
Die „Winterreise“ zu zweit
Christopher Billy und Johann Hornstein. Foto: privat
Konzert in Tegernsee
Franz Schuberts „Winterreise“ ist ein melancholischer, in den November passender Liedzyklus für einen Bariton mit Klavierbegleitung. Am 8. November interpretieren ihn zwei junge Sänger und erzählen mit ihrer Gesanglehrerin, was sie an dieser Musik reizt.
„Sie haben es beide drauf“, stellt Bettina Bentgens-Hardieck fest. Und so teilen sich die beiden jungen Baritone den Zyklus. Den ersten Part des jungen Wanderers übernimmt Johann Hornstein, den zweiten des älteren Wanderers singt Christopher Billy. Seit eineinhalb Jahren proben sie mit ihrer Gesangslehrerin das anspruchsvolle Werk, das Franz Schubert, schon schwer von Krankheit gezeichnet, kurz vor seinem Tod nach Texten von Wilhelm Müller komponierte.
„Wir haben uns neben der Musik auch intensiv mit den Texten beschäftigt“, erzählt Johann Hornstein. „Es ist krass, wird von Anfang bis zum Ende immer verrückter, als verlöre er den Verstand.“ Und manche Wörter habe er auch nachschauen müssen.
Starke Emotionen
„Der Text gibt die Grundlage für die Interpretation, er ist verschnörkelt und altmodisch, aber die Botschaft kommt rüber.“, ist Christopher Billy überzeugt. Der 33-jährige Holzkirchner ist Lehrer für Deutsch und Englisch am Gymnasium Unterhaching. Musik aber war von frühester Kindheit seine Leidenschaft. Nach Blockflöte und Saxofon habe er vor elf Jahren begonnen zu singen, „bevorzugt Kunstlied“. Franz Schubert mag er, „weil er mit sehr wenigen Takten eine unfassbare Stimmung erzeugt“. Diese Intensität gebe es nur bei Schubert und der Komponist könne starke Emotionen hervorrufen.
Auch Johann Hornstein liebt das Kunstlied. Der 25-jährige Tegernseer studiert Wirtschaftswissenschaften. Er war im Solistenchor des Tölzer Knabenchors und hat reiche Auftrittserfahrungen. In Mozarts „Zauberflöte“ war er einer der drei Kaben in Berlin, Bremen und Oldenburg und hat an der Münchner Staatsoper in Lohengrin mitgesungen. Er sei von klein auf mit klassischer Musik groß geworden, erzählt er. Nach dem Stimmbruch habe er bei Bettina Bentgens-Hardieck als Bariton Unterricht genommen, in Konzerten auch schon mit Christopher Billy gesungen. „Aber das ist das erste richtige Solokonzert“, sagt er. Und die Proben seien anstrengend.
15 Punkte für Winterreise
Zur „Winterreise“ hat er einen positiven Bezug, denn das erste Lied sang er bei der Abiturprüfung, Leistungskurs Musik. 15 Punkte. Und das Ständchen „Leise flehen meine Lieder“, das liebe er besonders, „das geht ans Herz“.
Wichtig, das betonen beide Sänger, sei die Begleitung und die Beziehung der Sänger zu dem Klavierpart. Am Piano wird Maryla Kula die 24 Lieder des Zyklus begleiten.
Bettina Bentgens-Hardieck gefeierte Sopranistin
Nach Vorbildern befragt, sagt Gesangslehrerin Bettina Bentgens-Hardieck: „Ich verbiete es meinen Schülern, andere Sänger anzuhören.“ Sie empfehle ihnen auch, einen anderen Job neben dem Singen zu erlernen. „Wenn dann jemand die Perle entdeckt, ist es gut.“ Sie selber habe allerdings immer auf der Bühne stehen wollen.
Hinter der Sopranistin liegt eine erfolgreiche Karriere. Nach dem Studium bei Hertha Töpper und Kammersängerin Erika Köth war sie Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper in München und wurde 1985 ans Staatstheater Mainz engagiert, wo sie die großen Rollen der Opernliteratur sang. Heute freue sie sich, ihr Wissen an ihre Schüler weitergeben zu können, sagt sie.
Eigene Interpretation
Ein paar Vorbilder gibt es aber schon. So nennen die beiden Sänger Fritz Wunderlich, Hermann Prey, Dietrich Fischer-Dieskau, Thomas Quasthoff und Kurt Moll. „Und Christian Gerhager, der war vorher Arzt und ist mein großes Vorbild“, sagt Johann Hornstein.
Und doch müssen sie ihre eigene Interpretation finden, betont Christopher Billy. Etwa bei dem Lied „Letzte Hoffnung“. „Da muss man manisch singen, da wird es dissonant und arhythmisch.“
Aber am Ende werde es harmonisch abgerundet, verrät Bettina Bentgens-Hardieck.
