KlinikClowns in Agatharied

Klinikclowns Lupino Valentino und Kati Strophe (vorne v.l.n.r.) mit Manfred Lehner, Johannes Paul (Vorstand Raiffeisenbank im Oberland), Klaus Hussy (Vorstand Raiffeisenbank Gmund), Margit Kellerer (Chefärztin Kinder- und Jugendmedizin, Krankenhaus Agatharied) und Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind (hinten v.l.n.r.). Foto: Hannah Miska

Ausstellung im Krankenhaus Agatharied

Mit der Kamera unterwegs: Manfred Lehner begleitet und fotografiert die KlinikClowns im Krankenhaus Agatharied. Eine Ausstellung des Fotografen zeigt Impressionen von unvergesslichen Begegnungen mit kleinen und großen Patienten.

Klinikclowns Verschenken Lachen

Jeden zweiten Sonntag kommen sie ins Krankenhaus Agatharied. Sie besuchen die Kinderstation, die Alterstraumatologie, die Neurologie und die Palliativstation. Und zaubern kleinen und großen Patienten wie auch dem Personal ein Lächeln ins Gesicht: Die KlinikClowns. Nun werden sie für genau dieses Lachen, das sie verschenken, im Krankenhaus Agatharied gewürdigt: mit einer Fotoausstellung von Manfred Lehner, der die Arbeit der Clowns mit der Kamera begleitet und festgehalten hat.


Jens Zangenfeind (links) und Klinikclown Kati Strophe bei der Vernissage im Foyer des Krankenhauses Agatharied. Foto: Hannah Miska

Den Heilungsprozess befördern

Jens Zangenfeind, erster Bürgermeister der Gemeinde Hausham, lässt es sich nicht nehmen, die Ausstellung zu eröffnen. Ein „Haus der Herzlichkeit“ nennt er das Krankenhaus Agatharied, und dankt allen Mitarbeitern für deren Sorge um die Patienten. Letztere befänden sich in einer gewiss nicht einfachen Situation, seien unfreiwillig aus dem normalen Leben gerissen und müssten mental und psychisch ihre Krankheit verarbeiten. Da kämen die KlinikClowns wie gerufen. Mit ihrem Humor würden sie nicht nur den Krankenhausaufenthalt der Patienten erhellen, sondern auch deren Heilungsprozess befördern.


Klinikclowns Kati Strophe (links) und Pipo Uhr-Laub. Foto: Hannah Miska

Kati Strophe, Lupino, Pipo und viele rote Nasen

Wie das mit der Leichtigkeit aussieht, wird – so ganz nebenbei – von den Klinikclowns Kati Strophe, Pipo Uhr-Laub und Lupino Valentino demonstriert. Lupino zieht eine rote Nase nach der anderen aus seiner Hosentasche und verteilt sie an die Besucher der Vernissage, Pipo Uhr-Laub steht mit der Gitarre am Mikrofon, Kati Strophe begleitet ihn auf ihrem Spielzeug-Saxophon und formt zugleich die die wundersamsten Gebilde aus Luftballons. Prompt überreicht sie dem verblüfften Jens Zangenfeind ein Herz mit Schleife. Auch Margit Kellerer, Chefärztin der Kinderabteilung, bekommt ein großes Herz in die Hand gedrückt, nachdem sie eine kleine Rede gehalten und gesagt hat, wie fasziniert sie immer wieder sei von den Klinikclowns. Die Kinder auf der Station seien alle so unterschiedlich und doch gelänge es den Clowns, sich mit einem enormen Einfühlungsvermögen auf alle einzustellen, sie brächten eine wunderbare Heiterkeit und Freude auf die Station.

Harte Arbeit

Hinter der Heiterkeit und Freude steckt harte Arbeit. Die Clowns sind Profis, sie weisen alle eine mehrjährige künstlerische Ausbildung auf. Nicht nur die Clownerie und Improvisation jedoch müssen die Klinikclowns beherrschen. Sie benötigen auch einen hohen Grad an Sozialkompetenz und Empathie. Deshalb werden sie vom Verein KlinikClowns Bayern durch Weiterbildungen unterstützt – und zwar nicht nur im künstlerischen Bereich, sondern auch durch Supervisionen und Workshops, die Kenntnisse über Krankheit, Klinik, Altenpflege und die Arbeit mit kranken Kindern, dementen, behinderten und schwerkranken Menschen vermitteln.

Glücksmomente

Und der Fotograf? Hält sich bei der Vernissage im Foyer des Krankenhauses bescheiden zurück. Er lässt lieber seine Fotos sprechen – und die sprechen unzweifelhaft für sich. Seit 2011 begleitet Manfred Lehner die KlinikClowns bei ihrer Arbeit in Kliniken, Alters- und Pflegeheimen oder Behinderteneinrichtungen – und hält mit seiner Kamera die Begegnungen mit den kranken oder alten Menschen fest. Man sieht Glücksmomente voller Emotionen und die Fotos lassen auch den Betrachter nicht unberührt. „Dabei ist es gar nicht einfach, diese Momente einzufangen“, sagt Lehner, „denn ich muss mich bei diesen Besuchen als Fotograf völlig im Hintergrund halten“.


Fotograf Manfred Lehner bei der Vernissage. Foto: Hannah Miska

Auf die Frage, wie er zu dieser Arbeit gekommen sei, antwortet Lehner, dass er ein „Menschenfotograf“ sei und als solcher einmal eine Foto-Ausstellung über Landwirte gemacht hätte. Bei der Gelegenheit sei er von einem Clown angesprochen worden: Ob er nicht Lust hätte, das nächste Projekt der Clowns in einem Flüchtlingslager in Georgien fotografisch zu begleiten? Der gelernte Grafikdesigner Lehner hatte Lust – und weitere Projekte in Indien, in der Türkei und in Erstaufnahmelagern in Deutschland folgten. Unvergesslich für Lehner ist der erste Einsatz mit den KlinikClowns auf der Kinderonkologie in Schwabing. Da sei er anschließend daheim fast zusammengebrochen und habe verstanden, wieviel Resilienz die Clowns mitbringen müssten für ihren Beruf.


Kinderlachen im Krankenhaus Agatharied. Foto: Hannah Miska

„Das möchte ich auch können“

Und die Clowns? Lieben ihren Beruf. Luitpold Klassen alias Lupino Valentino zum Beispiel. Eigentlich Tischler, hatte er sein „Erweckungserlebnis“ mit 42 Jahren, als er einen Clown sah und dachte: Das möchte ich auch können. Er warf alles hin, machte eine Clowns-Schauspielausbildung – und verdient sein Geld seither als „Begegnungskünstler“. Und da man von dem Honorar als Klinikclown nicht leben kann, ist er auch noch privat unterwegs, hält – zum Beispiel auf Gesundheitsmessen – Vorträge, schreibt Bücher, macht Kindertheater. „Und er kann endlos Gedichte aufsagen – auswendig“, unterbricht Sascha Schett alias Kati Strophe, und prompt rezitiert Lupino – wunderbar ausdrucksstark – ein längeres Gedicht.

Positive Energie

Auch Felix Neuenhoff alias Pipo Uhr-Laub, der Barde am heutigen Abend mit Gitarre und Gesang, hat ein zweites und drittes Leben: Er betreut einmal in der Woche einen Schwerbehinderten, ist Sänger in seiner Coverband Felix and the machines und macht eine Wort-Tat-Musik-Impro-Show, die er auf Zuruf aus dem Publikum kreiert. Inzwischen knüpft Clown Kati Strophe der Autorin ein kleines Ballon-Herz an den Stift – noch während damit geschrieben wird. Die Künstlerin ist ständig in Bewegung, versprüht gute Laune und eine enorme positive Energie. Vor 25 Jahren habe sie ihre Clownsausbildung begonnen mit dem Ziel, „die Stimmung in einem Zimmer zu drehen“. Dass sie das kann, glaubt man ihr unbesehen und denkt automatisch an so manche alltägliche Situation, in denen man dieses Talent gut gebrauchen könnte.

Die Einsätze der KlinikClowns werden durch Spenden finanziert, der gemeinnützige Verein KlinikClowns Bayern freut sich über jede Unterstützung. Die Ausstellung im Foyer des Krankenhauses läuft bis Ende März. Sie wird gefördert von den Raiffeisenbanken im Landkreis Miesbach (Raiffeisenbank im Oberland, Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing und Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee), die „Clowns-Visiten“ im Krankenhaus Agatharied seit über zwei Jahrzehnten möglich machen, und vom Freundeskreis Krankenhaus Agatharied.

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