnittmengen: Dafür braucht es dann aber auch hin- und wieder jede Menge Fingerspitzengefühl.

Die Ausstellung „Art Revolution“ ist im Kunst- und Kulturhaus Hausham noch bis zum 16. August zu sehen. Außerdem am 23. und 30 August sowie am 6. und 13. September, jeweils von 17 bis 20 Uhr. Eintritt frei.Mehr Infos unter www.Tatjana-Blaske.de und www.tbartrevolution.de

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