Max Mannheimer Kulturtage

Erinnerungskultur in Bad Aibling

Ausstellung „Die dritte Generation“ im Jüdischen Museum München. Foto: Eva Jünger

Veranstaltungsreihe in Bad Aibling

Vom 23. Januar bis zum 13. Februar finden wieder die Max Mannheimer Kulturtage in Bad Aibling statt. Der Initiator der Reihe Michael Stacheder begründet, wie wichtig in unseren Tagen eine sich immer wieder verändernde Erinnerungskultur ist.

„Es reicht nicht, am 27. Januar, dem Gedenktag der Opfer des Holocaust, einen Kranz niederzulegen und sich dann Stimmen vom rechten Rand der Gesellschaft zu holen, das ist verlogen und eine Verhöhnung der Opfer“, spricht der Regisseur und Schauspieler deutliche Worte. Man erlebe es in Deutschland, den USA und anderen Ländern, was passiert, wenn man den Rechtsradikalen das Feld überlasse. „Da werden Grenzen überschritten“, sagt er, deshalb seien die Max Mannheimer Kulturtage immer mit der Gegenwart konfrontiert.

„Unsere Zeit mit ihrer politisch-gesellschaftlichen Entwicklung bringt immer wieder Ideen für die Gestaltung der Kulturtage“, antwortet er auf die Frage, wie es gelinge bereits zum sechsten Mal ein abwechslungsreiches spannendes Programm für die Reihe zu entwickeln.

Max Mannheimer Kulturtage
Jüdisches Museum München. Foto: Daniel Schvarcz

Er freue sich sehr, dass sich vor reichlich einem Jahr der Verein Max Mannheimer Kulturtage mit Martina Thalmayr als Vorsitzender gegründet habe, der unter dem Titel „Für Vielfalt und Menschwürde“ sein Gründungsanliegen mit zahlreichen Kooperationspartnern weiterführe.

Nach den Highlights des Programms in diesem Jahr befragt, nennt Michael Stacheder spontan den 4. Februar. In einem Projekt des neu gegründeten Vereins gehen zwei Generationen mit einer Fahrt zum Jüdischen Museum München auf Spurensuche. „Ich freue mich sehr, dass diese Veranstaltung im Mittelpunkt der Kulturtage steht“, sagt er. Ziel sei es, Menschen verschiedener Generationen miteinander ins Gespräch zu bringen – über Geschichte, Verantwortung und die Bedeutung von Erinnerung heute.

Jugendliche und Teilnehmende der älteren Generation schauen sich die Ausstellung „Die dritte Generation“, die sich mit den Nachfahren von Überlebenden des Holocaust beschäftigt, an, aber noch wichtiger sei der anschließende Dialog. In ausgelosten Tandems tauschen sich beide Generationen über ihre Eindrücke aus – über das, was verbindet, was irritiert und was neu zum Nachdenken anregt.


Michael Stacheder. Foto: Paria Partovi

„Diese Spurensuche bringt unsere Arbeit auf den Punkt“, konstatiert Michael Stacheder. Wichtig ist ihm auch der 30. Januar, wenn im evangelischen Gemeindehaus über Bad Aibling im Nationalsozialismus gesprochen wird.

„Voriges Jahr war diese Veranstaltung restlos ausverkauft“, konstatiert der Organisator, allerdings kämen zumeist Menschen aus der demokratischen Seite der Bevölkerung, „Sie fühlen sich verbunden und sind empathisch und es gibt keine kritischen Stimmen“.

Recherchiert haben Alfred Breisl und Anneliese Wittkowski. Anhand von Dokumenten können sie zeigen, dass jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen von Ausgrenzung und Bedrohung durch die Nazis betroffen waren.

„Erinnern ist auch mit Erschütterungen verbunden, wenn es die eigene Familie mit Tätern und Mitläufern betrifft“, sagt Michael Stacheder. „Erinnerungsarbeit ist ein laufender Prozess, der sich ständig verändert.“

Max Mannheimer
Max Mannheimer. Foto: privat

Wichtig sei ihm aber, dass immer wieder auch auf Max Mannheimer hingewiesen werde. “Viele kennen ihn schon nicht mehr und deshalb haben wir auch die Eröffnungsveranstaltung am 23. Januar diesem außergewöhnlichen Zeitzeugen gewidmet.“ Der Vortrag von Michael Beer würdigt sein Leben und Wirken, seine Botschaft und seine Verbindung zur Stadt Bad Aibling – und lädt dazu ein, sich erneut mit der Bedeutung von Erinnerungskultur und Zivilcourage auseinanderzusetzen.


Bernhard Jaumann, Autor der Textcollage über Ernst Toller. Foto: privat

Michael Stacheder weist noch auf eine Veranstaltung am 8. Februar in der St. Georg Schule hin, die Ernst Toller, Jude, Sozialist und Pazifist, gewidmet ist. Claudia Hinterecker, Bernhard Jaumann und Michael Stacheder werfen in einer Textcollage von Bernhard Jaumann einen Blick auf sein Leben und sein literarisches Schaffen und loten die Aktualität darin aus. Ganz unter dem Motto, mit dem Toller eines seiner Dramen betitelt hat: Hoppla, wir leben!


Claudia Hinterecker liest mit Bernhard Jaumann und Michael Stacheder. Foto: privat

„Mir geht es hier auch darum, diesen Bau der St. Georg Schule der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, erklärt Michael Stacheder. „Die Schule ist ein Bild für eine neue offene liberale Pädagogik und wir wollen diesen Ort mit einer Veranstaltung beleben.“

Die Max Mannheimer Kulturtagen enden am 13. Februar in der Kulturgalerie Kulturwerk Bad Aibling mit einem Podcast mit dem Titel „Omas Tasche und das Hitler-Attentat“ mit Thies Marsen von Bayern2. Darin geht es um Konfrontation mit dem familiären Erbe und der NS-Zeit. Es geht um Geschichts- und Familienlegenden, Vergangenheitsbewältigung auf der weltpolitischen Bühne und in der eigenen Familie.

Das gesamte Programm der Max Mannheimer Kulturtage 2026 können sie hier herunterladen.

Zum Weiterlesen: Max Mannheimer Kulturtage schlagen Brücken zur Gegenwart

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